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Edelmetalle : Silber im doppelten Abwärtsstrudel

Der Preis für Silber fällt Bild: dapd

Das Edelmetall Silber hat in den letzten Monaten drastisch an Wert verloren. Auch Gold ist weit von seinen einstigen Höchstständen entfernt.

          Noch müssen sich Medaillengewinner in Sportwettbewerben keine Sorgen machen. Zwar sind die Preise für Edelmetalle in den vergangenen 12 Monaten stark gefallen, trotzdem gilt weiterhin: Gold bleibt das wertvollste Edelmetall und Silber ist mehr wert als Bronze, welches zum Großteil aus Kupfer besteht. Der Preisverfall besorgt die Sportler daher noch nicht, aber besonders Anleger werden langsam unruhig.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das sieht man allein schon am Abzug der Anleger aus ihren börsengehandelten Indexprodukten, sogenannten ETF. Seit Anfang Februar fallen diese Bestände dramatisch. Statt 84 Millionen Feinunzen (eine Feinunze entspricht etwa 31,1 Gramm) werden jetzt nur noch 78 Millionen Feinunzen gehalten. Das sind so wenig wie seit August vergangenen Jahres nicht mehr. Insgesamt verzeichneten die vom Finanzdatenanbieter Bloomberg erfassten Gold-ETF im ersten Quartal Abflüsse von 7 Prozent. Noch nie gab es in einem Quartal so hohe Abflüsse, seitdem es diese ETF gibt. Händler begründen das oft mit schwindenden Inflationsängsten – trotz der Ausweitung der Geldpolitik der japanischen Notenbank und den unverändert niedrigen Leitzinsen der Europäischen und amerikanischen Zentralbanken. Außerdem wird auch der relativ stabile Dollarkurs als Grund für den sinkenden Goldpreis genannt. Das in Dollar gehandelte Edelmetall wird dadurch für Anleger aus dem Nicht-Dollar-Raum teurer.

          Zuflüsse verzeichnet dagegen Silber. Die mit Silber hinterlegten ETF gewannen im ersten Quartal etwa gut 800 Tonnen hinzu. Aktuell werden etwa 19700 Tonnen gehalten. Viele Anleger haben offenbar umgeschichtet, da sie Silber mehr Potential zutrauen.

          Während sich die Abflüsse beim Gold im Preis deutlich bemerkbar machen, nützen die Zuflüsse Silber augenscheinlich wenig. Der Goldpreis fällt seit Monaten und notierte zwischenzeitlich unter der für technisch orientierte Anleger wichtigen Marke von 1550 Dollar und damit so niedrig wie seit zehn Monaten nicht mehr. Am Freitag stieg der Preis wieder leicht auf 1565 Dollar. Der Silberpreis fällt dagegen trotz der Unterstützung durch die Zuflüsse in ETF. Eine Feinunze des weißen Metalls notiert nur noch bei 26,75 Dollar – und damit unter der technisch ebenso wichtigen Marke von 27 Dollar. Das ist so wenig wie zuletzt im Juli 2012.

          Der Vertrauensverlust in die Edelmetalle zeigt sich auch noch in einer anderen Kennziffer: Bei Silber setzen lediglich noch 24000 Anleger mehr auf steigende Preise als auf fallende, so wenig wie seit August letzten Jahres nicht mehr. Auch bei Gold verlieren die Investoren Vertrauen: Mit 158000 übersteigt die Zahl der Wetten auf steigende Preise diejenige auf fallende Preise weit weniger stark als noch im Herbst. Damals betrug die Zahl der Netto-Long-Positionen etwa 270000.

          Silber kann diesem Abwärtsstrudel momentan nicht entgehen, da es sowohl als Edelmetall als auch als Industriemetall behandelt wird und beide Sorten schwächeln. Edelmetalle, weil die Inflationssorgen sinken, und Industriemetalle, weil der Glaube in die wirtschaftliche Stärke der Welt offensichtlich nicht groß genug ist. Trotzdem gehen etwa die Analysten der Commerzbank davon aus, dass die aktuelle Preisschwäche der Edelmetalle nicht nachhaltig sei. Für Ende des Jahres sehen sie bei Silber einen Preis von 36 Dollar je Feinunze, bei Gold von 1800 Dollar je Feinunze – obwohl die Preiseprognose schon nach unten korrigiert wurde. Die Industrienachfrage dürfte nach Einschätzung der Commerzbank-Analysten nach einem schwachen Jahr 2012 wieder deutlich steigen, außerdem dürfte die Schmucknachfrage vom niedrigen Preisniveau profitieren. Außerdem gilt: Nach solch stark ausgeprägten Entwicklungen gab es in der Vergangenheit zumeist noch stärkere Gegenbewegungen – das könnte zu steigenden Preisen führen.

          Quelle: F.A.Z.

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