06.10.2008 · Die Rohstoffpreise steuern auf den größten Jahresverlust seit dem amerikanische Rezessionsjahr 2001 zu. Anleger steigen aus gehebelten Rohstoffinvestments aus, Konjunkturprobleme belasten die Nachfrage nach Industriegrundstoffen.
Die Rohstoffpreise steuern auf den größten Jahresverlust seit dem amerikanische Rezessionsjahr 2001 zu. Da Anleger aus gehebelten Rohstoffinvestments aussteigen und Konjunkturprobleme die Nachfrage nach Industriegrundstoffen belasten, sieht die Finanzberatung Logic Advisors das Marktbarometer Reuters-Jefferies CRB Index auf Jahressicht 15 Prozent nachgeben.
Zum Wochenstart lag der Index neun Prozent unter dem Niveau vom Jahresanfang bei rund 326 Punkten. Vom Hoch im Juli hat er sich damit 43 Prozent entfernt. Der Verlust war größer als Jer gesamte Indexwert noch vor zwei Jahren ausmachte, wie Bloomberg-Daten zeigen. Neben der Wertentwicklung von Gold, Nickel und Öl bildet der CRB-Index auch die Preise von Kaffee, Baumwolle sowie 14 anderen Rohstoffen ab.
„Der Markt fällt, weil die Angst um sich greift“
„Der Markt fällt, weil die Angst um sich greift“, sagt Finanzökonom Chris Rupkey von Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Ein Großteil der Rohstoffnachfrage habe auf Spekulationsgeschäften beruht. Diese werden derzeit mehr und mehr abgebaut. Die internationale Krise am Kreditmarkt, die bereits die Wall- Street-Banken Lehman Brothers Holdings Inc. und Merrill Lynch & Co. zu Fall brachte, zwingt viele Spekulanten, Investments abzustoßen, um Liquiditätslöcher zu stopfen. Verkaufsdruck resultiert am Rohstoffmarkt auch aus Befürchtungen, dass die Konjunktur nicht nur in den Vereinigten Staaten , sondern auch in Indien und China nachlassen wird.
Terminmarkt-Anleger, die Rohstoffe als Anlageklasse wie Aktien oder Anleihen betrachtet haben, sind auf dem Rückzug. An den Warenbörsen New York und Chicago fiel die Zahl der offenen Terminkontrakte für 17 Rohstoffe seit dem Hoch vom Februar um 26 Prozent. Sie ist derzeit so niedrig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Zahl der Wetten auf Preisanstiege liegt nur noch sieben Prozent über der Anzahl der Wetten auf eine Baisse. Ende März betrug der Abstand noch 14 Prozent.
Die Schweizer Großbank UBS AG will zum größten Teil aus dem Handel mit Rohstoffkontrakten aussteigen. Beim stark auf Rohstoffe spezialisierten Hedgefonds BP Capital LLC wollen inzwischen mehr als 15 Prozent der Anleger ihr Geld zurück. „Die Zeit der stetig steigenden Rohstoffpreise ist vorbei“, sagt Volkswirt Rupkey.
Analysten passen ihre Preisprognosen opportunistisch an den Markt an
Die Preisprognosen für wichtige Industrierohstoffe sind inzwischen tatsächlich deutlich niedriger. Der Ölpreis dürfte infolge des globalen Konjunkturabschwungs auf 50 Dollar je Barrel zurückgehen, prognostiziert Merrill Lynch. Zum Wochenstart sank er mehr als fünf Prozent und notierte erstmals seit Februar unter der Marke von 90 Dollar je Barrel. Die Analysten von Goldman Sachs Group Inc. haben ihre Prognose für den Kupferpreis im nächsten Jahr um zwölf Prozent auf 8265 Dollar je Tonne gesenkt. Die Schätzung für Aluminium setzten sie um 18 Prozent herab.
Auch am Markt für Agrarrohstoffe sehen Experten die Preise purzeln. Mais dürfte in den nächsten sechs Monaten bis zu 15 Prozent billiger werden, erwartet Don Roose, Präsident des Brokerhauses U.S. Commodities Inc. in West Des Moines, Iowa. Der Preis von Sojabohnen werde voraussichtlich elf Prozent sinken.
Vor dem derzeitigen Abwärtstrend hatten die Preise am Rohstoffweltmarkt so rapide zugelegt wie noch nie. Seit 2001 hat der UBS Bloomberg Constant Maturity Commodity Index, der 26 Rohstoffe abbildet, jedes Jahr zugelegt. Der Rohölpreis hat sich von 2002 bis 2008 vervierfacht, im Juli kostete ein Barrel der amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate den Rekordpreis von 147,27 Dollar. Ende Juni war nach Angaben von Barclays Capital die beispiellose Summe von 175 Milliarden Dollar (129 Milliarden Euro) in Rohstoffindizes investiert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |