Die Preise von Mais, Weizen und Soja sind an den Terminmärkten nach einer vorübergehenden Zwischenerholung in den vergangenen Wochen wieder deutlich nach unten gelaufen.
Mais hat seit Anfang Juni am Chicago Board of Trade 31 Prozent seines Wertes verloren auf zuletzt 311,5 Cents je Scheffel, Weizen hat knapp 22 Prozent nachgegeben auf zuletzt 530 Cents je Scheffel und der Sojapreis lief um knapp 20 Prozent nach unten auf 1.018 Cents je Scheffel. Die kurzfristigen Trends zeigen ebenso weiter nach unten, wie die zu erwartende Versorgung der Märkte, die sich aus dem Wachstumsverlauf ablesen lässt.
Mais, Weizen und Soja werden günstiger, Orangen werden teurer
Dagegen liefen die Terminpreise für Orangensaft in den vergangenen Wochen deutlich nach oben. Das ist auf Bedenken zurückzuführen, Frost und Trockenheit könnte die Bäume in Florida gestresst und damit die Ernteaussichten gedämpft haben. Dazu kommen die um diese Jahreszeit beinahe schon üblichen Spekulationen auf die Hurrikansaison. Sorgen tropische Stürme von Juni bis November in Florida für größere Schäden in den Orangenhainen, so laufen die Preise regelmäßig deutlich nach oben. Immerhin bauen die Amerikaner hinter Brasilien weltweit die zweitgrößte Menge an. Sie haben den Vorteil, nahe an einem großen Markt operieren zu können.
Während der Preis bei Orangen in Anhängigkeit von der meteorologischen Entwicklung weiter nach oben laufen kann, dürften die Aussichten bei Mais, Weizen und Soja gedämpft bis negativ bleiben. Denn die Versorgungslage ist vergleichsweise robust, während auf der anderen Seite aufgrund der anhaltenden Diskussion über die Beschränkung spekulativer Aktivitäten gerade solche zurückgefahren werden dürften.
In der Vergangenheit war es zum Beispiel bei Weizen immer wieder zu großen Differenzen in der Preisentwicklung der Terminkontrakte im Vergleich mit dem faktischen Markt gekommen. Genau das jedoch stellte den Sinn der Terminmärkte in Frage, da Weizenanbauer deswegen ihre Preisrisiken nicht mehr zu vernünftigen Konditionen beziehungsweise nur unter Inkaufnahme einer großen Unsicherheit absichern konnten.
Verpuffende Spekulationsphantasie
Nun ist die amerikanische Commodity Futures Trading Commission dabei, bisherige Sonderrechte so genannter Indexhändler auslaufen zu lassen. Diese hatten bisher die Möglichkeit, Ausnahmen zu Positionsbeschränkungen zu erhalten. Genau das hatte in den vergangenen Monaten des allgemeinen Rohstoffbooms dazu geführt, dass immer mehr so genannte Indexfonds aufgelegt wurden, die in Energie- und Rohstoffkontrakte investierten. Hohe Mittelzuflüsse in vergleichsweise enge Märkte führten unabhängig von der fundamentalen Lage an den betrachteten Märkten zu einem Preisauftrieb, der sich selbst verstärkte, je mehr Anleger sich solche Produkte ins Depot legen wollten.
Die relative Enge der Agrarmärkte lässt sich relativ einfach belegen. Werden weltweit etwa 782 Millionen Tonnen Mais geerntet, so sind diese bei einem Preis von 311 amerikanischen Cents je Scheffel knapp 96 Milliarden Dollar wert. Das ist wenig im Vergleich mit den 38.000 Milliarden Dollar, die im Moment an den Börsen weltweit investiert worden sind, den knapp 24.000 Milliarden Dollar, die nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Ende März 2009 in Form von Schuldpapieren ausstanden oder gar den knapp 600.000 Milliarden Dollar, die Ende des vergangenen Jahres zumindest nominal in Form so genannter OTC-Derivate auf dem Markt waren.
Faktor 1000 zu klein
Eduard Heindl (eduardheindl)
- 23.07.2009, 00:40 Uhr
Zu viel Geld in den Märkten
Klaus Dieter (Leser2009)
- 23.07.2009, 08:38 Uhr