22.09.2008 · Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen hat der Ölpreis wieder Auftrieb. Möglicherweise verleitet das angeschlagene Vertrauen in die Finanzmärkte Anleger wieder zur Flucht in Sachwerte. Die wirtschaftliche Schwäche spricht dagegen.
Zusammen mit den Aktienkursen lief in den vergangenen Tagen auch der Ölpreis wieder nach oben, während der Dollar in die Defensiv geriet. Nach 91,15 Dollar Mitte der vergangenen Woche kostet ein Barrel Öl der Sorte WTI am Montag 107 Dollar. Das entspricht einem Plus von 17,4 Prozent.
Auf diese Weise scheinen sich die Reflexe der vergangenen Monate zu wiederholen, die steigende Rohstoffpreise aus der schwachen amerikanischen Währung, inflationären Risiken und nicht zuletzt auch der angeblich überproportional zunehmenden Nachfrage ableiteten.
Spekulation oder nicht - die Indizien sind eindeutig
Dabei kam die Nachfragesteigerung in erster Linie von den Anlegern - und weniger von fundamentaler Seite. Nicht nur Indexinvestoren trugen zum Preisauftrieb bei, sondern vor allem auch große Finanzfirmen wie Goldman Sachs und Morgan Stanley. Eine Untersuchung der amerikanischen Commodity Futures Trading Commission bestritt zwar den Einfluss von Spekulanten. Aber wer kann schon erwarten, dass die Eigeninteressen das Ergebnis der Analyse nicht beeinflussten?
Tatsache ist, dass sich im Juli des laufenden Jahres elf Prozent der gesamten Futures-Kontrakte der Nymex in den Büchern einer einzelnen Firma befanden. Das spricht für sich. Zudem ließen sich Tagesschwankungen des Ölpreises von zehn Dollar und mehr nicht fundamental erklären, erläutert Howard Handy als Chefökonom der saudischen Samba Financial Group. Noch vor nicht allzu lange Zeit hätte ein schwacher Dollar auf eine schwache amerikanische Wirtschaft hingewiesen und zu sinkenden Ölpreisen geführt - und nicht zu steigenden. Er stellt auf diese Weise die starke Korrelation zwischen dem Dollar und dem Ölpreis der vergangenen Monate in Frage.
Allerdings spielt kurzfristig möglicherweise das angeschlagene Vertrauen in die Finanzmärkte eine Rolle. Die tiefste Finanzkrise seit den 30er Jahren mag zusammen mit der Preiskorrektur der vergangenen Wochen dazu führen, dass Anleger ihre Positionen in physischen Werten nun wieder ausbauen. Immerhin tendiert nicht nur der Ölpreis nach oben. Auch die Preise von Gold, Silber und Kohle erholen sich von ihrem Zwischentiefs.
Schwächelt die Wirtschaft, lässt sich der Preisanstieg kaum erklären
Händler versuchen sogar, den nun wieder anziehenden Ölpreis mit „einer starken Wirtschaft“ zu erklären. Allerdings wundern sich selbst die ansonsten so optimistischen Analysten der Internationalen Energieagentur über solche Argumente. Der Ölpreis sei zu hoch, da die Weltwirtschaft merklich abkühle und da aus diesem Grund die Ölnachfrage zurückgehen werde, erklärte IEA-Direktor William Ramsay am Montag in einem Interview in Bangkok.
Solche Aussagen legen die Erwartung nahe, der Ölpreis müsse - nach einer gewissen technischen Reaktion nach oben - aufgrund der schwachen Wirtschaft vorerst weiter sinken und nicht steigen. Immerhin ähnelt die gegenwärtige Situation in den Vereinigten Staaten der japanischen vor 30 Jahren. Damals war dort eine Spekulationsblase geplatzt. Die Effekte hatten das Land trotz einer extrem expansiven Geld- und Fiskalpolitik in eine lange deflationäre Spirale gezogen. Sollte sich das in den Vereinigten Staaten wiederholen, müssten die Rohstoffpreise mittelfristig eher sinken als steigen.
Daran ändern auch langfristige Prognosen nichts, die zumindest für Öl aufgrund einer zunehmenden Nachfrage mit möglichen Versorgungsengpässen rechnen. Allerdings gehen solche Prognosen von unveränderten Technologien und einer unveränderten Energieeffizienz aus. Gerade in diesen Bereichen kann es jedoch aufgrund des hohen Ölpreisniveaus zu Veränderungen kommen, die die Nachfrage reduzieren. In Europa ist sie trotz des Wachstums schon seit Jahren rückläufig.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |