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Energie Raffinerieausfälle drücken Rohölpreise

 ·  Das gestiegene Angebot und die geringe Nachfrage sorgen für niedrige Rohölpreise. Zudem sind an Amerikas Ostküste wegen „Sandy“ viele Raffinerien geschlossen - wodurch die Preise weiter fallen.

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© dapd Vergrößern Nach den Rekordwerten der vergangenen Monate dürfen sich Verbraucher nun über niedrigere Benzinpreise freuen

Der Preisrückgang am Rohstoffmarkt ist beachtlich: Seit Mitte Oktober hat der Preis für Rohöl der europäischen Sorte Brent um rund 9 Prozent nachgegeben. Auch das amerikanische WTI-Rohöl hat sich in diesem Zeitraum um etwa 8 Prozent verbilligt. „Die Ölnachfrage ist nicht nur in Europa und China schon seit einiger Zeit schwach“, sagt Norbert Rücker, Rohstoffanalyst der Schweizer Bank Julius Bär. „Auch das gestiegene Ölangebot etwa in den Vereinigten Staaten drückt die Preise.“

Neben solchen fundamentalen Gründen hat auch der Wirbelsturm Sandy an der Ostküste der Vereinigten Staaten einen erheblichen Einfluss auf den Ölmarkt: Zwar gibt es keine wichtigen Ölplattformen in dieser Region, die wie im Golf von Mexiko von Stürmen bedroht sind und bei schlechtem Wetter schon oft ihre Produktion einstellten. Der Sturm hat aber dazu geführt, dass Raffinerien an der amerikanischen Ostküste aus Sicherheitsgründen ihren Betrieb unterbrechen mussten. „Dies hat den Bedarf an Rohöl im Osten Amerikas deutlich gesenkt“, sagt Analyst Rücker, „und führt sogar in Europa zu fallenden Brent-Preisen.“

Bereits am vergangenen Freitag waren die Ölpreise stark gesunken, nachdem die amerikanische Regierung ausländischen Tankerlieferungen mit Benzin an die Ostküste der Vereinigten Staaten zugestimmt hatte. In vielen amerikanischen Städten, die von dem Wirbelsturm betroffen sind, müssen die Menschen stundenlang auf Benzinlieferungen an den Tankstellen warten. Der etwas stärkere Dollarkurs gegenüber dem Euro führt ebenfalls dazu, dass die Ölpreise nachgeben, „denn global gehandelte Rohstoffe gleichen lokale Währungsschwankungen aus“, sagt Analyst Rücker.

Die sinkenden Notierungen für Öl an den Rohstoffbörsen führen für Verbraucher hierzulande zu niedrigeren Energiekosten, etwa für Benzin und Heizöl. Dabei waren die Kraftstoffpreise in Deutschland in den vergangenen Monaten auf Rekordwerte geklettert. Der Atomstreit zwischen dem Westen und dem ölreichen Iran war eine Ursache. Hinzu kamen Lieferausfälle in der Nordsee. Sie trugen dazu bei, dass der Brentpreis trotz wachsender Konjunktursorgen auf der Welt zulegte und das Tanken teurer machte. Die hohen Preise für die Verbraucher hatten im Herbst nicht nur in Ländern wie den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa die Debatte um eine Freigabe der strategischen Ölreserven angeheizt.

Das zusätzliche Angebot auf dem Markt sollte den Rohstoff verbilligen, so die Idee einiger Regierungen. Von solchen Vorschlägen ist mittlerweile jedoch keine Rede mehr. Das Agieren der Anleger an den Rohstoffbörsen hat ebenfalls einen Einfluss auf die Preise. Daten der amerikanischen Terminmarktaufsicht CFTC zeigen, dass spekulativ orientierte Anleger am Ölmarkt ihre Wetten auf steigende Ölpreise (Netto-Long-Positionen) so stark zurückgefahren haben wie seit fünf Monaten nicht mehr, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. So wurden die Netto-Long-Positionen in der Woche bis zum 30. Oktober um 11 Prozent reduziert.

Neuere Daten zum Verhalten dieser Anleger sind noch nicht verfügbar. Nun warten Investoren ab, wie sich die Amerikaner in der Präsidentenwahl am Dienstag entscheiden werden. Das Land ist der größte Ölverbraucher auf der Welt. Die Rohstoffanalysten der Commerzbank schreiben in einem Marktbericht, dass die Rohstoffmärkte in diesen Tagen nicht nur im Zeichen der Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten stehen, sondern die Anleger auch einen Blick auf den 18. Kongress der Kommunistischen Partei Chinas am Donnerstag haben. „Wir erwarten eher positive Impulse“, schreiben die Analysten.

„Auch wenn Obama von den Rohstoffmärkten offensichtlich favorisiert wird, insbesondere wegen seiner Unterstützung für Ben Bernanke und die expansive Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed, dürfte die Enttäuschung auch im Falle eines Sieges von Romney nur kurzfristig sein.“ Die Unsicherheit sollte sich „auch in diesem Fall legen und der Konsum wieder mittelfristig zunehmen“. Laut Commerzbank sei von der neuen Spitze in China mit weiteren Stützungsmaßnahmen, die Rohstoffen zugutekommen werden, zu rechnen.

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