11.01.2010 · Konjunkturoptimismus und der Einfluss von Investoren heben den Ölpreis über die Marke von 83 Dollar. Das macht auch Heizöl teurer.
Von Tim HöfinghoffDie Aussicht auf eine verbesserte Wirtschaftslage sowie optimistisch gestimmte Investoren haben den Rohölpreis am Montag auf ein 15-Monats-Hoch gehoben. Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete bis zu 83,95 Dollar je Barrel (159 Liter). Auch Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 1 Prozent auf 82,45 Dollar.
Hintergrund des Anstiegs sind unter anderem optimistische Konjunkturdaten aus China sowie der schwache Dollar. Sinkt der Wert der amerikanischen Währung, investieren Anleger gerne in Rohstoffe, um sich gegen Inflation abzusichern. Hinzu kommt das kalte Wetter, das in den Vereinigten Staaten und in Europa dafür sorgt, dass der Heizölverbrauch hoch bleibt. Wegen der Wirtschaftskrise war der Bedarf an Öl im vergangenen Jahr deutlich gesunken; das führte dazu, dass die Preise sanken. Öl kostete Anfang 2009 nur rund 40 Dollar je Barrel. Doch dann stieg der Preis wieder schnell. Zwar kostet Öl noch nicht wieder 147 Dollar wie noch im Sommer 2008, doch der Ölpreis hat sich mittlerweile verdoppelt.
Investorengelder wichtiger Preistreiber
Zwar argumentieren viele Analysten mit dem Wetter, wenn es um den Ölpreisanstieg geht. Doch nach Einschätzung des unabhängigen Ölexperten Steffen Bukold von Energycomment ist primär das starke Engagement von Investoren für die Erhöhung verantwortlich. „Derzeit wird mit netto 441 Millionen Barrel spekulativ auf steigende Ölpreise gewettet, das sind 93 Millionen mehr als vor vier Wochen“, schreibt Bukold in einer Studie. Fachleute wie Bukold argumentieren, dass das billige Geld, das Notenbanken wegen der Finanzkrise zur Verfügung gestellt haben, nicht nur die Aktienkurse antreibe, sondern auch verstärkt in Rohstoffmärkte investiert werde.
Auch die Rohstoffanalysten der Commerzbank erklären, dass „Finanzmarktteilnehmer den Ölpreis weiter nach oben treiben“. Zwar hätten positive Konjunkturdaten aus China für mehr Zuversicht unter den Investoren gesorgt. Auch sind Chinas Rohölimporte im Dezember erstmals über die Marke von fünf Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Das entspricht einem Anstieg um 20 Prozent gegenüber dem Vormonat. Doch die Commerzbank-Fachleute sagen auch, dass die chinesischen Exporte von Ölprodukten wie Benzin und Diesel stark angestiegen seien. China importiere mehr Öl, als es benötige. Dies deute darauf hin, dass der Ölpreisanstieg übertrieben sei. Die Handelspositionen der spekulativen Anleger hätten kräftig zugelegt.
Mit Blick auf die Verfassung der Weltökonomie urteilt Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), dass der Ölpreis eigentlich eine Verschnaufpause einlegen müsste: „Die Verdoppelung des Ölpreises in den vergangenen zwölf Monaten ist erstaunlich“, sagt Schallenberger. „Die Entwicklung der Weltwirtschaft rechtfertigt diesen hohen Preis nicht.“
Heizölpreis in vier Wochen um 11 Prozent gestiegen
Für Heizölkunden ist dies nur ein schwacher Trost. Denn sie müssen deutlich mehr für Heizöl zahlen, während die Temperaturen weiterhin niedrig sind. Der Heizölpreis ist wegen der Ölpreisbindung von der Entwicklung des Rohölpreises abhängig. Und in Zeiten niedriger Temperaturen haben viele Heizölkunden ihre Tankvorräte schneller leeren müssen, als sie erwartet hatten. Nun müssen sie Heizöl nachkaufen.
Der Heizölpreis ist in Deutschland in den vergangenen vier Wochen um 11 Prozent gestiegen, berichtet Heiko Harlapp vom Internetportal Esyoil. „Wir erwarten, dass die Heizölpreise weiter steigen.“ So kostet Heizöl pro 100 Liter bei einer 3000-Liter-Lieferung in Hamburg nach Angaben von Esyoil derzeit 60,10 Euro. In München sind es 62 Euro (siehe Grafik). Harlapp erklärt, dass die Öllager gut gefüllt seien und es keine Versorgungsengpässe gebe, die den hohen Preis rechtfertigen würden.
So bleibt Heizölkunden in Deutschland, nicht nur auf ein milderes Wetter zu hoffen, sondern auch auf einen weiterhin starken Euro gegenüber dem Dollar. Am Montag war der Euro auf ein Drei-Wochen-Hoch zum Dollar geklettert. Das ist positiv für Heizölkunden, denn der Ölpreis wird in Dollar gehandelt. In Deutschland zahlen die Kunden aber ihre Heizölrechnung in Euro. Wenn der Euro gegenüber dem Dollar an Wert gewinnt, wird die Heizölrechnung hierzulande für Kunden niedriger.
Rasante Ölpreisrally
Der Anstieg ist beachtlich: Innerhalb eines Jahres hat der Ölpreis rasant zugelegt. Anfang des vergangene Jahres kostete ein Barrel Öl (159 Liter) nur rund 40 Dollar. Nun sind es mehr als 83 Dollar. Dieser Preisanstieg hat nur wenig mit dem kalten Wetter zu tun. Primär sind es Finanzinvestoren, die die Preise treiben. Notenbanken stellten sehr viel billiges Geld zur Verfügung. Davon kaufen Investoren Aktien. Und sie legen verstärkt Geld in Rohstoffe an. Wenn sich Investoren immer mehr im Ölmarkt engagieren, ist dagegen nichts einzuwenden. Tatsache ist aber, dass die Ölpreisentwicklung kaum noch etwas mit den klassischen Fundamentaldaten zu tun hat. Zumal Öl genug vorhanden ist. Und die Weltwirtschaft hat noch längst nicht ein Niveau erreicht, das einen solch hohen Ölpreis rechtfertigt - auch wenn viele Konjunkturdaten zuletzt erfreulich waren. Das Problem der Ölpreisrally ist: Treiben die Investoren die Ölpreise weiter in die Höhe, steigt auch die Gefahr, dass sie bald umso stärker fallen. Zudem gefährden die hohen Preise den weiteren Wirtschaftsaufschwung. Die sinkenden Ölpreise hatten zuvor wie ein perfektes Konjunkturprogramm gewirkt. Nun ächzen Verbraucher wieder über steigende Heizölpreise.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |