31.07.2008 · Der Kohlepreis tendiert nach oben. Die Nachfrage nimmt vor allem in Asien deutlich zu. Der Energieträger bietet einige Vorteile, alleine schon geopolitische. Die Umwandlung in flüssige Treibstoffe ist preislich wettbewerbsfähig.
Im Rahmen des Energiebooms der vergangenen Jahre hat auch der Kohlepreis weltweit mit unterschiedlicher Dynamik angezogen. Auf Sicht eines Jahres hat er an der New York Mercantile Exchange bis zu 245 Prozent auf 143,25 Dollar je Tonne in der Spitze zu Beginn des Monats Juli zugelegt, bevor er in den vergangenen Tagen in Orientierung am Ölpreis volatiler wurde.
Der Importpreis in Deutschland lag im ersten Quartal des laufenden Jahres nach Angaben des BAFA bei 93,73 Euro je Tonne Steinkohleeinheit, nach 63,10 Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Kohlenachfrage nimmt in Asien deutlich zu
Die Preisentwicklung ist die Folge der zunehmenden Nachfrage. Der globale Kohleverbrauch nahm im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent auf 3,177 Milliarden Tonnen Öläquivalent zu. Die Nachfrage kommt vor allem aus Asien. Im asiatisch-pazifischen Raum wuchs die Verbrauch im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 1,89 Milliarden Tonnen Öläquivalent. Das sind knapp 60 Prozent der Menge, die weltweit verbraucht wird. Dagegen stagniert die Nachfrage in Europa und in Nordamerika.
Die Produktionskapazitäten in Produktion und Logistik wurden weltweit erweitert und erhöhten die Leistungsfähigkeit der Kohleindustrie. Der starke und nach Expertenangaben auch im Jahr 2008 fortwirkende Nachfrageanstieg führte zu einer hohen Auslastung aller Glieder der Kohlenversorgungskette. Die Kohleproduktion stieg von 6,19 auf 6,4 Milliarden Tonnen. Die größte prozentuale Produktionssteigerung gab es in der Türkei mit einem Zuwachs von 17,7 Prozent auf 76,6 Millionen Tonnen Kohle. Deutliche Produktionssteigerungen gab es auch in Kanada, Mexiko und in China. China förderte mit 2,54 Milliarden Tonnen rund 41 Prozent der gesamten Kohle weltweit und steigerte die Förderung alleine im vergangenen Jahr um 164 Millionen Tonnen.
Das ist auch nötig, denn im Jahr 2007 förderte das Land 21,8 Millionen Tonnen Öläquivalent weniger, als es verbrauchte. Hintergrund ist der steigende Energiebedarf der weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft, die aus Kohle rund 78 Prozent der Elektrizität generiert. Auch Global wird der größte Teil von Elektrizität aus Kohle gewonnen.
Der Bedarf Chinas steigt nicht nur aufgrund der industriellen Nachfrage, sonder auch aufgrund des zunehmenden Wohlstandes: Da im Sommer immer mehr Klimaanlagen benutzt werden, legte die Nachfrage nach Strom zuletzt deutlich zu und führte zu so etwas wie einer Energiekrise. Da die Kohlelieferungen den Bedarf der Heizkraftwerke nicht decken könnten, komme es immer häufiger zu Stromausfällen, teilte der in Peking ansässige größte chinesische Stromnetzbetreiber, State Grid Corp. of China (SGCC), jüngst mit. Er liefert mehr als einer Milliarde Menschen in China Strom.
Bei fast der Hälfte der Kraftwerke, die an das SGCC-Netz angeschlossen seien, reichten die Kohlevorräte nicht einmal mehr für sieben Tage. Zu SGCC gehören neben fünf regionalen Stromnetzbetreibern auch 24 Kraftwerksgesellschaften im ganzen Land. Deren Kohlebestände hätten am Dienstag nur noch bei 31,55 Millionen Tonnen gelegen, nach 34,64 Millionen Tonnen vor drei Wochen. In sieben Provinzen im Norden des Landes und in Zentralchina habe State Grid den Strom seit Dienstag rationalisiert. Die Stromlieferungen an Großnutzer sollten weiterhin eingeschränkt bleiben, kündigte das Unternehmen an
Kohleverbrauch Chinas wächst schneller als die Kapazitäten des Landes
Der Kohleverbrauch Chinas wächst schneller als die Kapazitäten des Landes zur Förderung und Transport. In Zentralchina dürfte die Kohleversorgung aus diesem Grund „langfristig unzureichend“ bleiben, warnte State Grid. China deckt fast 80 Prozent seines Strombedarfs durch mit Kohle befeuerte Heizkraftwerke. Im Winter könne sich die Energiekrise im Reich der Mitte laut State Grid weiter zuspitzen.
Diese Situation dürfte zusammen mit der starken Nachfrage der Stahlindustrie nach Koks die Nachfrage nach Kohle weltweit robust halten. Zudem bietet die Kohle - im Gegensatz zu Öl - auch geopolitische Vorteile: Das Angebot ist breit diversifiziert und politisch verlässliche Staaten verfügen über große Vorkommen, die nach gegenwärtigen Berechungen noch für circa 155 Jahre reichen sollten. Alleine schon aus diesem Grund kann sie bei hoch bleibendem Ölpreis interessanter werden als in der Vergangenheit.
Das gilt vor allem dann, wenn es zu Innovationen in Bezug auf die Verwendbarkeit kommen sollte. So ist die Umwandlung in flüssige Treibstoffe ist zu gegenwärtigen Ölpreisen wettbewerbsfähig. Sie kostet nach Angaben des World Coal Instituts zwischen 25 und 45 Dollar je Barrel Öläquivalent. In diesem Preis sei die CO2-Wäsche und Speicherung schon enthalten.
Aus diesen Gründen und zusammen mit dem Blick auf die Förderung von Grubengasen bieten auch die Aktien von Kohleunternehmen den Anlegern gewisse Reize. Allerdings sind einige in den vergangenen Monaten schon sehr gut gelaufen und angesichts der mittelfristig auf den Markt kommenden neuen Kapazitäten grenzwertig bewertet. Die Aktie von Massey Energy hat alleine auf Sicht eines Jahres 270 Prozent zugelegt, allerdings liegt das Kurs-Gewinnverhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr inzwischen bei 26,2.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |