15.09.2006 · Mitte Juli kostete das Barrel Öl fast 80 Dollar, jetzt sind es weniger als 63. Die Ölnachfrage steigt nicht so schnell wie erwartet, außerdem bleiben heftige Wirbelstürme aus. Der langfristige und sehr stabile Aufwärtstrend ist gebrochen.
Erinnern Sie sich? Am 14. Juli kostete das Barrel amerikanisches Leichtöl in New York 78,40 Dollar, so viel wie nie zuvor. Am Freitag fiel der Kurs das erste Mal seit März unter 63 Dollar. Die Gründe für den sinkenden Preis sind eigentlich die alten: Heftige Wirbelstürme sind bislang ausgeblieben, der politische Streit mit Iran scheint sich zu entspannen.
Dazu kamen am Freitag Meldungen über recht hohe Lagerbestände und Anzeichen, daß der Konsum sinken könnte. Die OPEC, die etwa 40 Prozent des weltweiten Ölbedarfs deckt, senkte am Freitag ihre Prognose für die Nachfrage im vierten Quartal und Gesamtjahr.
Ölverbrauch wächst langsamer als erwartet
Vor wenigen Tagen erst meldete die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jüngsten Ölmarktbericht, daß der weltweite Ölverbrauch langsamer wächst als erwartet. Wegen einer nachlassenden Dynamik des Wachstums in den Vereinigte Staaten und Mexiko wird die weltweite Ölnachfrage im laufenden Jahr der IEA zufolge nur um 1,3 statt um 1,4 Prozent auf 84,7 Millionen Faß pro Tag zunehmen. Für 2007 senkte die Agentur die Wachstumsprognose von 1,9 auf 1,8 Prozent.
Die weltweite Ölproduktion fiel im August wegen Rückgängen in der Nordsee, im Iran und in Saudi-Arabien um 400.000 Faß auf 85,8 Millionen Faß pro Tag. Davon stellte die OPEC 30 Millionen. Am Montag hatte die OPEC beschlossen, ihre offiziell bei 28 Millionen Faß liegende Ölförderung trotz des Preisrückgangs beizubehalten.
Trendlinie gerissen
Charttechnisch orientierte Anleger konnten sich in den vergangenen Wochen trotz der rapide sinkenden Preise einigermaßen entspannt zurücklehnen: Der stabile Aufwärtstrend, der sich in den vergangenen Jahren etabliert hat, war nach wie vor intakt.
Genau das aber ist jetzt nicht mehr der Fall. Die Trendlinie ist gerissen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für weiter sinkende Preise. Weil sowohl Charttechnik als auch Fundamentaldaten gleichzeitig auf fallende Kurse hinweisen, scheint die Richtung des Ölpreises in den kommenden Tagen erst einmal klar zu sein: Es geht nach Süden.
Hurrikansaison noch nicht beendet
Gut möglich, daß sich der Ölpreis erst wieder auf dem Niveau des zweiten recht stabilen, aber weniger steil verlaufenden Aufwärtstrends fängt (siehe Grafik). Das gilt jedoch nur für den Fall, daß von der Fundamentalseite keine Nachrichten kommen, die den Preis wieder steigen lassen.
Verschärft sich der Konflikt mit Iran wieder, werden die Kurse abermals nach oben zeigen. Außerdem ist die Hurrikansaison noch nicht vorbei - sie dauert bis November. Darum sollten sich charttechnisch orientierte Anleger auch nicht wundern, wenn Nachrichten von der Fundamentalseite den Ölpreis schnell wieder über die Trendlinie hieven. Die steile, versteht sich.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17 % |
| Silber | 28,10 $ | +1,52 % |
| Platin | 1.412,00 $ | −0,07 % |
| Palladium | 610,00 $ | +2,35 % |
| Rohöl Brent Crude | 99,95 $ | −1,64 % |
| Gas | 0,53 £ | −1,98 % |
| Kaffee | 1,61 $ | −1,89 % |
| Zucker | 0,19 $ | −0,05 % |
| Orangensaft | 1,11 $ | +1,42 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |