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Energie & Rohstoffe Der Ölpreis ist und bleibt spekulativ

10.03.2009 ·  Der Ölpreis tendiert kurzfristig nach oben. Die spekulativen Reflexe der vergangenen Monate sind erhalten geblieben und zeigen sich immer dann, wenn Wirtschaftsoptimismus aufkommt. Der Preis jedoch wird stark von Finanzanlegern beeinflusst.

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Die Preisentwicklung an den Energie- und Rohstoffmärkten war in den vergangenen Monaten zu weiten Teilen irrational. So lange die liquiditätsgetriebene Hausse lief, verstärkte sie sich selbst, da steigende Preise immer mehr Schlagzeilen generierten. Auf dieser Welle ritten die Banken mit, boten immer mehr Produkte an und trieben immer mehr Anleger in den Markt.

Diese Eigendynamik trieb den Preis für Öl der Sorte WTI im Juli des vergangenen Jahres bis auf 145 Dollar. Mit der fundamentalen Lage am Markt hatte das wenig bis nichts zu tun. Der Blick auf die Daten zeigt, dass das Ölangebot locker mit der Nachfrage mithielt.

Die spekulativen Reflexe sind erhalten geblieben

In den vergangenen Monaten hat der Ölpreis im Zuge der Wirtschafts- und Kreditkrise deutlich korrigiert. Er fiel von 145 bis auf 34 Dollar je Barrel im Dezember des vergangenen Jahres. Allerdings sind die spekulativen Reflexe im Markt immer noch vorhanden. Sie zeigen sich darin, dass der Preis immer dann rasch und deutlich nach oben läuft, wenn an den Märkten der Konjunkturoptimismus kurzfristig durchschlägt oder wenn Spekulationen aufkommen, die Organisation Erdölproduzierender Staaten, Opec, könne ihre Quoten kürzen. Die Opec fördert immerhin rund 40 Prozent des weltweit geförderten Öls.

Solche Vermutungen haben dazu beigetragen, dass der Ölpreis seit Mitte des vergangenen Monats etwas mehr als 40 Prozent auf zuletzt 47,25 Dollar je Barrel zugelegt hat. Quoten sind das eine. Die tatsächliche Ölförderung jedoch ist das andere. „Wir brauchen nicht über weitere Quotenkürzungen zu reden, so lange die bestehenden Quoten nicht zu 100 Prozent umgesetzt werden,“ erklärte Katars Ölminister Abdullah bin Hamad al-Attiyah am Dienstag in einem Interview.

Die Opec hatte ihre Quote im September des vergangenen Jahres zunächst um 500.000 Fass, im Oktober um weitere 1,5 Millionen Fass und im Dezember sogar um 2,2 Millionen Fass pro Tag gekürzt. Allerdings scheinen diese Kürzungen nicht oder zumindest nicht voll umgesetzt zu werden. Denn in den vergangenen Monaten lag das globale Ölangebot zum Teil deutlich über der sinkenden Nachfrage. Die globale Ölnachfrage lag im Januar mit 84,5 Millionen Barrel je Tag nur rund drei Prozent oder 2,7 Millionen Barrel unter dem Spitzenwert, der im November des Jahres 2007 erreicht worden war.

Der WTI-Ölpreis wird stark von Finanzanlegern beeinflusst

Tatsächlich gibt es Zweifel an der Quotendisziplin des Ölkartells. Viele Mitglieder haben ihre Staatsausgaben in den vergangenen Jahren des Scheinbooms deutlich erhöht und sind nun wie die sonstigen Ölförderstaaten auf hohe Einnahmen angewiesen. Da der Preis angesichts der schwachen Nachfrage grundsätzlich nur wenig Phantasie bietet, bleibt zur Erhöhung der Einnahmen nur die Mengensteigerung. Aus diesem Grund dürfte es schwierig werden, Quotendisziplin einzufordern.

Der WTI-Ölpreis wird nach Expertenansicht stark von Finanzanlegern beeinflusst. Einzelne Ölfonds wie etwa der United States Oil Fund sind stark an den Terminmärkten engagiert und haben große Teile der ausstehenden Kontrakte in ihren Büchern stehen. Solche Marktteilnehmer hätten inzwischen eine kritische Masse erreicht, erklären Analysten. Das heißt im Klartext nichts anderes, als dass sie die Preisentwicklung in ihrem Sinne manipulieren können. Die erratischen Bewegungen des WTI-Preises sagten deswegen nur noch wenig aus. Und es sei davon auszugehen, dass immer mehr Produzenten von der Sorte WTI als Referenz absähen, heißt es längst. Tatsächlich waren die Preise für die Nordseesorte Brent in den vergangenen Wochen weniger volatil als die der amerikanischen Sorte.

Lediglich eine Stabilisierung der Nachfrageprognosen könnte sich positiv auf den Ölpreis auswirken. Sie würde zusammen mit aufkommendem Optimismus an den Börsen trotz der schwachen Daten zu deutlichem Preisauftrieb am Ölmarkt führen. Allerdings würde genau dieser den Wirtschaftsoptimismus rasch wieder bremsen, da höhere Energie- und Rohstoffpreise sofort Bedenken ´hinsichtlich einer steigenden Inflation aufkommen ließen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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