16.04.2009 · Die in den vergangenen Wochen aufgekommene positive Grundstimmung hält sich, auch an den Energie- und Rohstoffmärkten. Dort steigen die Preise von Energie- und Industriemetallen weiter, obwohl die Lager üppig gefüllt sind.
Die in den vergangenen Wochen aufgekommene positive Grundstimmung an den internationalen Finanzmärkten hält sich. Sie zeigt sich auch deutlich an den Energie- und Rohstoffmärkten. Immerhin sind dort in den vergangenen drei Monaten die Preise von Kupfer, Platin, Öl, Blei, Kautschuk und nicht zuletzt auch von Aluminiumlegierungen und Zink um 20 bis 50 Prozent gestiegen.
Die Hoffnungen und Erwartungen der Marktteilnehmer richten sich darauf, dass sich die Wirtschaft weltweit bald von ihrer Schwäche erholen wird. Sie gehen vom Erfolg der stimulierenden Maßnahmen in Form tiefer Zinsen und umfangreicher Konjunkturprogramme aus. Sie würden die Nachfrage nach Endprodukten und indirekt nach Energie und Rohstoffen beleben, so der allgemeine Konsens.
Preis- und Kurssteigerungen beruhen auf Erwartungen - nicht auf Fakten
Ob diese Erwartungen richtig sind, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen. Die Unternehmens- und Konjunkturzahlen sind alles andere als ermutigend. Sie zeigen, dass sich der wirtschaftliche Abschwung allenfalls verlangsamt. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass darauf ein fulminanter Abschwung folgen wird.
Das gilt auch für China. Dem Land werden zwar die größten Wachstumsmöglichkeiten zugeschrieben. Allerdings fiel das Wachstum der Industrieproduktion im März mit 5,1 Prozent im Jahresvergleich eher enttäuschend aus. Sie hat zwar im Vergleich zum Vormonat um 34 Prozent zugenommen. Das wird von vielen optimistischen Marktteilnehmer positiv bewertet. Allerdings ging diese Erholung von einer sehr niedrigen Basis aus. Faktisch liegt die Wachstumsrate nach wie vor auf dem tiefsten Stand seit vielen Jahren.
Ob sich daran angesichts der schwachen Exportnachfrage trotz eines angekündigten Ausgabenprogramms von 885 Milliarden Dollar etwas ändern wird, muss sich erst noch zeigen. China will unter anderem den Kauf von Fernsehgeräten und Kühlschränken fördern sowie die Ausgaben im Sozialbereich um knapp 30 Prozent steigern. Die Ausfuhren aber sind im März den fünften Monat in Folge gefallen. Ihr Wert ging im vergangenen Monat im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 17,1 Prozent auf 90 Milliarden Dollar zurück. Im Monatesvergleich hat der Export zwar zugenommen. Allerdings müssen saisonale und Basiseffekte berücksichtigt werden. Immerhin steht das Land während des Neujahresfestes praktisch still.
Metall- und Öl-Lager sind gut bis sehr gut gefüllt
Trotz allem haben Anleger und Unternehmen in den vergangenen Monaten bei Rohstoffen zugegriffen und die Lagerbestände aufgefüllt. Angesichts des extrem starken Geld- und Kreditmengenwachstums in China und der andauernden Diskussion über den Dollar als Weltwährung mögen bei den Käufen auch Sorgen über eine inflationäre Entwicklung beziehungsweise über eine mögliche Abwertung eine Rolle spielen. Zusammen mit den bestehenden Trends, die von technischen Trendfolgesystemen verstärkt werden, können sie die Preise von Energie- und Industriemetallkontrakten weiter nach oben treiben.
Dagegen sind die Lagerbestände der meisten Industriemetalle an den Terminbörsen im historischen Vergleich hoch. Das gilt für Nickel, Zink, Kupfer, vor allem aber für Aluminium. Aufgrund der schwachen Nachfrage haben in den vergangenen Monaten selbst die Öllagerbestände trotz reduzierter Förderung deutlich zugenommen. In den Vereinigten Staaten befinden sie sich auf dem höchsten Stand seit 1991.
Sollte die Nachfrage aufgrund einer enttäuschenden wirtschaftlichen Entwicklung nicht mit den hohen Erwartungen mithalten, dürfte es früher oder später zu deutlichen Preisrückschlägen kommen. Es sei denn, die Geldpolitik weltweit liefe aus dem Ruder und brächte die Anleger dazu, die Preise nach verlorenem Vertrauen auf der verzweifelten Suche nach Alternativen zu den herkömmlichen Zahlungsmitteln immer weiter nach oben zu treiben. Die Preisblase der vergangenen Monate zeigt, was dann möglich wäre.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |