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Energie und Rohstoffe Platin-Preis: Erstmals seit 1996 unter dem Goldpreis

12.12.2008 ·  Der Preis von Platin hat in den vergangenen Monaten kräftig nachgegeben. Inzwischen ist das Edelmetall günstiger als Gold. Tatsächlich lässt die Nachfrage aus der Industrie nach. Dagegen scheint Gold in der Gunst der Anleger oben zu liegen.

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Am Freitag ist der Platinpreis erstmals seit 1996 unter den Preis für Gold gefallen. Am Tagesmarkt verbilligte sich die Unze Platin in der Spitze 3,4 Prozent auf 807,50 Dollar je Unze. Für Gold mussten mindestens 808 Dollar gezahlt werden.

Hintergrund des jüngsten Preisrutsches bei Platin ist zumindest kurzfristig das Scheitern des Rettungspakets für die angeschlagenen amerikanischen Autohersteller, da die Branche nahezu zwei Drittel zum weltweiten Platinverbrauch beisteuert.

Nachfrage aus der Industrie nach Platin lässt nach

Rohstoffexperten argumentieren jedoch, das Nein des amerikanische Senats zu dem Hilfsprogramm stelle nur noch das Tüpfelchen auf dem „i“ dar. „Wir haben das schon eine Weile erwartet“, sagte Walter de Wet, Analyst bei Standard Bank in Johannesburg der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Preis für Platin wäre auch dann unter Druck geblieben, wenn der Plan für die Autobranche Erfolg gehabt hätte, heißt es.

In der Tat wurden im November in den Vereinigten Staaten 37 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahresmonat. Bei Autos und Kleinlastern war das Geschäft auf Monatssicht so flau wie zuletzt vor 26 Jahren. „Ein Rettungspaket würde vielleicht die Hersteller retten - aber wer soll denn die Autos kaufen?“, fragte de Wet. „Da die Verbraucher in den Vereinigten Staaten unter Druck stehen, erwarten wir keine Trendwende.“

Nicht nur in den Vereinigten Staaten sind die Verkaufszahlen im Fahrzeugsektor in den vergangenen Wochen deutlich eingebrochen, sondern weltweit findet simultan eine ähnliche Entwicklung beobachten. Aus diesem Grund kamen die Automobilhersteller in jüngster Zeit einer nach dem anderen mit Umsatz- und Gewinnwarnungen auf den Markt und mit Mitteilungen, sie würden ihre Produktion deutlich einschränken. Nicht nur über Weihnachten stehen viele Werke still, sondern viele Unternehmen der Branchen schicken ihre Arbeitnehmer in verlängerten Urlaub oder bitten sie, Überstunden abzubauen oder Arbeitszeitkonten in Anspruch zu nehmen.

Dagegen zeigt sich der Goldpreis relativ robust

Aufgrund der Überkapazitäten und der wahrscheinlich länger als erwartet dauernden Wirtschaftskrise scheinen weitere Nachfragerückgänge aus der Industrie nach Platin nicht zu überraschen, nachdem im vergangenen Jahr die Nachfrage aus der Schmuckindustrie noch aufgrund der hohen Preise bei zunehmenden Angebot deutlich zurückgegangen war. Angesichts der Zurückhaltung der Konsumenten scheint die Preisstabilisierung von dieser Seite kaum zu erwarten zu sein. Letztlich scheint in einem deflationären Umfeld ein weiterer Preisrückgang bei Platin denkbar zu sein.

Dagegen zeigt sich der Goldpreis relativ robust. Analysten argumentieren, längerfristig orientierte Anleger betrachteten Gold als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten und als Währungsersatz. Im Falle einer Panik wäre sogar eine Verknappung denkbar, wie sie in den vergangenen Wochen bei einzelnen Münzen und Goldbarren aufgrund der eher zurückhaltenden Produktion der Schmelzen zu beobachten war. Immerhin ist der Goldmarkt im Vergleich mit den gesamten Finanzmärkten relativ klein. Sollten Anleger in größerem Stile dazu übergehen, sich Gold ins Depot legen zu wollen, so würde der Goldpreis unabhängig von der industriellen Nachfrage deutlich nach oben laufen können.

Denkbar wäre ein solches Szenario in dem Fall, in welchem die Reflationierungsbemühungen der Zentralbanken Wirkung zeigten und in dem sie schließlich nicht rasch und deutlich genug auf die „geldpolitische Bremse“ träten. Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre - immerhin haben Wirtschaftspolitiker und Zentralbanken in den vergangenen Jahren inflationäre Impulse in Form verschiedenster Vermögenspreisblasen einfach nicht wahrhaben wollen - scheint in Zukunft alles möglich zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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