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Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energie und Rohstoffe Lagerzyklus treibt den Nickelpreis

09.03.2010 ·  Der Nickelpreis ist in kurzer Zeit deutlich gestiegen. Dafür sei ein sich selbst verstärkender Lageraufbau- und Erwartungszyklus bei kurzfristig unterversorgtem Markt verantwortlich, heißt es. Fragt sich nur, wie lange die Nachfrage hält.

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Nach einer Konsolidierung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres hat der Preis für Nickel an den Terminbörsen in den vergangenen Wochen deutlich zugelegt. Er stieg an der London Metal Exchange von 17.000 Dollar je Tonne noch Anfang Februar auf bis zu 22.845 Dollar je Tonne vor wenigen Tagen. Das hat viele Marktteilnehmer überrascht, da sie gerade das Gegenteil erwartet hatten.

Die Preisentwicklung kann zumindest zum Teil auf spekulative Käufe zurückgeführt werden. Denn die Anzahl der offenen Kontrakte nahm genau in diesem Zeitraum beträchtlich zu, während die Lagerbestände von 80.0000 auf bis zu 165.000 Tonnen stiegen.

Nachfrage nach rostfreien Stählen zieht momentan an

Auf der anderen Seite hat die Nachfrage nach rostfreien Stählen und damit indirekt nach Nickel in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Nachdem es im vierten Quartal des vergangenen Jahres noch zu deutlichen Produktionskürzungen gekommen war, zog die Produktion im ersten Quartal des laufenden Jahres wieder deutlich an; zuerst in Asien und schließlich auch in Europa und den Vereinigten Staaten.

Die Stahlmühlen wurden von der Nachfrage überrascht und mussten sich beeilen, sich mit Rohstoffen und Sekundärmaterialien einzudecken. Die Rohstoffexperten der Macquariebank rechnen damit, dass die Produktion von rostfreien Stählen, die für rund zwei Drittel der Nickelnachfrage steht, im den ersten drei Monaten des laufenden Jahres im Vergleich mit dem Vorquartal um bis zu neun und im Vergleich mit dem schwachen Vorjahr sogar um 50 Prozent zunehmen könnte.

Die starke Nachfrage und hohe Preise werden wahrscheinlich dazu führen, dass die Produktion von rostfreiem Stahl im zweiten Quartal weiter zunehmen wird. Solche Prozesse verstärken sich phasenweise von selbst, wenn steigende Rohstoffpreise zur Erwartung führen, die Stahlpreise würden einen Monat später nachziehen, heißt es. Genau diese Erwartung führe zu einem überaus starken Lageraufbau, der wiederum zum Preisauftrieb beitrage. Während unter normalen Umständen für die Herstellung von rostfreiem Stahl 40 bis 45 Prozent der benötigten Nickelmengen aus sekundären Quellen stammen, ist in diesem Bereich das Angebot nach einer vorhergehenden Produktionsflaute knapp. Das könne dazu führen, dass die Nachfrage nach Primärnickel zu Beginn des Zyklus überproportional ausfalle, erklären die Analysten der Macquariebank.

Lageraufbau- und Erwartungszyklus verstärkt sich selbst bei kurzfristig unterversorgtem Markt

Lageraufbau- und Erwartungszyklen dieser Art könnten die Rohstoffpreise in den kommenden Monaten hoch halten, erklären sie weiter. Bei Nickel gebe es zudem eine kleine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage, die nicht auf die Schnelle geschlossen werden könne. Auf der anderen Seite gebe es in China möglicherweise größere Lagerbestände. Selbst dort ließen jedoch abnehmende Importe in Kombination mit einer zunehmenden Stahlproduktion auf den laufenden Abbau schließen.

Insgesamt deutet einiges auf einen anhaltend hohen Nickelpreis hin. Ändern würde sich daran erst etwas, wenn die Produktion in den bisher bestreikten Minen von Vale Inco im kanadischen Sudbury und in Neufundland rasch wieder angefahren werden. Sie halten sieben bis acht Prozent des globalen Angebots vom Markt fern. Ein anderes Risiko besteht darin, dass die konjunkturelle Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte einschläft und die Stahl- sowie die Nickelnachfrage nachlässt. Diese Kombination könnte bei gut gefüllten Lagern zu einem deutlichen Preisrückgang führen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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