11.09.2008 · Der sinkende Rohölpreis macht sich bei den Verbrauchern bemerkbar: Heizöl wird billiger. Die Preise für Benzin bleiben unweit ihrer Rekordstände. Nur ein Drittel des Benzinpreises hängt von der Entwicklung auf den Ölmärkten ab.
Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Leichtölsorte WTI ist am Donnerstag bis auf 101 Dollar gefallen. Er liegt damit fast ein Drittel unter seinem am 11. Juli aufgestellten Rekordhoch von 147 Dollar. Der Preisrutsch kommt mittlerweile auch bei den Verbrauchern an, wenn auch unterschiedlich stark.
So ist der Preis für Heizöl in dieser Woche auf 85 Cent je Liter gefallen. Dies ist ein Durchschnittspreis, den der Erdöl Informationsdienst (EID) aus Angaben von 14 deutschen Städten bei einem Bezug von 3000 Litern ermittelt. Im Juli hatte dieser Preis noch bei 98 Cent je Liter gelegen.
Heizöllieferanten berichten von einer enormen Zurückhaltung der Kunden
In einzelnen Regionen sogar bei mehr als einem Euro. Die Heizöllieferanten berichteten von einer enormen Zurückhaltung der Kunden. Angesichts der steigenden Preise haben viele mit dem Befüllen ihrer Tanks gewartet und auf sinkende Preise gehofft. Noch immer ist die Zurückhaltung groß, die durchschnittlichen Befüllungsmenge in Heizöltanks in Deutschland mit weniger als 50 Prozent weit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.
Das Abwarten der Haushalte könnte sich noch lohnen, denn meist wirken sich die Preisänderungen der Terminmärkte in New York und London erst mit Verzögerung auf die Endpreise für die Kunden aus. Der jüngste Preisrutsch für Rohöl in die Nähe der 100-Dollar-Marke dürfte daher erst in ein bis zwei Wochen vollständig auf den Heizölpreis durchschlagen. Wer den Abwärtstrend des Rohölpreises für intakt hält, könnte sogar noch ein bisschen länger Warten und den Preisen beim Fallen zusehen. Viele technische Analysten gehen zunächst von weiter sinkenden Preisen aus. Und auch Betrachter der Fundamentaldaten halten angesichts des schwächeren Wachstums der Weltwirtschaft in den nächsten Monaten eine geringere Nachfrage und damit fallende Preise für wahrscheinlich.
Die Rohölpreise schlagen allerdings höchstens zufällig eins zu eins auf den Heizölpreis durch. Der zuletzt fallende Außenwert des Euro stand einer stärkeren Preiskorrektur für den Heizölpreis entgegen. Rohöl muss in Dollar bezahlt werden und seit Mitte Juli hat der Dollar gegenüber dem Euro mehr als 10 Prozent an Wert gewonnen. Allerdings hat der zuvor jahrelang an Wert gewinnende Euro auch die vorangegangene Teuerung beim Heizöl gedämpft. Während der Rohölpreis sich seit Anfang 2007 verdoppelt hat, sind die Heizölpreise „nur" um knapp 70 Prozent gestiegen. Auch die konstante Mineralölsteuer von 6 Cent je Liter und der stabile Deckungsbeitrag für Transport und Lagerung des Öls haben zu einer Dämpfung der Auswirkung der prozentualen Rohölpreisveränderungen beigetragen.
Nur ein Drittel des Benzinpreises hängt von der Entwicklung auf den Ölmärkten ab
Der wesentlich größere Einfluss dieser Konstanten erklärt auch, warum der Benzinpreis nun wesentlich weniger stark gefallen ist, als der Rohölpreis. 65,5 Cent je Liter macht die Mineralölsteuer aus und die ist seit Jahren konstant. Der Deckungsbeitrag von etwa 10 Cent und die Mehrwertsteuer von knapp 25 Cent verändern sich ebenfalls kaum. Nur ein Drittel des Benzinpreises hängt somit überhaupt von der Entwicklung auf den Ölmärkten ab. Dass dieses Drittel in den vergangenen beiden Monaten noch nicht einmal 10 Prozent günstiger geworden ist, obwohl der Rohölpreis um mehr als 30 Prozent nachgegeben hat, sei auf Spezifika der Preisentwicklung von Fertigprodukten zurückzuführen, berichtet der Mineralölwirtschaftsverband. Weil die Benzin-Lagerbestände in den Vereinigten Staaten geringer ausgefallen seien als erwartet, habe der Preis in den vergangenen Tagen im Gegensatz zum Rohölpreis sogar zugelegt. Mit derzeit durchschnittlich 1,48 Euro je Liter Superbenzin zahlen die Autofahrer kaum weniger als im Rekordmonat Juli, als im Schnitt 1,53 Euro fällig waren.
Der Benzinpreis ist entgegen der allgemeinen Wahrnehmung zuvor aber auch wesentlich weniger stark gestiegen als der Rohölpreis. So kostete ein Liter Super im Januar 2007 bereits 1,23 Euro. Der Preis ist seither um etwa ein Fünftel gestiegen, während sich der Rohölpreis von 50 auf nun gut 100 Dollar verdoppelt hat.
Etwas mehr Erleichterung haben die vergangenen Wochen für Dieselfahrer gebracht. Waren in der Spitze im Sommer für den Liter Diesel zeitweise mehr als für Superbenzin zu zahlen, liegt die Preisdifferenz mittlerweile durchschnittlich wieder bei gut 10 Cent. Der besonders starke Anstieg der Dieselpreise war vor allem mit einem Nachfrageschub aus China erklärt worden. Hier hatten Beobachter Hamsterkäufe vor den Olympischen Spielen in Peking ausgemacht.
Zweifelt man am Verstand der Menschen?
Jörg Kordel (indy2909)
- 12.09.2008, 03:43 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |