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Energie & Rohstoffe Der Ölpreis hat spekulativen Auftrieb

16.10.2007 ·  Der Höhenflug des Ölpreises geht weiter: Am Dienstag kostete ein Barrel Leichtöl an der New Yorker Rohstoffbörse erstmals knapp 88 Dollar. Der Trend zeigt weiterhin nach oben. Allerdings scheint er etwas spekulativ getrieben zu sein.

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Der Preisauftriebe bei Öl sorgt wieder einmal für Furore. Denn mit knapp 88 Dollar je Barrel Öl der Sorte West Texas Intermediate hat der generische Terminkontrakt an der New York Mercantile Exchange am Dienstag eine neue Rekordmarke auf dem anhaltenden Trend nach oben erreicht. Alleine auf Sicht einer Woche legte der Preis bis zu 9,6 Prozent zu.

Als Ursache des Anstiegs werden vor allem Spannungen zwischen der Türkei und den Kurden im Nordirak sowie spekulative Käufe als Folge der politischen Krise angeführt. Jede Art von Unruhe oder Kriegsgefahr im Nahen Osten wirke sich auf den Ölpreis aus, weil in der Region die wichtigsten Ölreserven der Welt lagern, heißt es. Eine türkische Militärintervention im kurdischen Nordirak könnte die Öllieferungen aus der Region unterbrechen und die Versorgung der Industrieländer gefährden, lautet die Logik.

Geopolitische Spannungen im Irak und Iran

Solche Überlegungen werden noch verstärkt durch die anhaltenden politischen Spannungen, die in Verbindung mit Iran stehen. Unterschwelligkeit dürfte der Markt mit militärischen Operationen rechnen. Sie könnten die Möglichkeiten des Landes einschränken sollen, Atomenergie militärisch verwenden zu können. Da Iran an den Persischen Golf angrenzt, durch den große Mengen an Öl transportiert werden, könnte ein Konflikt sich leicht ausweiten und den Nachschub in den Industriestaaten unterbrechen oder zumindest deutlich drosseln.

Auch die anhaltende Schwäche des Dollars dürfte eine gewisse Rolle spielen. Denn sie verstärkt bei Staaten mit hohen Dollareinnahmen den Druck, die rasch wachsenden Währungsreserven zu diversifizieren. In diesem Rahmen können Investitionen in Rohstoffe selbst eine Rolle spielen. Gleichzeitig können Ölproduzenten dazu neigen, bei fallendem Dollar das Angebot zu drosseln, um die Kaufkraftverluste des Dollars einfach durch höhere Ölpreise auszugleichen.

Ob solche Argumente den Preis noch weiter nach oben treiben können, wird sich noch zeigen müssen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist angesichts des anhaltenden Trends zumindest kurzfristig relativ groß. Immerhin sind nach Einschätzung von Ölhändlern kapitalstarke Fonds auf den Zug gesprungen und kaufen spekulativ Öl. Zum Teil handle es sich um automatische Käufe, die beim Erreichen bestimmter Preishöhen ausgelöst würden, heißt es. Das spekulative Phänomen zeigt sich weniger an den offenen Positionen an den Futures-Markten, als vielmehr auf der Optionsseite. Denn dort hat in den vergangnen Wochen die Anzahl der offenen Kontrakte deutlich zugenommen.

Lagerbestände in Europa und Asien am unteren Ende des Durchschnitts

Fundamental dagegen sieht es zunächst nicht eng aus. Denn zumindest in den OECD-Staaten bewegt sich die Nachfrage im Rahmen der vergangenen Jahre. Dagegen liegt sie in China, Indien und nicht zuletzt auch in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion über dem mittelfristigen Durchschnitt. Allerdings nimmt auch das Angebot im Trend zu. Auf der anderen Seite befinden sich die Lagerbestände bei den Industrieunternehmen im OECD-Europa und in OECD-Asien am unteren Rand des Durchschnitts der vergangenen Jahre. Das zeigt sich unter anderem auch bei den deutschen Verbrauchern. Die hohen Preise scheinen sie in den vergangenen Monaten davon abgehalten zu haben, ihre Tanks so zu füllen, wie in den vergangenen Jahren. Aus diesem Grund ist der Füllstand gegenwärtig unterdurchschnittlich.

Das könnte einerseits bedeuten, dass sie in den kommenden Wochen trotz der hohen Preise noch nachkaufen und auf diese Weise den Markt noch weiter nach oben treiben werden. Alternativ wäre jedoch auch denkbar, dass manche auf alternative Brennstoffe ausgewichen sind. Immerhin scheint das Brennholzgeschäft auch nicht schlecht zu laufen.

Insgesamt ist der Markt trotz der an sich robusten Versorgungslage zumindest „mental“ auf einen weiteren Preisanstieg eingerichtet ist. Das dürfte die Verkaufsbereitschaft der Marktteilnehmer einschränken und auf diese Weise den Markt noch zusätzlich verknappen. Das könnte sich jedoch rasch ändern, sollte sich beispielsweise die Weltkonjunktur deutlicher verlangsamen, als bisher gemeinhin angenommen wird. In diesem Fall dürfte ein deutlicher Preisrückschlag wahrscheinlich werden, da viele Gewinne mitnehmen wollen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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