Home
http://www.faz.net/-gvz-wzr9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energie Ölmarkt von Krisenkonferenz unbeeindruckt

23.06.2008 ·  In Nigeria ist die Ölproduktion gesunken, das kompensiert die saudische Produktionsausweitung. Der amerikanische Kongress will nun gegen Spekulanten vorgehen. Die allerdings ziehen sich immer stärker zurück und haben deshalb immer weniger Einfluss auf den Ölpreis.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Beschlüsse auf der saudischen Ölkonferenz in Dschidda sind nahezu spurlos am Ölmarkt vorbeigegangen. Zu Wochenbeginn notierte der Ölpreis an den Weltmärkten leicht stärker bei 136 bis 137 Dollar je Barrel. Enttäuschend kommentierten Marktteilnehmer die Konferenz, auf der Saudi-Arabien als einziger Staat der Öl exportierenden Länder (OPEC) seine bereits zuvor angekündigte Produktionserhöhung im Juli um 200.000 Barrel am Tag auf 9,7 Millionen Barrel am Tag bestätigte, jedoch kein anderes Land Produktionserhöhungen bekannt gab. Zwar kündigte Saudi-Arabien an, wenn es der langfristige Nachfrageschub am Markt rechtfertige, könne das Land seine Produktion mit mehr Investitionen auf 15 Millionen Barrel am Tag erhöhen. Vom brasilianischen Ölkonzern Petrobas war unterdessen zu hören, die Produktion des neuen Carioca Ölfeldes könne bereits in 5 bis 6 Jahren aufgenommen werden.

Langfristig reduziert dies zwar die Gefahr, dass die Reserven nicht ausreichend sein könnten, um einen höheren weltweiten Ölverbrauch zu befriedigen. Aber kurzfristig zeigte sich der Markt unbeeindruckt: In Nigeria, dem größten Ölproduzenten Afrikas, ist die Produktion auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gefallen. Nachdem vergangene Woche Shell‘s Bonga-Ölfeld in Nigeria geschlossen und eine Pipeline von Chevron stillgelegt werden musste, geht allein durch diese Zwischenfälle eine Tagesproduktion von 300.000 Barrel am Tag verloren – mehr als Saudi Arabien dem Markt durch seine angekündigte Mehrproduktion zufließen lässt.

„Jo-Jo-Effekt“ erwartet

An den Energiemärkten wurde die Konferenz in Dschidda als Zeichen gewertet, dass selbst Saudi-Arabien wenig am derzeit hohen Ölpreis ändern könne. Der Präsident der OPEC, Chakib Khelil, betonte am Montag, er erwarte zwar nicht, dass der Ölpreis schnell durch die Marke von 200 Dollar je Barrel schießen würde. Aber bis Ende des Jahres werde der Ölpreis sicherlich in einem „Jo-Jo-Effekt“ auf dem jetzigen Niveau verharren. Dies liege auch an dem schwachen Dollar, der erwarteten Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und Spekulanten.

An den Finanzmärkten ist indessen umstritten, welche Auswirkungen die angeblichen Spekulationen haben. Rund 70 Prozent aller Geschäfte mit der Sorte „West Texas Intermediate“ (WTO) werden inzwischen von Investmentbanken, Pensionsfonds und Hedge-Fonds durchgeführt, die das Öl-Engagement nur als Teil ihrer Investitionsstrategie sehen. Zu dieser Einschätzung kommen die Fachleute eines Ausschusses im amerikanischen Repräsentantenhaus in einer Analyse des Geschehens an der New York Mercantile Exchange. Im Jahr 2000 sollen Spekulanten demnach nur an rund 37 Prozent der Terminmarkttransaktionen mit Öl in New York beteiligt gewesen sein.

Handel mit Terminkontrakten auf Rohstoffe überdenken

Im amerikanischen Kongress werden in den kommenden Wochen verschiedene Gesetzesinitiativen diskutiert, die den Handel mit Terminkontrakten auf Öl und andere Rohstoffe einschränken würden. Ein Plan im Senat sieht vor, institutionellen Investoren das Geschäft mit Rohstoffen an den Terminbörsen insgesamt zu verbieten.

Die Commodity Futures Trading Commission, die den Warenterminhandel beaufsichtigt, hat jüngst mit der Sammlung zusätzlicher Daten über den unregulierten Teil des Ölhandels begonnen. Die amerikanische Commodity Futures and Trading Commission hat allerdings auch bekanntgegeben, dass die Netto-Long Position New Yorker Ölkontrakte in der Woche vom 17. Juni auf den niedrigsten Stand seit 16 Monaten gefallen und damit 90 Prozent niedriger ist als im Juli 2007, bevor der Ölpreis seinen rasanten Anstieg begann. Nur eine hohe Netto-Long Position könnte für einen Preisanstieg verantwortlich sein. Dies ist derzeit aber gerade nicht der Fall, weil sich die Käufer auf der Spekulationsseite seit Monaten sogar mehr und mehr vom Markt zurückziehen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach