05.10.2006 · Hedge Fonds und andere Anleger könnten zum Auftrieb der Ölpreise beigetragen haben. Nun tragen sie auch zu ihrem Rückgang bei - und das schnell.
Von Christopher PalmeriSeit die Energiepreise vor vier Jahren ihren steilen Anstieg begannen, wurde immer wieder eine Frage diskutiert: Hat das Geld, das von Seiten der Investmentfonds, Händler, Hegde Fonds und anderen Finanzmarktteilnehmern in das Ölgeschäft floß, die Preise in die Höhe getrieben, die von den Verbrauchern für das Heizen ihrer Häuser und das Auffüllen ihrer Fahrzeugtanks zu zahlen waren? Steckt hinter dem drastischen Auftrieb der Energiepreise anlagewilliges Geld?
Wenn dem so war, so hat das anlagewillige Geld inzwischen an Energie verloren und es scheint offensichtlich, daß es den Preisen auf dem Weg nach unten ebenso viel Volatilität verleiht wie zuvor auf dem Weg nach oben. Ohne größere Änderungen in Angebot oder Nachfrage ist der Ölpreis ins Trudeln geraten und am 3. Oktober unter 59 Dollar gefallen. Das sind 25 Prozent weniger als bei seinem Höchststand von 78 Dollar im Juli.
Salto abwärts
Die Erdgaspreise sind noch drastischer gefallen, von 15 Dollar je eine Million BTU (British Terminal Unit, entspricht 1.055 Joule) im letzten Dezember auf 5,80 Dollar - ein Absturz, der vermutlich den sechs Milliarden Dollar schweren Zusammenbruch des Hedge Fonds Amaranth Advisors auslöste.
Hinter den Preisrückgängen steht eine deutliche Verringerung der Mittel, die in Energie investiert werden. Die Menge an neuen Geldern, die in die von Morningstar beobachteten 48 Rohstoffonds geflossen sind, verringerte sich im August auf nur zwölf Millionen Dollar, gegenüber 1,6 Milliarden Dollar im gleichen Monat 2005. Der Pimco Commodity Real Asset Fonds, dessen Vermögen seit Auflegung im Jahre 2002 auf zwölf Milliarden Dollar angewachsen war, hat in diesem Jahr lediglich 100 Millionen Dollar eingenommen.
„Es findet ein großer Exodus des Geldes statt,“ erklärt Peter Fusaro, Gründer des Energy Hedge Fund Center, einer Energiehandels-Informationswebsite zur Verfolgung von Hedge Fonds. „Viele Investoren haben Gewinne mitgenommen und halten nun ihre Mittel zurück.“
Energielastigkeit wird zur Belastung
Die Energiepreise sind so schnell gefallen, daß sich die OPEC-Mitgliedsländer zum Handeln entschlossen. Im September erklärten Nigeria und Venezuela, sie würden freiwillig die Produktion drosseln in der Hoffnung, dadurch die Preise zu stützen. Edmund Daukoru, OPEC-President und nigerianischer Erdölminister, rief andere OPEC-Länder auf, sich dieser Maßnahme anzuschließen.
Dies ist insgesamt gesehen eine dramatische Kehrtwendung gegenüber den letzten Jahren, als das Geld nur so in Energieanlagen strömte. Der in Chicago ansässige Fondstracker Hedge Fund Research zählt inzwischen 68 Hedge Fonds, die sich ausschließlich auf Energie spezialisiert haben; im Jahre 2000 waren es erst 14. In dieser Zahl sind die vielen Fonds - wie etwa Amaranth - nicht enthalten, die nur einen Teil ihrer Mittel in Öl und Gas investieren.
Ebenfalls nicht mitgerechnet sind die 100 Milliarden Dollar in Fonds, die passiv Rohstoffindizes nachbilden. „Von jedem Dollar, der in den Goldman Sachs Commodity Index fließt, gehen 70 Cents in Energie,“ meint Sol Waxman, der für die Finanzberatungsgesellschaft der Barclay Group Hedge-Fonds verfolgt. „Wirkt sich das auf den Preis aus? Ich würde es vermuten.“
Reizvolle Geschäfte
Bestätigt wird dies auch durch Ergebnisse von Wall Street Research. In einem Bericht der Citigroup vom 20. September stellte Analyst Doug Leggate fest, daß vor kurzem mehr als die Hälfte der Energie-Terminkontrakte, die an der Nymex gehandelt wurden, auf Privatanleger, Fonds und andere Finanzinvestoren entfiel; das entspricht einer Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Jahr 2000.
Allein in den letzten drei Jahren schoß die durchschnittliche Anzahl der an der Rohstoffbörse eröffneten Rohöl-Futures und Optionskontrakte von 600.000 auf zwei Millionen nach oben. Nach Leggates Recherchen korrelierte der steigende Ölpreis zu 94 Prozent mit dem Anstieg des Handelsvolumens. „Wir haben einen mathematischen Weg gefunden, die Bewegung der Energiepreise zu erklären,“ sagt Leggate. „Fonds und Open Interest waren sehr wichtige Einflußfaktoren. Nun stellt sich die Frage: „Ist das von Dauer oder wird es sich wieder umkehren?“
Rohstoffblase prognostiziert
Brian Dell, Energieanalyst im Brokerhaus Sanford C. Bernstein, nimmt an, daß das in Energie-Futures geflossene Geld durchaus eine der Ursachen für den Preisrückgang der letzten Zeit gewesen sein könnte. In einem Bericht vom Juli hatte Dell vorhergesagt, daß der Einfluß der Fonds zu einer Rohstoffblase führen würde. Dell zog den Schluß, daß die Fonds durch Investition solch großer Beträge in Future-Kontrakte die zukünftigen Preise der Rohstoffe in die Höhe trieben.
Das wiederum veranlaßte Versorger, Raffinerien und andere Marktteilnehmer aus der Industrie, noch mehr Rohöl, Erdgas und Benzin auf Lager zu nehmen. Als der letzte Winter milder verlief als erwartet und keine großen Hurrikane die Lieferungen versiegen ließen, blieb die Industrie auf höheren Mengen sitzen als benötigt und das führte zu dem derzeitigen Preisverfall.
Heftige Ausschläge
Der Rückgang der Preise wird voraussichtlich den bisher lebhaften Markt für Fusionen und Übernahmen von Ölgesellschaften dämpfen. Nach Angaben von Thomson Financial wurden in diesem Jahr bisher Fusionen und Übernahmen im Wert von mehr als 350 Milliarden Dollar bekannt gegeben, über 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Sie reichen von dem 22 Milliarden Dollar schweren Buyout von Kinder Morgan über den Zusammenschluß von Western Refining und Giant Industries bis zum Doppelangebot von Andarko Petroleum für Kerr-McGee und Western Gas Resources. Auch das in San Antonio ansässige Raffinerieunternehmen Valero Energy und der russische Konzern Lukoil haben sich umgesehen.
Letztlich könnten Öl- und Gaserzeuger ihre Ausgaben für Bohrungen kürzen und davon wären viele Unternehmen betroffen, die Bohrausrüstungen und Ölfeld-Serviceleistungen anbieten. „Unsere Projekte werden in einem Zeitrahmen von drei Jahren entwickelt und durchgeführt,“ erläutert Brian Jennings, Finanzchef des großen Öl- und Gaserzeugers Devon Energy. „Wenn Sie sich diese heftigen Ausschläge bei den Erdgaspreisen ansehen, dann ist das für das Budgetverfahren wirklich schwierig.“
Wie weit könnten die Ölpreise sinken? Trotz des Preisrückgangs der letzten Zeit, besteht unter den Wall Street Analysten Konsens, daß Öl im vierten Quartal dieses Jahres immer noch durchschnittlich 65 Dollar pro Barrel kosten wird, bevor es im nächsten Jahr auf 62 Dollar fällt. Diese Schätzungen könnten rasch nach unten korrigiert werden, sollten die Preise noch weiter rutschen. „Wenn erst einmal eine Menge Geld abgezogen wird, könnte es recht unangenehm werden,“ meint Dell. „Wir könnten Rohöl noch unter der Marke von 40 Dollar erleben.“ Gute Nachrichten für Autofahrer, schlechte Nachrichten für Energie-Anleger.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |