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Energie & Rohstoffe Ölpreis auf dem Rückzug

18.07.2008 ·  Der Ölpreis ist in den vergangenen drei Tagen um gut 10 Prozent gefallen, nachdem er in der vergangenen Woche mit 147,27 Dollar je Barrel einen neuen Rekord erreicht hatte. Die Konjunkturschwäche versetzt der Hausse einen Dämpfer.

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Der Ölpreis ist in den vergangenen drei Tagen um gut 10 Prozent gefallen, nachdem er in der vergangenen Woche mit 147,27 Dollar je Barrel (159 Liter) einen neuen Rekord erreicht hatte. Am Donnerstag gab der Ölpreis (WTI) im späten Handel bis auf 129 Dollar je Barrel nach.

Neben der Erleichterung in der Bankbranche trug die schwächere Notierung von Öl zu der zwischenzeitlichen Erholung an den Aktienmärkten bei. Auf nichts hatten die Finanzmärkte so gewartet wie auf ein Ende das Vertrauensverlustes in das Finanzsystem und eine Korrektur des Ölpreises, der in diesem Jahr um mehr als die Hälfte gestiegen war.

Fallende Nachfrage - steigende Lagerbestände - geopolitische Entspannung

Marktteilnehmer rätseln nun, wie nachhaltig der Preisrückgang bei Öl ausfallen wird. Drei Faktoren haben zu der kurzfristigen Preisentlastung beigetragen: am Mittwoch hatte die amerikanische Energy Information Administration bekanntgegeben, dass die Bestände der Öl-Lagerhaltung vergangene Woche um drei auf 296,9 Millionen Barrel gestiegen seien, nachdem sich die Lagerbestände die beiden Wochen zuvor reduziert hatten. Auch die Benzinnachfrage lässt nach. Der tägliche Benzinverbrauch für den Autoverkehr ist in den letzten vier Wochen um 2,1 Prozent auf täglich 9,3 Millionen Barrel gesunken - ein Zeichen, dass die gestiegenen Benzinpreise und die schwächere Konjunktur in den Vereinigten Staaten zu einem Abflauen der Benzin- und Ölnachfrage führen.

Gleichzeitig entspannte sich der geopolitische Krisenherd im Nahen Osten, nachdem die Vereinigten Staaten andeuteten, diplomatische Beziehungen zu Iran aufnehmen zu wollen. Am kommenden Wochenende will der amerikanische Staatssekretär William Burns zudem in Genf an den Gesprächen der Europäischen Union mit Iran teilnehmen. Dies wurde an den Märkten als spektakuläre politische Wende eingestuft, denn die Vereinigten Staaten hatten es seit 1980 abgelehnt, direkte diplomatische Verbindungen mit Iran einzugehen.

In den vergangenen Wochen hatten die Weltfinanzmärkte und vor allem der Ölmarkt nervös reagiert, als Israel und Iran Truppenübungen vornahmen und schon befürchtet wurde, Israel könne mit amerikanischer Rückendeckung eine militärische Zerstörung der Nuklearanlagen Irans vorbereiten. Dies hätte den freien Öltransport durch die Straße von Hormuz gefährden und zu einem dramatischen Preisanstieg des Öls führen können. Fast 40 Prozent der globalen Erdöllieferungen werden mit Tankern durch die Straße von Hormuz transportiert.

Abgeschwächtes Wirtschaftswachstum in China

Am Donnerstag dämpfte die Meldung eines sich deutlich abgeschwächten Wirtschaftswachstums in China den Ölpreis noch weiter. Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes ist in dem mächtigsten Schwellenland der Welt und größten Ölverbraucher Asiens von 10,6 Prozent im ersten Quartal auf 10,1 Prozent im zweiten Quartal gefallen. Freilich liegt China mit diesem Wachstum immer noch weit an der Spitze aller großen Industrienationen.

Grundsätzlich ändert sich mit der leichten Wachstumsschwäche Chinas daher nichts an der langfristigen Perspektive an den Energiemärkten: Noch immer liegt das langfristig zu erwartende Nachfragewachstum nach Energieträgern aus den Schwellenländern weit über dem Produktionswachstum, das die Opec und die Nicht-Opec-Länder auf Dauer abdecken können. Aber die scharfe Korrektur von mehr als 10 Prozent am Markt zeigt, dass der Ölpreis kurzfristig zu hoch geschossen war, weil der Markt wochen- und monatelang nur noch auf den langfristigen Nachfrageüberhang und geopolitische Spannungen geachtet hatte. Jetzt indessen richtet sich dieser Blick möglicherweise auf die Nachfrageseite, die durch die weltweite Konjunkturschwäche einen Dämpfer erleben dürfte.

Allerdings überkompensiert das Nachfragewachstum Chinas die Nachfrageschwäche der Amerikaner bei weitem. Nur eine rasante Abkühlung der Konjunktur in China und eine deutliche Rezession in den Vereinigten Staaten würden dieses Bild ändern. Das aber ist nicht abzusehen. Skeptiker wie Lehman Brothers gehen allerdings davon aus, dass der Ölpreis bis Ende des Jahres auf bis zu 90 Dollar je Barrel korrigieren könnte.

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