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Energie & Rohstoffe Der Einfluss der Spekulanten

30.07.2009 ·  Warum sind die Kraftstoffpreise in den vergangenen Monaten trotz sinkender Nachfrage gestiegen? Spielt der Markt verrückt und muss er reguliert werden? Einige Antworten auf die Frage, wie der Ölpreis gemacht wird.

Von Chris Kahn, Associated Press
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Obwohl Fabriken geschlossen wurden und die Amerikaner immer weniger Auto fuhren kletterten die Ölpreise während eines langen Zeitraums Anfang dieses Jahres um atemberaubende 124 Prozent in die Höhe. Die Benzinpreise zogen schon bald nach und stiegen um fast einen Dollar pro Gallone - fast zwei Monate lang gingen die Preise jeden Tag ein Stück nach oben.

Was war geschehen? Müsste Kraftstoff nicht eigentlich billiger werden, wenn die Nachfrage sinkt?

Die amerikanische Aufsicht über die Terminmärkte, die so genannte Commodity Futures Trading Commission (CFTC), hofft, in dieser Woche durch eine Reihe öffentlicher Anhörungen zum Thema Ölhandel einige Antworten auf diese Frage zu erhalten. Staatlichen Ökonomen kommt eine Geldflut aus Pensionsfonds, Hedge-Fonds und anderen spekulativen Investments verdächtig vor, auch wenn sie nicht mit Bestimmtheit sagen können, wie stark sich dies auf die Energiepreise auswirkt.

Hier sind einige Fragen und Antworten zu dem Thema, wer möglicherweise die Ölpreise beeinflusst und warum es so schwierig ist, diese Personen zu beobachten.

Was ist ein Spekulant?

Ein Spekulant ist, allgemein ausgedrückt, jeder, der in eine Sache nur investiert, um von Schwankungen des Marktwertes zu profitieren. Im Fall von Öl kaufen und verkaufen Spekulanten Verträge über Ölbarrels (die zu einem späteren Zeitpunkt geliefert werden), ohne die Absicht zu haben, das Öl phyisch zu verwenden. Die New York Mercantile Exchange wird von dieser Art des Handels dominiert. Weniger alsein Prozent des gesamten Terminkontrakthandels endet damit, dass jemand tatsächlich Ölbarrels erhält.

Wer ist ein Spekulant?

Spekulanten sind wohl kaum die gesichtslosen Wilderer, die sowohl der Kongress als auch Handelsgruppen im vergangenen Jahr in ihnen sehen wollten, als die Ölpreise verrückt spielten. Der Spekulant könnten genauso gut Sie sein - und Sie wissen es noch nicht einmal. Pensionsfonds, Anlegerfonds und Hedge-Fonds handeln alle mit Energierohstoffen. Einer dieser Investoren ist das California Public Employees' Retirement System (CalPERS), das 1,6 Millionen Menschen Ruhestands- und Gesundheitsleistungen auszahlt.

CalPERS begann vor zwei Jahren, sich mit Energierohstoffen zu beschäftigen, und investierte $500 Millionen in diese Art von Gütern. Als der Preis für Öl Anfang 2007 zu steigen begann, sagte CalPERS-Sprecher Brad W. Pacheco: „Die Mitarbeiter sahen es als eine Gelegenheit.“ Der Wert dieser Anfangsinvestition erhöhte sich dank der gestiegenen Rohstoffpreise um 100 Millionen Dollar.

Andere können über den Aktienmarkt in Öl investieren, indem sie Aktien des United States Oil Fund und anderer börsengehandelten Fonds kaufen. Der USO verwendet diese Mittel zum Kauf von Ölverträgen, von denen jeder jeweils über 1.000 Barrel Öl geht. Der Aktienkurs bewegt sich mit dem Ölpreis. Vor kurzem sind mit rasantem Tempo Gelder in diese Fonds geflossen. Der Marktforscher Morningstar schätzt, dass sich der Vermögensbetrag, der in börsengehandelte Indexfonds (ETFs) investiert wurde, seit Jahresbeginn auf acht Milliarden Dollar verdoppelt hat.

Welchen Einfluss haben Spekulanten auf den Ölpreis?

CFTC Commissioner Bart Chilton meinte, dass Spekulanten daran mitgewirkt haben könnten, dass die Ölpreise verggangenen Sommer auf 147 Dollar pro Barrel schossen. Diese Annahme wurde in diesem Frühjahr bestärkt, als die Ölpreise erneut einen Sprung nach oben machten, obwohl diesmal nicht nur die Nachfrage sank, sondern auch ein Überangebot an Rohöl in den amerikanische Tanklagern schlummerte. „Da ist was faul auf diesen Märkten“, meint Chilton. „Jedes Schulkind würde Ihnen sagen, dass der Preis nach unten gehen müsste.“ Aber es ist nahezu unmöglich zu sagen, wie sehr Spekulanten die Ölpreise beeinflussen, weil die Regierung sie nicht genau unter die Lupe nimmt. „Viele dieser Geschäfte vollziehen sich auf Märkten, die wir nicht regulieren“, sagt Chilton.

Investoren haben im Freiverkehr enorme Summen in Öl und andere Waren fließen lassen. Dieser Freiverkehr gilt als „dunkler“ Markt, weil die CFTC noch nicht ermächtigt wurde, diesen zu beaufsichtigen. Jeder kann ungehindert einen Ölvertrag eingehen, ohne ihn auf irgendeinem Markt notieren zu müssen. Es wird erwartet, dass die Kommission im nächsten Monat einen Bericht über Ölspekulation herausgibt. Aber der Bericht, der noch nicht fertig gestellt ist, wird nicht errechnen, wie stark Spekulanten die Ölpreise beeinflussen, sagt Chilton, und: „Es gibt weitgehend keine quantifizierten Aussagen, weil wir diese Märkte nicht einsehen können.“ Die Regierung beobachtet aber dennoch einen Teil des spekulativen Geldes. Eine Analyse dieser Unterlagen durch Associated Press ergab, dass Spekulanten schon seit September des Jahres 2003 fest auf einen Anstieg der Ölpreise bauen.

Besonders enthusiastisch waren sie in den ersten sieben Monaten des Jahres 2007, einem Zeitraum, in dem die Ölpreise von etwa 60 auf 80 Dollar je Barrel stiegen. CFTC-Daten zeigten, dass Spekulanten im Januar 2007 Kaufpositionen - eine Wette darauf, dass die Ölpreise steigen würden - im Wert von 15 Millionen Barrel Öl hielten. Ende Juli 2007 hatte der Gesamtbestand ihrer Kaufpositionen einen Gegenwert von 170 Millionen Barrel.

Einige Ökonomen sagen, dass diese Art von Enthusiasmus die Ölpreise in der gleichen Weise steigen lassen könnte, wie einige Jahre davor der Zustrom an Neukäufern die Eigenheimpreise in die Höhe trieb. Aber andere sind sich da nicht so sicher.
Francisco Blanch, ein Rohstoffstratege der Bank of America Merrill Lynch, der die Rolle von Spekulationen auf den Energiemärkten untersucht hat, meint, dass Investoren sich im Allgemeinen dann auf eine Ware stürzen, wenn sie bereits begonnen hat, teurer zu werden.
„Hohe Preise veranlassen die Leute, in Rohstoffe zu investieren“, sagt Blanch. „Andererseits haben wir nicht festgestellt, dass höhere Investitionen höhere Preise verursachen.“

Warum sollte das alles eine Rolle spielen, wenn ich mein Auto betanke?

Während die Jury noch immer über die genaue Rolle rätselt, die Spekulanten in den Rohstoffmärkten spielen, sind sich Aufsichtsbehören und Handelsgruppen einig, dass sich ihr Wirken an der Zapfsäule bemerkbar macht. Spekulanten kaufen auch Benzinverträge. Und Handelsgruppen sagen, dass die Erdölraffinerien den Umschwung bei Öl- und Benzinverträgen beobachten, wenn sie ihre Preise festsetzen.

Wenn der Rohölvertrag um einen Dollar nach oben geht, „so steigt der Großhandelspreis für Benzin, Diesel und Heizöl höchstwahrscheinlich in fünf Stunden zwischen drei und fünf Cents“, meint Dan Gilligan, Präsident der Petroleum Marketers Association of Americirca „So schnell geht das.“ Ein Anstieg der Großhandelspreise wirkt sich vielleicht nicht sofort auf den Preis an der Zapfsäule aus. Aber am Ende sind die Tankstelleneigentümer gezwungen, ihre Preise ebenfalls zu erhöhen, so Gilligan. Das wurde im Frühjahr dieses Jahres deutlich, als sich die Ölpreise von Februar bis Juni verdoppelten. Der Einzelhandelsbenzinpreis zog nach und stieg im Landesdurchschnitt 54 Tage hintereinander. Am 21. Juni gipfelte er bei knapp über 2,69 Dollar pro Gallone.

Würde eine Regulierung die Spekulation auf den Ölmärkten wirksam eindämmen?

Wahrscheinlich nicht. Rohöl wird auf der ganzen Welt gehandelt. Die CFTC mag in der Lage sein, den Benchmark-Vertrag hierzulande zu beeinflussen, aber über die Märkte in anderen Ländern kann sie nicht bestimmen. Der britische Premierminister Gordon Brown und der französische Präsident Nicolas Sarkozy sprachen dieses Thema Anfang des Monats an und forderten mehr Transparenz und Aufsicht auf den Terminkontraktmärkten für Öl auf der ganzen Welt.

Wenn kein internationaler Konsens erzielt wird, so werden die Spekulanten nach Meinung der Händler einfach zu den Märkten wechseln, auf denen sie weiter ungehindert ihre wilden Spekulationsgeschäfte in Öl treiben können. Und das wird sich weiterhin auf die Benzinpreise in den Vereinigten Staaten auswirken, weil das Land den größten Teil seines Erdöls aus dem Ausland bezieht. „Wenn man anfängt, den Markt zu beschränken, so ist fraglich, was das bezwecken soll“, gibt Morgan Downey, ein Rohstoffhändler für Standard Chartered Bank, zu bedenken. „Ich denke, der Markt funktioniert gut. Die Leute sehen die Preise nicht gern, aber der Markt funktioniert gut.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: AP
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