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Energie Iran-Krise könnte Ölpreis noch höher treiben

Die vom Iran verkündete Entscheidung, Frankreich und Großbritannien nicht mehr zu beliefern, ist faktisch ohne Belang. Doch die sich verschärfende Krise könnte den Ölpreis über die jüngsten Rekordstände weiter hochtreiben.

© dpa Vergrößern Kein Öl mehr aus Iran nach Nordwesteuropa? Das war schon lange so.

Am Montag ist der Iran seinen Boykotteuren zuvorgekommen. Nach eigenen Angaben hat das Land seine Öllieferungen nach Frankreich und Großbritannien eingestellt - noch bevor das Embargo zum 1. Juli in Kraft tritt, das die Europäische Union zu Beginn des Jahres aufgrund des umstrittenen Atomprogramms gegen Iran verhängt hat.

Der Ölpreis in Asien stieg mit fast 105 Dollar pro Barrel WTI auf den höchsten Stand seit neun Monaten. In Singapur legte der Benchmark-Preis um 1,75 auf 104,99 Dollar zu. Die Sorte Brent wurde in London 1,52 Dollar höher mit 121,10 Dollar gehandelt.

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Längst schon kein Öl mehr

Dabei habe die Entscheidung aus Teheran, Frankreich und Großbritannien nicht mehr zu beliefern, an der Situation faktisch gar nichts geändert, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Beide Länder hätten schon kein Öl mehr aus dem Iran importiert. Höchstens große Ölgesellschaften, die in Frankreich und England ansässig sind, könnten eventuell kleine Anspannungen gespürt haben. „Davon abgesehen sollte es den Markt kaum physisch beschäftigen.“

Infografik Chart WTI 200212 © FAZ Vergrößern WTI verteuert sich zusehends

Die Lage am Ölmarkt sei aber generell angespannt, vor allem mit Blick auf den 1. Juli und die Folgen der Sanktionen gegen den Iran für die europäische Ölversorgung. Der Ölpreis in Europa liege mit gegenwärtig 121 Euro je Barrel nahe dem Hoch von 2008 und damit fast auf einen Allzeithoch. Zusammen mit dem schwachen Euro ergebe sich ein doppelt negativer Effekt. Die Situation könne sich noch mehr zuspitzen, wenn sich Japan und die stark wachsenden Schwellenländer China, Korea und Indien, die traditionell Öl aus Iran nachfragen, ebenfalls zu einem Boykott entschließen sollten.

Sorgen um die Straße von Hormus

Noch bestünden viele Unklarheiten, woher man das Öl in Zukunft beziehen werde. Unter den OPEC-Ländern könne Europa höchstens von Saudi-Arabien erwarten, dass es mehr Öl in europäische Länder exportiert. Die Frage sei aber, ob Saudi-Arabien seine Ölproduktion in ausreichendem Maße ausweiten und so die Lücke schließen könne.

Infografik Chart Brent 200212 © FAZ Vergrößern Auch Brent steigt im Preis

Besonders dramatisch wäre es laut Weinberg, wenn Iran seine Drohung wahr machen und als Reaktion auf das Ölembargo die strategisch wichtige Wasserstraße von Hormus blockieren würde. Über diesen Weg wird ein großer Teil der Öllieferungen aus dem Nahen Osten verschifft. Durch die Meerenge werden täglich rund 17 Millionen Barrel Öl transportiert, etwa ein Drittel der weltweiten Exporte. Eine Blockade könnte so auch außereuropäische Länder gravierend in Mitleidenschaft ziehen.

Euro-Krisenländer in der Bredouille

Der Boykott könnte zudem die ökonomische Situation der europäischen Krisenländer weiter verschlechtern. Denn Hauptabnehmer von iranischem Öl sind Weinberg zufolge südeuropäische Länder wie Spanien und Griechenland, das ein Drittel seines Ölbedarfs mit Lieferungen aus dem Iran decke.

Auch die Autofahrer müssen sich nach Meinung von Weinberg weiter auf hohe Preise an den Zapfsäulen einstellen: „Nicht nur durch den hohen Euro, auch durch die relativ schwache Währung kommt eine starke Belastung auf die europäischen Autofahrer zu.“

Ein Teil der Erwartung sei zwar schon eingepreist, aber noch lange nicht alles, erwartet Weinberg: „Ich kann mir vorstellen, dass wir hier noch einige Überraschungen erleben und dass sich die Preise und die Lage stärker anspannen werden, als man es gegenwärtig glaubt.“

Quelle: FAZ

 
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