31.05.2010 · Der Run auf physisches Edelmetall hält an. Einige Edelmetallhändler sind ausverkauft, vor allem gängige Münzen und kleine Barren sind nur noch schwer erhältlich. Neue Angebotsideen versprechen Abhilfe bei Beschaffungs- und Lagerproblemen.
Von Martin HockInflation und wie man sich davor schützt, ist ein Thema, das Anleger weltweit angesichts der massiven Liquiditätsspritzen der Notenbanken im Zuge der Finanzkrise verstärkt umtreibt. Hinzu kommen die Sorgen, dass auch Staatsanleihen mit Blick auf die ausufernde Staatsverschuldung nicht mehr so sicher sein könnten, wie man einst dachte.
Das treibt viel Anleger nicht zuletzt in die als wertbeständig geltenden Edelmetalle. Doch das Investieren ist nicht ohne Schwierigkeit, vor allem dann nicht, wenn Anleger auch gegenüber der Stabilität von Finanzprodukten wie Investmentfonds oder Zertifikaten und deren Emittenten hegen und ihr Vermögen gerne zum Anfassen hätten.
Welche Barren, welche Händler, welche Gütesiegel?
Das hat dazu geführt, dass das Angebot vieler der zahlreichen Internetanbieter drastisch geschrumpft ist. Besonders Barren mit kleinen Gewichten sind kaum noch erhältlich. Für ein systematisches Investieren in physisches Gold eignet sich diese Art des Erwerbs aber ohnehin nur bedingt. Zwar lässt sich ein 3 mal 2 Zentimeter großer 10-Gramm-Goldbarren mit einem Preis von derzeit rund 350 Euro bequem im heimischen Tresor oder einem Bankschließfach deponieren.
Allerdings liegt zwischen An- und Verkaufspreisen der Händler vor allem bei kleinen Barren und Münzen eine spürbare Spanne, die erst einmal verdient sein will. Wer sich auf den einschlägigen Internetseiten umtut, ist zudem bald verwirrt durch Warnungen vor bestimmten Händlern oder Barrensorten.
Hinzu kommen wertmindernde Faktoren. Das beginnt bei hohen Versicherungskosten für die private Lagerung und geht weiter damit, dass der Wiederverkaufswert von privat gelagertem Gold und Silber niedriger sein kann. Denn nur wenn die Barren das Gütesiegel „Good delivery“ haben, haben sie mit Sicherheit den höchsten Handelswert. Dieses Siegel soll garantieren, dass die aufgeprägten oder eingestanzten Merkmale wie Feinheit und Gewicht zutreffen. Dazu gehört, dass die Barren ständig und ununterbrochen in akzeptierten Lagerräumen aufbewahrt wurden. Dazu gehören private Tresore und Bankschließfächer nicht.
Doch hier wartet schon die nächste Falle. So hat „Emirates Gold“ zwar den Status „Dubai Good Delivery“ inne, jedoch nicht das gleichnamige Siegel der London Bullion Market Association (LBMA), der als das höchste Gütesiegel gilt.
Online kaufen, in London lagern
Zwar verliert ein Barren, der nicht der „London Good Delivery“ entspricht, an sich nicht an Wert, sagt Alex Preukschat, Sprecher von Goldmoney. Das Unternehmen bietet seit 2003 den Handel und die zertifizierte Lagerung von Edelmetallen an. „Allerdings müssen Barren, die von Anlegern wieder in den offiziellen Kreislauf eingebracht werden, überprüft werden. Für diese Prüfung entstehen normalerweise Kosten in Höhe von etwa 500 bis 1.000 Dollar“, so Preukschat.
Anders als viele Edelmetallhändler verkauft Goldmoney nicht handelsübliche Münzen und Barren, sondern via Internet-Plattform auch kleinste Mengen Gold, Silber und Platin. Diese gehen ins Eigentum des Kunden über. Ausreichende Mengen können als persönliches Eigentum registriert und auf Wunsch auch ausgeliefert werden.
Dabei bietet Goldmoney die Auslieferung von Gold schon in kleinen Mengen ab 100 Gramm an, wobei aber eine Herstellungskostengebühr von rund 4 Prozent erhoben wird. Silber und Platin gibt es dagegen nur in Standard-Liefergrößen. Ein Silberbarren von 1.000 Unzen im Wert von knapp 15.000 Euro wird aber auch nur dann ausgeliefert, wenn der Kunde mindestens eine Palette von 30.000 Unzen besitzt, die bald eine halbe Million Euro wert ist. Platin ist es ein Barren von mehr als 5 Kilogramm mit einem Wert von mehr als 200.000 Euro. Ob eine physische Auslieferung daher lohnenswert ist, scheint fraglich.
Traden mit Goldbarren
Grundsätzlich nicht gewünscht wird die vom Anbieter Bullionvault. Dabei handelt es sich um eine Echtzeit-Handelsplattform für physisches Gold und Silber, das in den Tresoren des Unternehmens lagert.
Die Auslieferung von Silber und Platin hat gegenüber Gold zudem einen weiteren Nachteil. Diese beiden Edelmetalle sind mehrwertsteuerpflichtig. Diese fällt allerdings nicht an, solange die Barren in den Tresoren der beiden britischen Händler verbleiben, sondern wird erst bei Auslieferung fällig. Deutsche bzw. Schweizer Edelmetallhändler wie Taurus oder Pro Aurum nutzen dazu in der Regel die Konstruktion eines Schweizer Zollfreilagers. Indes sind die Mindestwerte für die Einlagerung häufig sehr hoch.
ETCs mit virtuellem Eigentum
Als bequemer Weg zum physischen Investment gelten in Deutschland auch die sogenannten Exchange Traded Commodities (ETC), die rechtlich allerdings besicherte Anleihen darstellen. Damit hat der Anleger sozusagen nur virtuellen Zugriff auf das Edelmetall und erhält im Ernstfall nur den Geldwert. Der mit Abstand größte Anbieter ETF Securities, hinterlegt liquide Wertpapiere, auf die der Anleger im Insolvenzfalle der Gesellschaft Zugriff erhält.
Die Deutsche Bank hat ihre physischen ETCs (darunter auch solche auf Öl und Industriemetalle) zwar mit Gold besichert, aber im Falle der Zahlungsunfähigkeit steht auch nur dessen Gegenwert zur Abfindung zur Verfügung. Im Fall einer großen Währungskrise, in der niemand mehr mit Papiergeld zahlt, hilft dies alles nichts, und auch beim Verkauf der Papiere gibt es nur Papiergeld.
Demgegenüber sind die Edelmetalle bei Goldmoney und Bullionvault direktes Eigentum des Kunden. Goldmoney hält nach eigenem Bekunden einen Edelmetallbestand von 110 Prozent der geführten Depots. Allerdings nutzt das physische Eigentum Kleinanlegern im Insolvenzfall auch nur bedingt. Denn dann kann nur geliefert werden, was physisch vorhanden ist und das sind Standardbarren.
Größenvorteile mit geschlossenem Fonds
Eine andere Alternative bietet das Emissionshaus Solit Kapital. Diese hat nun einen zweiten geschlossenen, vermögensverwaltenden Gold- und Silberfonds aufgelegt. Durch diese Konstruktion seien die Anleger als Kommanditisten der Gesellschaft unmittelbare Eigentümer des Fondsvermögens. Im Unterschied zu herkömmlichen geschlossenen Fonds ist der Austritt aus der auf 25 Jahre angelegten Gesellschaft aber monatlich möglich, nach drei Jahren Anlagedauer sogar gebührenfrei. „Zudem realisieren wir im Einkauf Größenvorteile von bis zu 12 Prozent bei Gold und bis zu 40 Prozent bei Silber“, wirbt Robert Vitye vom Emissionshaus für die Vorzüge der Konstruktion.
Die Auszahlung kann bei Austritt auch physisch erfolgen, allerdings nur ab 1 Kilogramm Gold bzw. 5 Kilogramm Silber. Das sind zwar weniger als 3000 Euro Anlagesumme in Silber, allerdings auch schon wieder mehr als 30.000 Euro in Gold. Die Mindestanlagesumme beträgt 5000 Euro, wobei dafür auch ein Sparplan abgeschlossen werden kann.
Es ist nicht einfach, physisch in Edelmetalle zu investieren, vor allem dann, wenn es sich um Gold handelt, wo Barren von 100 Gramm schon mehr als 3000 Euro kosten. Unmöglich ist es aber nicht. Wege finden sich, wobei die Vor- und Nachteile der Anbieter gut abgewogen sein wollen. So ist Bullionvault besonders geeignet für diejenigen, die vor allem mit Edelmetallen handeln wollen. Langfristige Investoren sind beim Edelmetallhändler bisweilen ebenso gut aufgehoben, während sich die Lösungen von Solit Kapital und Goldmoney vor allem als flexiblere Zwischenlösungen anzubieten scheinen.
Weitere Investmentmöglichkeiten
1. Xetra Gold
Auch Xetra Gold ist eine Schuldverschreibung, wenngleich vom Emittenten zugesagt wird, dass diese jederzeit gegen physisches Gold ab 1-Gramm-Barren einlösbar ist. Es fallen Kosten für Formung, Verpackung und versicherten Transport an. Anleger erwerben damit aber nur Ansprüche und weder Eigentumsrecht bzw. wirtschaftliches Eigentum noch ein Sicherungsrecht. Zudem ist die Emittentin unter bestimmten Umständen zur vorzeitigen Rückzahlung berechtigt.
2. Sparkasse Pforzheim, Goldkonto
Das Goldkonto ist kein Depot, sondern ein Kontokorrentkonto, auf dem Ansprüche aus Kauf und Verkauf sowie aus Ein- und Auslieferung von Gold verbucht werden. Das verbuchte Gold stellt kein Sondervermögen dar und geht damit nur bei Abhebung in Eigentum über. Eine Auslieferung ist nicht möglich, das Gold kann nur abgeholt werden. Dabei fallen Formkosten an. Mindestbarrengröße: 50-Gramm-Barren (rund 1650 Euro). Mindestordergröße: 5000 Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |