18.10.2007 · Einige Analysten sehen in den jüngsten Rekordhochs erst den Anfang. Spekulationen auf einen Anstieg der globalen Nachfrage könnten für weiteren Preisauftrieb sorgen, heißt es. „Auch diese Blase wird platzen“, sagen andere.
Von Moira HerbstDie Rohölpreise setzten ihren seit einigen Monaten währenden Aufwärtstrend mit einem neuerlichen Rekordhoch fort. Am 16. Oktober stieg der Preis für ein Barrel Light Sweet Crude Oil an der New Yorker Rohstoffbörse Nymex um 1,48 Dollar auf 87,61 Dollar - die höchste Notierung seit Beginn des Handels mit Ölkontrakten an der Nymex.
Welche Triebkräfte stecken hinter diesem Anstieg? Zahlreiche Analysten verweisen auf die zunehmende globale Nachfrage bei knappem Angebot. Zuletzt verkündete die Türkei, Truppen zur Bekämpfung von Rebellen der kurdischen Arbeiterpartei PKK in den Nordirak entsenden zu wollen. Befürchtungen, dass sich solche Aktionen im Nahen Osten negativ auf die Ölversorgung auswirken und damit einen weiteren Preisanstieg herbeiführen könnten, heizten die Rally weiter an, in deren Verlauf sich Rohöl seit vergangener Woche um neun Dollar pro Barrel verteuerte.
Spekulanten dominieren den Markt
Einige Analysten sind jedoch nach wie vor der Ansicht, dass der jüngste Preisauftrieb weniger mit den Fundamentaldaten des Marktes zu tun hat, sondern eher auf das Konto von Momentum-Händlern und Spekulanten geht. Wenn sie die Preise auf ihrer Jagd nach Gewinnen aufwärts treiben, könnten Rohölpreise nach Einschätzung einiger Fachleute über kurz oder lang in den dreistelligen Bereich vordringen. „Der Anstieg hat weniger mit Fundamentaldaten und mehr mit irrationalem Überschwang zu tun, der die Preise weiter anschwellen lassen könnte“, sagt Tom Kloza, leitender Ölanalyst des amerikanischen Informationsdienstes Oil Price Information Service. „Für einen Vorstoß auf 100 Dollar bedarf es keiner außergewöhnlichen Umstände. Wenn weitere Anlagegelder in Rohöl fließen und die Dollarschwäche anhält, könnte diese Marke in Sichtweite kommen.“
In den vergangenen Jahren haben Hedge-Fonds, Investmentbanken, Investmentfonds und Finanzinstitutionen, darunter Goldman Sachs und Morgan Stanley, in einem Ausmaß in Öl investiert, das es mit dem Volumen der globalen Ölnachfrage aufnehmen kann. Ihr Marktgewicht verstärkt und beschleunigt kleine Preisbewegungen, die sich auf Grundlage von Nachfrageprognosen, geopolitischen Faktoren und Befürchtungen über Wettereinflüsse bilden.
Spekulanten wetten gegenwärtig mit Kontrakten im Umfang von 69 Millionen Barrel auf eine weitere Zunahme des Ölpreises. Dies ist ein beträchtlicher Anteil am Ölmarkt, auf dem die globale Tagesnachfrage mit etwa 83 Millionen Barrel beziffert wird. „Hedge-Fonds und andere Akteure bringen diesen Markt zusehends unter ihre Kontrolle“, sagt Stephen Schork, Energieberater und Redakteur des amerikanischen Börsenbriefs The Schork Report. „Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund.“
Ein wichtiger Bericht über die Angebotslage in den Vereinigten Staaten wird am 17. Oktober vom amerikanischen Energieministerium veröffentlicht. Für den Fall, dass darin geringe Rohöl- oder Benzinlagerbestände bekannt gegeben werden, prophezeit Schork einen Preissprung über die 90-Dollar-Marke. „Danach ist der Weg nach oben frei“, so Schork. „Wir befinden uns deutlich näher an einem Ölpreis von 100 Dollar, als wir es uns noch vor wenigen Monaten ausmalen konnten.“
Auch diese Blase wird platzen
Der starke Einfluss der Spekulanten könnte die Preise jedoch auch wieder rapide absinken lassen. Fadel Gheit, leitender Energieanalyst beim Investmenthaus Oppenheimer, verweist darauf, dass Ölpreise in der Vergangenheit in Erwartung gravierender Ereignisse nach oben schnellten, danach aber sehr schnell wieder einbrachen. Dies war der Fall beim arabisch-israelischen Krieg, der Islamischen Revolution im Iran, dem Iran-Irak-Krieg, dem Einmarsch des Irak in Kuwait, der Militäraktion Desert Storm, dem Irakkrieg 2003 und dem Einmarsch israelischer Truppen im Libanon 2006. Gheit zufolge werden auch die sich abzeichnenden Geschehnisse hierbei keine Ausnahme bilden.
„Ein Ölpreis von über 60 oder gar 80 Dollar pro Barrel wird durch die Fundamentaldaten der Ölindustrie nicht gedeckt“, schreibt Gheit in einer E-Mail-Mitteilung. „Wir sind der Ansicht, dass der drastische Preisanstieg Spiegelbild exzessiver Spekulationen über mögliche Versorgungsengpässe im Falle einer größeren Krise im Nahen Osten ist“. Er ist davon überzeugt, dass es zu einer Militäraktion im Nahen Osten kommen wird, geht jedoch davon aus, dass damit eher ein Rückgang der Ölpreise denn ein neuerlicher Anstieg einhergehen wird. „Wir denken, dass der gegenwärtige Zyklus mit einer amerikanischen Bombardierung iranischer Militärziele enden wird“, schreibt Gheit. „Die Ölblase wird platzen und der Preisverfall durch den massiven Abbau von Long-Positionen der Spekulanten verstärkt.
Einige Analysten widersprechen indes der Aussage, dass der Markt durch Spekulanten und Finanzinstitutionen vorangetrieben wird. „Dies ist kein spekulativ getriebener Anstieg“, meint Phil Flynn, Analyst bei Alaron Trading aus Chicago. „Er ist eine Bestätigung der wachsenden globalen Nachfrage bei gleichzeitig beschränktem Angebot.“
Nach Auffassung von Flynn ist jeder im Preis enthaltende spekulative Anteil von Nutzen für die Weltmärkte, da er hilft, die Nachfrage zu zügeln. „Spekulation hat eine Funktion“, so Flynn. „Sie hält den Markt in Zaum, sodass die Nachfrage nicht außer Rand und Band geraten kann.“
Raffineriebetreiber mit Einbußen
Die steigenden Rohölpreise sind in den Vereinigten Staaten noch nicht auf die Benzin- und Heizölpreise durchgeschlagen, schmälern jedoch die Gewinne amerikanischer Raffineriebetreiber. Am 10. Oktober gab Valero Energy eine Gewinnwarnung heraus, nachdem tags zuvor Chevron und Marathon Oil schwächere Ertragsaussichten verkündet hatten. ConocoPhillips startete diese düstere Reihe am 3. Oktober mit einem Zahlenwerk, aus dem hervorging, dass die Margen des Unternehmens im globalen Raffineriegeschäft „deutlich geringer“ ausfallen und sich negativ auf die Ergebnissituation auswirken würden. ExxonMobil legt am 1. November seine Zahlen für das dritte Quartal vor.
Ganz gleich, in welche Richtung sich die Ölpreise fortan entwickeln, Finanzinstitutionen werden hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Nach einer Aussage des amerikanischen Energieministers Samuel Bodman vom 12. Oktober hätten Lieferanten wie die Opec einen Teil ihrer Kontrolle über die Ölpreise verloren, weshalb die Bewegungen der Märkte nun stärker von Erwartungen als von der fundamentalen Angebots- und Nachfragesituation bestimmt würden. „Die Preise kommen mittlerweile in den Handelssälen von New York, London, Frankfurt und Tokio zustande“, so Bodman.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |