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Veröffentlicht: 21.04.2011, 18:15 Uhr

Edelmetalle Silber ist eigentlich reif für eine Korrektur

Auch am Donnerstag setzt sich der rasante Aufschwung beim Silberpreis fort. Die Feinunze kostet inzwischen so viel wie seit 1980 nicht mehr. Doch umso höher die Preise klettern, umso größer wird die kurzfristige Korrekturgefahr.

© Bloomberg

Konkret kostet die Feinunze am Nachmittag 46,08 Dollar. Im Tagesvergleich bedeutet das ein Plus von 2,2 Prozent. Das ist ansehnlich, richtig dick und fett fallen die Gewinne aber beim Blick zurück aus. So wurde Silber im Oktober 2008 lediglich bei gut 9 Dollar je Feinunze gehandelt. Das entspricht bis heute einem Anstieg von 409 Prozent. Selbst gemessen am Januartief von unter 27 Dollar steht derzeit ein beeindruckendes Plus von 71 Prozent zu Buche.

Investierte Anleger wird diese Entwicklung zwar freuen, bei erfahrenen Marktteilnehmern wittern bei solch starken Kursgewinnen in relativ kurzer Zeit aber auch immer automatisch Korrekturgefahren. Selbst der ausgewiesene Silber-Anhänger Thorsten Schulte, der an dieser Stelle im August unter der Überschrift „Neue Hochs beim Silberpreis sind nur eine Frage der Zeit“, den jüngsten Preisanstieg treffend vorausgesagt hat, hebt derzeit warnend den Zeigefinger. „Die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur ist sehr hoch. Einige technische Indikatoren sind inzwischen sehr heiß gelaufen und es haben sich Divergenzen ausgebildet. Ich rate meinen Lesern deshalb, keine höheren Risiken mehr einzugehen“, erläutert der Herausgeber des Silber-Informationsdienstes Silberjunge auf Anfrage.

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Überhitzungssignale mahnen kurzfristig zur Vorsicht

So ist der Relative-StärkeIndex RSI jüngst auf einen Rekordwert gestiegen. Für Charttechniker ist das ein Überhitzungssignal. Zur Vorsicht mahnt auch der Optimismus unter den Gold-Beratern. Dieser wurde zuletzt von Bloomberg auf 77,78 Prozent beziffert. ermittelt. Laut Schulte zeigen hohe Optimistenwerte von über 70 oder 80 Prozent an, dass der Markt in eine Überhitzung eintritt. Nachdenklich stimmt auch der mit rund 70 Prozent mittlerweile sehr hohe Abstand zur 200-Tage-Durchschnittslinie.

Infografik / Silber-Tageschart mit RSI auf Rekordniveau © Bloomberg Vergrößern

Vor diesem Hintergrund reduziert Schulte selbst seine Investitionsquote in riskanten Hebelprodukten antizyklisch weiter von 30 Prozent auf 20 Prozent. Dazu veranlasst ihn unter anderem die aus seiner Sicht deutlich gestiegene Wahrscheinlichkeit einer baldigen Margenerhöhung. Diese Gefahr befürchtet er, weil die für das Halten eines Silber-Futures durch einen Spekulanten notwendige Sicherheitsleistung in Prozent des Marktwertes eines Silber-Futures derzeit nur noch 5,1 Prozent des Marktwertes eines Silber-Kontraktes entspricht.

Trotz dieser Warnsignale kann es natürlich sein, dass sich der jüngste Preisanstieg zunächst noch etwas weiter fortsetzt. Ein exaktes Timing ist hier erfahrungsgemäß sehr schwierig. Jetzt noch auf den fahrenden Zug aufzuspringen empfiehlt sich aber in der Tat nicht mehr. Wer den frühzeitigen Einstieg verpasst hat, sollte besser auf die Korrekturbewegung warten. Denn in eine Schwächeperiode hinein sollte es sich langfristig gesehen weiterhin lohnen, im Silberbereich mitzumischen.

Langfristig bleiben die Kaufargumente intakt

Schließlich sind etliche der Gründe, die den Aufschwung am Silbermarkt bewirkt haben, langfristiger Natur. Zu nennen sind hier die Schuldenprobleme in Amerika, Japan und Europa, die Unruhen im Nahen Osten sowie die auch damit verbundenen allgemeinen Sorgen um den Zustand der Weltkonjunktur. Verunsichert sind viele Anleger aber auch wegen der bestehenden Inflationsgefahren und den Zweifeln um den Fortbestand des Papiergeldsystems. Diese Faktoren zusammen werden vermutlich dazu beitragen, dass die starke Investmentnachfrage anhalten wird. Denn das hat auch damit zu tun, dass eine wachsende Zahl an Markteilnehmern Gold, aber auch Silber, zunehmend als einen Währungsersatz sieht.

Auch Schulte lässt sich in seinem grundsätzlichen Optimismus für Silber trotz der kurzfristigen Korrekturgefahren nicht beirren. Das zeigt sich auch an seiner Entscheidung, seine physischen Bestände, die Positionen in den Edelmetall-ETFs der Zürcher Kantonalbank und den Minenaktien nicht zu reduzieren. Er tut das auch deshalb nicht, weil sonst die Gefahr bestünde, die größten Anstiege zu verpassen, die er in den kommenden 12 Monaten erst noch kommen sieht. Denn wohin er die Reise gehen sieht, machte er erst in der letzten Ausgabe des Silberjungen deutlich: „Wir sind davon überzeugt, dass das Silber auf 100 Dollar bis 2012/13 durchstarten wird“, lautete da seine klare Prognose.

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