25.02.2009 · Der Preis für Rohöl scheint sich nachhaltig zu stabilisieren. Er dürfte zwar anfällig bleiben für stärkere Schwankungen, doch eine deutliche Verteuerung halten Experten auch mittelfristig für eher unwahrscheinlich
Der Preis für Rohöl scheint sich nachhaltig zu stabilisieren. Er dürfte zwar anfällig bleiben für stärkere Schwankungen, doch wird er zunächst kaum in der Lage sein, sich nennenswert nach unten oder oben zu bewegen. Dies ist der Tenor zahlreicher Marktbetrachtungen.
Die Diskussion dreht sich derzeit wesentlich um die Frage, ob sich der bis ins vierte Quartal 2008 hinein beobachtete rapide Rückgang des weltweiten Ölbedarfs fortsetzt. Die Zahlen für diesen Zeitraum haben sowohl die staatliche amerikanischen Energy Information Administration (EIA) als auch die Internationale Energie-Agentur (IEA) bewogen, ihre Verbrauchsprognosen für 2009 deutlich nach unten zu revidieren. Ferner wird die vor allem auf mittlere Sicht bedeutende Frage diskutiert, was wohl geschehen wird, wenn sich auch die Nachfrage stabilisieren und auf spürbar geringer werdendes Angebot treffen sollte.
Atypische Preisdifferenz zwischen der Sorte West Texas Intermediate (WTI) und der Nordsee-Öl-Sorte Brent
Bemerkenswert ist, dass sich die atypische Preisdifferenz zwischen der in New York auf Termin gehandelten Sorte West Texas Intermediate (WTI) und dem in London notierten Nordsee-Öl der Sorte Brent zuletzt deutlich verringert hat. Noch vor kurzem wies Brent einen logistisch bedingten Aufschlag von etwa 11 Dollar je Barrel (159 Liter) auf. Inzwischen beträgt die Prämie nur noch gut 2 Dollar. Beide Ölsorten stabilisieren sich derzeit über der Marke von 40 Dollar. Die bisherigen zyklischen Tiefstpreise wurden Ende Dezember verzeichnet: WTI kostete seinerzeit nur knapp 34 Dollar, Brent knapp 38 Dollar. Im Juli 2008 waren in beiden Fällen Rekordpreise von rund 147 Dollar erreicht worden. Am Mittwoch notierte WTI im elektronischen Handel bei rund 40,50 Dollar, während Brent etwa 42,50 Dollar kostete.
Zu der Frage, ob sich der Ölverbrauch nach seinem besonders starken Rückgang im vierten Quartal nun stabilisieren könnte, halten sich Händler mit Prognosen zurück. Das Hauptrisiko liege in einem konjunkturellen Kollaps eines oder mehrerer bedeutender Schwellenländer, deren Ölbedarf in der jüngeren Vergangenheit besonders stark gewachsen sei. Hier wird an erster Stelle China und gleich danach Indien genannt. Wenn sich der Abschwung der Weltwirtschaft jedoch mit den inzwischen ergriffenen fiskalischen und monetären Maßnahmen noch im laufenden Jahr auffangen lassen sollte, dürfte der stärkste Rückgang des Verbrauchs bereits Vergangenheit sein, heißt es. Auf mittlere Sicht hält die IEA von 2010 an eine akute Verknappung des Öls mit entsprechend stark steigenden Preisen für möglich. Dann könnte wieder die zunehmende Nachfrage mit den Folgen verschobener oder aufgegebener Investitionen in neue Vorkommen sowie der gedrosselten Förderung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zusammentreffen, meint die Agentur. Diese Ansicht vertritt unter anderen auch Barclays Capital.
Der Markt scheint den Prognosen der IEA nicht zu trauen
Der Ölmarkt selbst hat auf diese Vision nicht reagiert. Daraus wird geschlossen, dass er dieses Problem entweder bereits in den herrschenden Preisen berücksichtigt hat oder aber wegen der vielschichtigen Ungewissheiten gegenwärtig noch nicht so weit vorausblickt. Beides erscheint allerdings wenig plausibel. Für wahrscheinlicher halten Experten, dass er den Prognosen der IEA nicht traut, hat sich die Agentur bei ihren Prognosen in der Vergangenheit doch als nicht besonders treffsicher erwiesen. Immer wieder war sie gezwungen, nachträglich erhebliche Korrekturen vorzunehmen.
In Fachkreisen heißt es, der Markt scheine bis auf weiteres davon auszugehen, dass alle Hinweise auf nennenswert steigende Ölpreise mit einem weiteren Schock für die bereits schwer angeschlagene Weltwirtschaft gleichzusetzen seien. Als Folge könne die Nachfrage nach Öl und seinen Nachprodukten noch einmal spürbar sinken. Die Aufgabe des Marktes sei nun, über den Preis den Punkt zu finden, an dem sich der Bedarf nachhaltig stabilisiert und noch immer ausreichend Öl angeboten wird. Mit fortschreitender Zeit werde sich dieser Punkt immer weiter nach oben verschieben, vorausgesetzt, die Weltwirtschaft schrumpfe nicht mehr zu sehr. Viele Händler sind davon überzeugt, dass auch die Opec inzwischen gut verstanden hat, welche Risiken sie eingehen würde, wenn sie die Förderung in der gegenwärtigen konjunkturellen Lage tatsächlich weiter drosseln sollte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |