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Energie und Rohstoffe Interventionistische Preiserholung bei Rohstoffen

05.01.2009 ·  Die Krise beherrscht zwar die Schlagzeilen. Die Anleger scheinen sich davon jedoch inzwischen nur noch bedingt beeindrucken zu lassen. In den vergangenen Wochen erholten sich die Preise im Rohstoffbereich zumindest selektiv.

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Die Krise beherrscht zwar die Schlagzeilen. Die Anleger scheinen sich davon jedoch inzwischen nur noch bedingt beeindrucken zu lassen. In den vergangenen Wochen griffen sie sowohl bei Aktien als auch im Rohstoff- und Devisenbereich wieder selektiv zu.

Manche strategische Investoren scheinen gerade über die Weihnachts- und Silvesterfeiertage die Gunst der „dünnen Märkte“ genutzt zu haben, um Trends zu setzen, auf die andere Marktteilnehmer aufspringen müssen, sobald sie aus dem Urlaub zurück kommen, um nicht gleich zu Beginn des neuen Anlagejahres im Vergleich mit den verschiedenen Indizes zu stark in die Defensive zu geraten. Immerhin wird ihr Erfolg oft auf relativer Basis gemessen.

Preis von Kautschuk erholt sich nach massivem Verfall

In den vergangenen Tagen konnten zyklische Währungen und in den etablierten Aktienmärkten zyklische Werte deutliche Kursgewinne verbuchen. In Europa legten beispielsweise die Aktien des Stahlherstellers Eramet seit Jahresbeginn 28 Prozent zu, gefolgt von den Papiere der Rohstoffunternehmen Xstrata, Rio Tinto und Anglo America. Auch die Anteilscheine von Arcelor Mittal, Eurasian Natural und BHP Billiton legten deutlich zu.

Das heißt, die Anleger scheinen trotz extrem schwacher konjunktureller Daten beinahe weltweit auf den Erfolg lockerer Geldpolitiken und Kredit finanzierter Konjunkturprogramme zu bauen. Diese Erwartungshaltung zeigt sich auch an den Energie- und Rohstoffmärkten direkt. Zum Beispiel an der Preisentwicklung von Kautschuk an der Tokyo Commodity Exchange.

Hatte der Preis aufgrund der ausgeprägten Schwäche der internationalen Automobilindustrie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres um mehr als 70 Prozent nachgegeben, so erholte er sich in den vergangenen vier Wochen von seinem Tief. Ausgehend von 97 Yen am fünften Dezember des vergangenen Jahres ging es inzwischen wieder um knapp 49 Prozent nach oben auf zuletzt 144,4 Yen je Kilogramm Kautschuk in der Form RSS No. 3.

Allerdings tragen nicht nur Wetten auf eine durch Staatsausgaben induzierte konjunkturelle Erholung zum Preisauftrieb bei, sondern auch direkte staatliche Interventionen oder Preis beeinflussende Absprachen durch offene oder Quasi-Kartell. So hat Thailand angekündigt, bis zu 200.000 Tonnen Kautschuk auf dem Markt zu erwerben und zu lagern, um auf diese Weise das Angebot zu beschränken. Zuvor hatten Thailand, Indonesien and Malaysia schon eine Einschränkung der Produktion angekündigt.

Auftrieb bei Öl und Nickel

Ähnliches gilt auch für die Opec, die Organisation wichtiger Öl produzierender Staaten. Sie hatte angekündigt, die Produktion um bis zu neun Prozent einzuschränken, um auf diese Weise den Preisverfall der vergangenen Monate zu stoppen. Angesichts der Finanzbedarfs der Ölstaaten mögen zwar Zweifel bestehen, ob solche Produktionskürzungen faktisch auch umgesetzt werden. Allerdings haben die Absichtserklärungen zusammen mit dem eskalierenden Konflikt im Nahen Osten zu einer Erholung des Ölpreises geführt. Mit 46,90 Dollar kostet am Montag ein Fass der Sorte WTI 39 Prozent mehr als Mitte Dezember. Manche Strategen gehen angesichts hoher Terminpreise davon aus, dass Öl wieder teuerer werden wird. Andere zweifeln angesichts der schwachen Konjunktur gerade daran.

Deutlich teurer wurde in den vergangenen Tagen auch Nickel. Hier spielen allerdings eher technische Faktoren eine Rolle als die Wette auf eine zyklische Erholung. Index orientierte Händler hätten im Dezember begonnen, das Metall zu erwerben, da sie auf eine Neugewichtung des Dow Jones-AIG Commodity Index wetteten, heißt es aus dem Markt. Fundamentale Fakten sprechen gegen einen anhaltenden Preisauftrieb bei Nickel. Immerhin haben die Lagerbestände an den Terminbörsen in den vergangenen Monaten deutlich zu genommen.

Ähnliches gilt für viele Rohstoffe. Ausnahmen gelten möglicherweise für einige Agrargüter wie Mais, Weizen und Soja. Denn erstens befinden sich die Lagerbestände weltweit auf tiefem Niveau. Zweitens bleibt die Nachfrage mittel- und langfristig aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung robust. Drittens halten die oligopolistischen Strukturen im Düngemittelsektor die Produktionskosten hoch. Diese Kombination wirkt zumindest Preis stützend.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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