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Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energie und Rohstoffe Der Ölpreis ist nach oben ausgebrochen

01.04.2010 ·  Die Preise an den den deutschen Tankstellen stiegen rechtzeitig zu Ostern. Das dürfte nicht nur an der Preispolitik der Konzerne liegen - auch der Ölpreis legte in den vergangenen Tagen deutlich zu. Er dürfte in den kommenden Monaten die Inflation anheizen.

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Rechtzeitig zu den Osterfeiertagen geht den deutschen Autofahrern beim Anblick der Tankstellenschilder das Messer in der Tasche angesichts exorbitanter Benzinpreise auf. Die Mineralölfirmen verweisen in einem lahmen Versuch, die Schuld abzuwälzen auf die hohen Steuern, an denen sich aber zuletzt nichts geändert hat.

Man kann über die Hintergründe des jüngsten heftigen Anstiegs der Spritpreise streiten, wie man will. Tatsache ist jedoch, dass der Ölpreis nach dem massiven Verfall im Jahr 2008 mittlerweile wieder um knapp 150 Prozent gestiegen ist und am Gründonnerstag 84,41 Dollar für das Fass der Sorte WTI und damit seinen höchsten Stand seit mindestens 17 Monaten erreicht hat.

Dynamik und Jahreszeit spricht für einen weiteren Anstieg

Damit ist der Ölpreis innerhalb weniger Wochen um 15 Dollar gestiegen, Anfang Februar hatte er noch bei 69 Dollar gelegen. Alleine in den vergangenen vier Handelstagen ist er damit um knapp 6 Prozent geklettert.

Ein Blick auf die Dynamik der Preisbewegung legt weitere Preissteigerungen nahe, ist doch der Preis doch nach oben ausgebrochen, wie die technischen Analysten sagen. Zudem unterstützen saisonale Effekte eine Aufwärtsbewegung: Im Frühling lebt die Wirtschaft mit der einsetzenden Vegetation, besserem Wetter und angenehmeren Temperaturen in der Regel auf.

Aggressive Geld- und Konjunkturpolitik führen zu Euphorie an den Energiemärkten

Dem kommt zusätzlich ein allgemeiner und weltweit stark ausgeprägter Konjunkturoptimismus zugute, der wiederum in erster Linie auf sehr expansive Geldpolitiken und auf Pump finanzierte Ausgabenprogramme zurückzuführen ist. An den Finanzmärkten wird dieser zusätzlich durch die Werbefeldzüge euphorischer und verkaufsorientierter Analysten und Banker gefördert, die selbst nach ihrem Fehlverhalten in den vergangenen Jahren und der Übernahme massivster Verluste durch die Steuerzahler weder von Notenbanken noch von Politikern oder Aktionären daran gehindert werden, zu ihrem verheerenden Verhalten vor der Krise zurückzukehren und große spekulative Risiken einzugehen.

Weder wurden die impliziten Staatsgarantien zurückgezogen, noch die regulatorischen Regeln genügend verschärft, noch die Auszahlung gigantischer Boni durch Aktionäre und Gläubiger an sich maroder und überflüssiger Banken eingeschränkt, noch Mindestreservesätze oder Zinsen erhöht, um das zu verhindern. Wen wundert es also, wenn in diesem Umfeld wieder „große Räder“ gedreht werden?

Unterstützend wirken die niedrigen Zinsen, zu denen die Zentralbanken Geld verleihen und nicht zuletzt durch subventionierte Energiepreise in vielen Schwellenländern.

Angebot und Nachfrage beeindrucken den Preis wenig

Im vergangenen Jahr lag die weltweite Ölnachfrage mit durchschnittlich 85 Millionen Barrel täglich um 1,4 Prozent unter der des Vorjahres. Im laufenden Jahr 2010 soll die Nachfrage laut Internationale Energieagentur (IEA) um 1,8 Prozent auf 86,6 Millionen Barrel pro Tag zunehmen. Genau diese Menge aber wurde im Februar angeboten und war damit leicht höher als im Januar.

Die Opec produzierte im Februar 29,2 Millionen Fass Öl. Das war die größte Menge seit 14 Monaten. Sie kündigte jüngst an, die Produktion zu steigern, sollte der Ölpreis aus der Preisspanne von 70 bis 80 Dollar ausbrechen. Damit stiege das Angebot - das jedoch scheint den Markt derzeit nicht zu beeindrucken, ebenso wenig, dass die Lagerbestände der OECD-Staaten im Februar 2704 Millionen Barrel betrugen, ausreichend für knapp zwei Monate. Aus fundamentaler Sicht ist der Markt weiter bestens versorgt.

In Europa stagniert die nachfragte Ölmenge aufgrund einer zunehmend effizienteren Verwendung seit Jahren, während sie in den Schwellenländern zunimmt. Dies ist auf mehrere Effekte zurückzuführen. So weisen die Länder ein stärkeres Wachstum auf, wobei dieses unter anderem von gewaltigen Ausgabenprogrammen stimuliert wurde und wird. Hinzu kommen gerade in China und Indien Verzerrungen im Nachfrageverhalten, weil dort die Energiepreise nicht frei gebildet werden.

Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass der zuletzt starke Nachfragezuwachs aus China auf den Aufbau von Lagerbeständen zurückzuführen ist. Die Marktteilnehmer scheinen nun darauf zu setzen, dass die Ölpreise in China in Kürze erhöht, ab er gleichzeitig die chinesische Wirtschaft weiter staatlich stimuliert wird. Eine Gefahr für den Ölpreis wird nicht gesehen: höhere Preise würden die Nachfrage kaum generell dämpfen, da diese primär von Einkommenseffekten und damit vom Wachstum bestimmt werde, heißt es. Auch in Indien dürften die Lager gefüllt worden sein, bevor die Regierung die Benzin- und Dieselpreise Ende Februar um acht Prozent erhöhte.

Verzerrte Märkte in vielen Schwellenländern

Die Regierungen der Region haben Schwierigkeiten, die Energiemärkte zu liberalisieren, bringen steigende Energiepreise doch die Gefahr von Unruhen mit sich. Auf der anderen Seite jedoch schlagen die Subventionen mit steigenden Weltmarktpreisen immer stärker auf der Budgetseite ins Kontor und belasten die Staatshaushalte.

Kurz- und mittelfristig dürfte der Ölpreis eher nach oben als nach unten tendieren. Dafür sind nicht zuletzt auch die wachsenden Geldbeträge verantwortlich, die aus Misstrauen auf die geld- und fiskalpolitisch nicht nachhaltigen Strategien in zu vielen Staaten in die Energie- und Rohstoffmärkte fließen.

In nicht allzu ferner Zukunft jedoch werden die hohen Preise zu einem Problem werden. Denn mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung werden sie die Rohstoffkosten der Unternehmen, die Preise alternativer Rohstoffe (wie etwa der Agrargüter, die in Biosprit umgewandelt werden können) und die Verbraucherpreise mit nach oben treiben, wie es jetzt schon an den Tankstellen zu sehen ist. Ein Blick auf die Preise von Agrarrohstoffen an den Warenterminbörsen legt die Annahme nahe, dass die Preisrückgänge dort ihr Ende finden - oder wie die technischen Analysten sagen, die Preischarts ihre Böden ausbilden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri/mho
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