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Energie & Rohstoffe Fortgesetzter Ausverkauf bei Rohstoffen

27.10.2008 ·  Der Preisverfall an den Energie- und Rohstoffmärkten geht weiter. Selbst die Quotenkürzung der Opec scheint nichts zu bewirken. Aufgrund der hohen Ausgaben der Ölstaaten gibt es Zweifel an der Umsetzung der Beschlüsse.

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Der Preisverfall an den Energie- und Rohstoffmärkten geht weiter. Von Kautschuk, über Kupfer, Mais, Sojabohnen, Kohle bis hin zu Orangensaft, Kakako und Benzin geben die Notierungen an den Terminmärkten auch am Montag nach, nachdem sie in den vergangenen Wochen schon deutlich korrigiert haben.

Längst vorbei sind die Zeiten, in welchen in einem liquiditätsgetriebenen Umfeld selbst nur bedeutungslose Meldungen ausreichten, um zu neuen Rekordpreisen zu führen. Denn inzwischen ist nicht nur die Liquidität für Spekulationen an den Rohstoffmärkten deutlich knapper geworden, sondern auch die fundamentalen Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert.

Abnehmendes Wachstum - zurückgehende Nachfrage

Die großen Volkswirtschaften weltweit befinden sich mit einiger Wahrscheinlichkeit in einer Rezession, während in den Schwellenländern, die große Teile ihrer Waren und Dienstleistungen letztlich in die Industriestaaten liefern, nimmt die wirtschaftliche Dynamik deutlich ab. Das heißt, die Nachfrage nach Energie- und Rohstoffen geht zurück. Und das schlägt auf die Preise durch.

In den vergangenen Tagen hat die Opec zwar beschlossen, die Förderung zu drosseln. Allerdings scheint das den Preisrückgang bei Öl nicht stoppen zu können. Am Montag erreicht der Preis für ein Fass Öl der Sorte WTI mit 61,30 Dollar den tiefsten Stand seit 17 Monaten. Ein Rückgang unter 60 Dollar scheint nur noch eine Frage der Zeit, erklären selbst jene Experten, die noch vor wenigen Wochen Preise von bis zu 200 Dollar prognostiziert hatten.

Um den Ölpreisverfall aufzuhalten, hätte die Opec angesichts der derzeitigen Marktstimmung eine deutlich stärkere Kürzung der Fördermenge vornehmen müssen als die beschlossene Quotenkürzung um 1,5 Millionen Barrel zum ersten November, heißt es nun. Die OPEC hat zwar ein weiteres Treffen noch vor dem offiziellen Treffen im Dezember in Aussicht gestellt, sollte sich der Preisverfall weiter fortsetzen. Offensichtlich traut der Markt dem Kartell jedoch nicht zu, die Fördermenge tatsächlich so stark zu drosseln, wie es nötig wäre, um den Ölpreis zu stabilisieren.

Diese Skepsis lässt sich begründen. Denn die Staaten, welche auf eine starke Kürzung der Förderquoten drängen, haben ihre Staatsausgaben in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert. Sie sind finanziell schon unter Wasser oder laufen Gefahr, ökonomisch in die Defensive zu geraten. Das heißt, sie sind gar nicht in der Lage, ihre anteiligen Kürzungen vorzunehmen. Entsprechend dürfte es den Ländern wie Venezuela oder Iran schwer fallen, zusätzlich zu dem Preisverfall auf weitere Öleinnahmen wegen der Produktionsdrosselung zu verzichten. Manche könnten sogar geneigt sein, die Produktion heimlich zu erhöhen, statt sie zu drosseln. Faktisch war die Quotendisziplin in den vergangenen Jahren nicht sehr groß.

Wer glaubt ab die Quotenkürzung der Opec?

Nicht nur die Opec, sondern auch andere Ölförderer müssen aufgrund des Ölpreisverfalls mit deutlichen Einnahmeausfällen rechnen. So plane Russland eine Senkung des Ölexportzolls um 17 Prozent auf 300 bis 310 Dollar je Tonne Rohöl zum ersten Dezember. Derzeit kassiere der russische Staat pro Barrel noch knapp zehn Dollar mehr. Bei einer Exportsteuer von gut 50 Dollar für russisches Öl sei der Export für viele Ölfirmen jedoch nicht mehr lukrativ, weil der Preis für russisches Rohöl Urals erstmals seit März des Jahres 2008 am Freitag unterhalb von 60 Dollar je Barrel notierte, heißt es in einer Analyse der Commerzbank.

Nicht nur der Ölpreis steht unter Druck. Sondern Notierungen der Edel- und Industriemetalle geben weiter nach. Einerseits ist dafür der aufwertende Dollar mitverantwortlich. Andererseits machen sich Liquidierungsverkäufe in einem deflationären Umfeld ebenso bemerkbar, wie die Erwartung einer zurückgehenden Nachfrage.

Bei Platin und Palladium kam in den vergangenen Jahren ein großer Teil der Nachfrage aus der Automobilindustrie. Dort jedoch laufen die Geschäfte immer schlechter. Aus diesem Grund haben die Preise für Industriemetalle in den vergangenen Wochen deutlich nachgegeben. Galten die Schwellenländer in den vergangenen Jahren als wichtige Treiber der Nachfrage, so hat sich das inzwischen geändert. Bestätigt werden derartige Befürchtungen zum Beispiel durch Aussagen des Chefs der Kupferabteilung der chinesischen Vereinigung der Nichteisenindustrie. Dieser sieht für dieses Jahr nur noch einen Anstieg der Kupfernachfrage in China um fünf Prozent. Bislang ging man von einem Anstieg um zehn Prozent aus. Dies sei umso dramatischer, als dass der Kupferverbrauch in den großen Industrieländern aufgrund der Konjunkturschwäche rückläufig sei, erklären Analysten.

Angesichts der Abwärtsdynamik der vergangenen Tage ist eine technische Zwischenbewegung nach oben jederzeit denkbar. Allerdings müssen sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verbessern, um wieder für einen längerfristigen Aufschwung sorgen zu können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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