04.07.2007 · Der Kohlepreis tendiert nach oben. Die Nachfrage nimmt vor allem in Asien deutlich zu. Der Energieträger bietet einige Vorteile, alleine schon geopolitische. Die Umwandlung in flüssige Treibstoffe ist preislich wettbewerbsfähig.
China Shenhua Energy will mit der weltweit größten Aktienplatzierung eines Kohlekonzerns umgerechnet rund 6,3 Milliarden Dollar oder etwa 4,6 Milliarden Euro erlösen. An der Börse Schanghai sollen nach Angaben des bereits in Hongkong notierten Unternehmens 1,8 Milliarden auf Yuan lautende Aktien angeboten werden.
Chinas größter Kohleproduzent will die Mittel für die Geschäftssparten Kohle, Strom und Transport ausgeben. Zudem sollen damit Übernahmen im In- und Ausland finanziert werden. Damit könnte für Schanghai die weltweit zweitgrößte Aktienplatzierung des Jahres anstehen - das Volumen wäre noch größer als die Emission des Ölproduzenten PetroChina. China, hinter den Vereinigte Staaten der größte Energieverbraucher, aber auch Umweltverschmutzer weltweit, drängt die größten Unternehmen zu Aktienplatzierungen in Shanghai, um einen Markt abzukühlen, der seinen Wert seit Anfang des Jahres 2006 vervierfacht hat.
Unstillbarer Durst Chinas nach Energie
„Eine Aktienplatzierung wird den einheimischen Investoren eine größere Auswahl geben, um von dem unstillbaren Durst Chinas nach Energie zu profitieren“, sagte Portfolio-Manager Lei Wang von Thornburg International Value Fund der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die chinesische Kohleindustrie dürfte in den kommenden Jahren weiter anziehen, weil sie in der Lage ist, Kosten weiter zu geben und eine günstige Bilanz bei Angebot und Nachfrage hat.“
An der Börse in Hongkong stieg der Kurs von Shenhua Energy am Dienstag um 6,6 Prozent auf 29,10 Hongkong-Dollar. Das ist der größte Tagesgewinn seit dem 18. Juni. Die Aktie ist unter den 20 Mitgliedern des Bloomberg World Coal Index in den vergangenen drei Monaten der sechstbeste Wert. Die Aktie befindet sich in einem eindrucksvollen Aufwärtstrend und hat alleine seit Beginn des laufenden Jahres etwas mehr als 55 Prozent zugelegt.
Shenhua nannte weder eine Preisspanne noch einen Zeitplan für die Aktienplatzierung. Die Aktionäre würden sich bald treffen, um darüber abzustimmen, teilte der Konzern mit. Zudem müsse der Staat noch die Börsenpläne genehmigen. Es wäre jedoch relativ unlogisch, wenn der Emissionspreis deutlich vom gegenwärtigen Kurs an der Börse in Hongkong abweichen würde. Dort ist die Aktie des Unternehmens mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 29,3 auf Basis des im vergangenen Geschäftsjahr erzielten Gewinns je Aktie von 0,965 Yuan schon relativ ambitioniert bewertet. Nach einer Gewinnsteigerung von knapp drei Prozent im vergangenen Jahr sind die Prognosen für das laufende Jahr optimistischer und gehen von einem Gewinn je Aktie von 1,24 Yuan aus.
Kohleverbrauch in Asien hat in zehn Jahren um 61 Prozent zugenommen
Allerdings scheinen die Perspektiven des Unternehmens beziehungsweise der gesamten Branche bei anhaltendem weltwirtschaftlichen Wachstum im Rahmen des allgemeinen Rohstoff- und Energiebooms nicht schlecht sein. Immerhin haben in den vergangenen Jahren auch die Kohlepreise deutlich angezogen. Das dürfte kaum verwundern. Denn die Nachfrage nach Kohle hat in den vergangenen Jahren gerade in Asien dramatisch zugenommen. Alleine in den vergangenen zehn Jahren legte sie in der Region um knapp 61 Prozent zu auf zuletzt 1.792 Millionen Tonnen an Öläquivalent. In Europa ging die Nachfrage nach Kohle im selben Zeitraum um 2,1 Prozent zurück, in Nordamerika legte sie um 9,1 Prozent zu.
Zum ersten Mal überhaupt importiert China in diesem Jahr mehr Kohle als es exportiert. Das will etwas heißen. Denn das Land verfügt nicht nur die drittgrößten nachgewiesenen Reserven weltweit, sondern inzwischen mit weitem Abstand auch der größte Förderer weltweit. Im Jahr 2006 wurden in China 2.380 Millionen Tonnen gefördert, in Europa und Euroasien waren es 1.212 Millionen Tonnen, in Nordamerika 1.127 Millionen Tonnen und in Indien waren es 447 Millionen Tonnen.
Hintergrund ist der steigende Energiebedarf der weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft. In dem Riesenreich werden aus dem Brennstoff 78 Prozent der Elektrizität gewonnen. Und die Nachfrage steigt nicht nur aufgrund der industriellen Nachfrage, sonder auch aufgrund des zunehmenden Wohlstandes: Da im Sommer immer mehr Klimaanlagen benutzt werden, legte die Nachfrage nach Strom zuletzt deutlich zu. Diese Entwicklung gilt nicht nur für China, sondern auch für andere Regionen der Welt. Global wird der größte Teil von Elektrizität aus Kohle gewonnen.
Kohleumwandlung in flüssige Treibstoffe ist zu gegenwärtigen Ölpreisen wettbewerbsfähig
Die Nachfrage kommt jedoch nicht nur von dieser Seite. Denn sollte der Ölpreis hoch bleiben, so lohnt sich zunehmend auch die Transformation von Kohle in flüssige Treibstoffe. Die Umwandlung kostet nach Angaben des World Coal Instituts zwischen 25 und 45 Dollar je Barrel Öläquivalent. In diesem Preis ist die CO2-Wäsche und Speicherung schon enthalten. Der geopolitische Vorteil dieser Technologie liegt in der Tatsache, dass die Kohlevorkommen global diversifizierter sind als die Ölvorkommen. Ferner reichen die Vorkommen nach gegenwärtigen Berechungen noch für circa 155 Jahre, während die Ölvorkommen bei abnehmenden Erträgen noch 40 und die Gasvorkommen noch 65 Jahre reichen dürften.
In diesem Sinne sollten gut und effizient wirtschaftende Kohleunternehmen zumindest langfristigen Anlegern in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten können. Das gälte vor allem dann, wenn sich neben effizienteren auch sauberere Verbrennungstechnologien entwickeln ließen. Kurz- und mittelfristig sind jedoch Turbulenzen nicht ausgeschlossen. Immerhin werden gegenwärtig viele neue Energietechnologien entwickelt, die mittel- und langfristig zu einem Kampf um Marktanteile und auf diese Weise zu Preiswettbewerb führen können. Aus diesem Grund dürfte es nicht ratsam sei, für immer und ewig von stabil hohen Energiepreisen auszugehen. Deenn Schwellenländer werden zunehmend - wenn sie klug sind - von vorneherein auf Energiespartechnik setzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |