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Energie & Rohstoffe Ölpreis - kurzfristig unerklärlich hoch

20.02.2008 ·  Der Preis für Rohöl ist wieder einmal kurz über die Marke von 100 Dollar gestiegen. Er wird kurzfristig von geopolitisch-spekulativen Gründen getrieben. Längerfristig ist entscheidend, ob sich die amerikanische Konjunktur berappelt.

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Der Preisauftrieb im Energie- und Rohstoffbereich hält an. Am Dienstag erreichte und überschritt der Ölpreis an der amerikanischen Terminbörse Nymex mit 100,10 Dollar je Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zum dritten Mal innerhalb weniger Tage einen dreistelligen Wert, wenn auch nur kurz.

Am Mittwoch liegt der Preis zumindest im europäischen Handel wieder bei 99,05 Dollar je Fass.

Geopolitische Sorgen treiben den Preis nach oben

Auslöser für den Ölpreisanstieg sind und waren in erster Linie geopolitische Sorgen. „Die Sorge, politische Instabilitäten in Staaten wie Venezuela, Nigeria, dem Iraq und Iran könnten zu Versorgungsengpässen führen treiben den Preis nach oben,“ erklärt Ehsan Ul-Haq, Head of Research bei JBC Energy in Wien. Auf der anderen Seite seien sowohl das Angebot als auch die Reserven zumindest kurzfristig groß genug, um die wachsende Nachfrage befriedigen zu können. Aus diesem Grund lasse sich ein Ölpreis in dieser Höhe zumindest aus fundamentaler Sicht kaum rechtfertigen. Das gälte vor allem dann, wenn man aufgrund der schwachen amerikanischen Konjunktur mit einer nachlassenden Nachfrage rechnen müsse.

Die Dynamik des Ölpreisanstiegs lässt auf starke spekulative Kräfte schließen, heißt es den auch in einer Analyse der Commerzbank. Äußerungen des algerischen und des iranischen Ölministers hätten zu der Preisentwicklung beigetragen. Sie wollen eine Kürzung der Ölförderung auf dem nächsten OPEC Treffen am fünften März angesichts des saisonbedingten Rückgangs der Ölnachfrage im zweiten Quartal nicht ausschließen. Es gibt zwar Zweifel, ob es dazu kommen wird. Immerhin sei Saudi Arabien, das sowohl über die größten Ölreserven als auch über die größten Förderkapazitäten verfügt, als ein mit den Vereinigten Staaten verbündetes Land an einer ausreichenden Versorgung der Weltwirtschaft mit Öl interessiert, erläutert Ul-Haq.

Strukturelle Veränderung des Marktes - oder wird die amerikanische Konjunkturschwäche unterschätzt?

Auf der anderen Seite argumentieren die Energie- und Rohstoffanalysten von Goldman Sachs, die Chance auf eine ausgeprägtere Preiskorrektur aufgrund der Wachstumsbedenken werde zunehmend überlagert von einer strukturellen Veränderung im Energie- und Rohstoffmarkt. Sie zeige sich in Form anziehender Terminkurse, die wiederum zum Auftrieb im Spotmarkt beitrügen. Diese Entwicklung werde unterstützt von der Erwartung, die amerikanische Wirtschaft werde sich in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres aufgrund der tiefen Zinsen und des Konjunkturprogramms von ihrer Schwäche erholen und zusammen mit dem anhaltenden Wachstum in den Schwellenländern die Nachfrage zu beflügeln.

Allerdings sind diese Erwartungen inzwischen weitgehend zum Konsens unter den Strategen geworden. Das heißt, viele Anleger haben sich inzwischen darauf weitgehend eingerichtet. Das gilt mit einiger Wahrscheinlichkeit für die Energie- und Rohstoffmärkte. Sollte die amerikanische Konjunktur aufgrund der massiven Korrektur im Immobilienbereich und der dadurch ausgelösten Kreditkrise schwächer werden und bleiben, als erwartet, dann dürfte eine Preiskorrektur auch in diesen Bereichen kaum überraschen. Kritische Ökonomen wie Gary Shilling und Nouriel Roubini, die schon auf die Probleme hingewiesen hatten, als andere sie noch überhaupt nicht wahrnehmen wollten, gehen in den Vereinigten Staaten von der schlimmsten Rezession seit 50 Jahren aus. Sollten sie recht haben, dürfte das die Weltwirtschaft deutlich bremsen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @cri
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