29.06.2009 · Nach dem Absturz in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres hat sich der Ölpreis wieder verdoppelt. Fragt sich nur wieso. Denn die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat ihre mittelfristige Nachfrageprognose deutlich gesenkt.
Der Ölpreis befand sich in den vergangenen Jahren auf Achterbahnfahrt. Nach einem zuvor unvorstellbaren Rekordniveau von 145 Dollar je Fass Öl der amerikanischen Sorte WTI im Juli des vergangenen Jahres kam zunächst der große Absturz auf bis zu 33,9 Dollar im Dezember desselben Jahres.
Inzwischen hat sich der Preis allerdings wieder verdoppelt auf zuletzt 69,6 Dollar. Fragt sich nur wieso. Denn die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat ihre Prognosen für die mittelfristige Entwicklung der Ölnachfrage wegen der für die nächsten Jahre zu erwartenden globalen Wachstumsschwäche deutlich gesenkt.
Nachfrageprognose für die kommenden Jahre deutlich gesenkt
Wie die in Paris ansässige Organisation in ihrem am Montag veröffentlichten mittelfristigen Ölmarktbericht mitteilte, rechnet sie für das Jahr 2013 mit einer globalen Ölnachfrage von täglich 87,90 Millionen Barrel. Das sind 3,35 Millionen Barrel weniger als sie in ihrem im Dezember des Jahres 2008 veröffentlichten Bericht vorausgesagt hatte.
Dabei war damals schon absehbar, dass die Finanzkrise den Welthandel deutlich ausbremsen wird. Im Jahr 2008 hatte die globale Ölnachfrage 85,76 Millionen Barrel betragen. Im laufenden Jahr rechnet die die IEA mit einer Nachfrage von 83,21 Millionen Barrel und im kommenden Jahr 2010 mit einer Nachfrage von 84,33 Millionen Barrel. Die Voraussagen der IEA basieren auf den Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds von vier Prozent ab dem Jahr 2011. Da die Analysten der Energie-Agentur sie allerdings für optimistisch halten, haben sie ein zweites Szenario mit niedrigeren Wachstumsraten entworfen, in dem sie zu noch geringeren Ölnachfragewerten gelangen.
Während sie in ihrem Basisszenario zu einer Nachfrageprognose für das Jahr 2014 von rund 89 Millionen Barrel kommen, sind es beim pessimistischen Szenario mit Wachstumsraten von maximal 3 Prozent nur knapp 85 Millionen Barrel. Das Basisszenario mit einem Anstieg der Ölnachfrage um jahresdurchschnittlich 1,4 Prozent impliziert für das Jahr 2009 einen realen Ölpreis von 48,50 Dollar, der bis ins Jahr 2014 zumindest theoretisch auf 61,20 Dollar steigen sollte. Für den durchschnittlichen IEA-Importpreis ergäbe sich ein Preis von 44,90 Dollar im Jahr 2009 und von 56,70 Dollar im Jahr 2014. Die IEA verweist jedoch ausdrücklich darauf, dass es sich hierbei nicht um eine Preisprognose handele.
Markt ist den Preisszenarien weit vorweggelaufen
Tatsächlich weichen die genannten Preise deutlich von dem ab, was im Markt schon wieder verlangt wird, obwohl die Nachfrage deutlich nachgelassen und die freien Produktionskapazitäten deutlich zugenommen haben. Die IEA geht davon aus, dass dafür spekulative Aktivitäten mit verantwortlich sind, wenn auch nicht primär. Allerdings verweist sie bei der gemäßigten Einschätzung dieser Art auf die geregelten Terminmärkte und geht nicht auf intransparente Positionen ein, die im so genannten OTC-Markt eingegangen sein mögen.
Faktisch wird die mittelfristige Ölnachfrage nicht nur vom allgemeinen Wirtschaftswachstum abhängen, sondern auch von der Veränderung der Energieintensität. In den OECD-Staaten macht deren Verbesserung sich längst bemerkbar, indem sie die Ölnachfrage bremst oder gar schrumpfen lässt. Sollten die Schwellenländern und die bisherigen Energiedinosaurier wie die Vereinigten Staaten auf rasch und konsequent auf modernste Technologien oder gar auf alternative Energiequellen setzen, könnten Angebots- und Nachfrageszenarien dieser Art zur Makulatur werden. Faktisch werden sie dazu nicht nur aus klimapolitischen Gründen gezwungen, sondern der Markt gibt wegen der großen Bevölkerungen in China und Indien die Imitation des verschwenderischen Umgangs westlicher Staaten einfach nicht her.
Heißer Brei!
Joachim Mense (JMense)
- 29.06.2009, 16:04 Uhr
Übergang vom Nachfrage- zum Angebotsmarkt
Günter Weber (GWeberBV)
- 29.06.2009, 16:06 Uhr
Eine Theorie - vielleicht?
Rüdiger Noll (krn)
- 02.07.2009, 15:19 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |