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Edelmetalle Kein Ende des Goldpreisverfalls

Der Goldpreis ist so niedrig wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Nach institutionellen verlieren nun auch private Anleger zunehmend den Glauben an das Edelmetall.

© dpa Vergrößern Der Goldpreis fällt

Goldanlegern bleibt in diesen Tagen wirklich nichts erspart. Nicht nur, dass der Preis für das Edelmetall gleichsam täglich sinkt – zuletzt notierte Gold bei nur noch 1237 Dollar beziehungsweise 951 Euro und damit knapp 3 Prozent schwächer als noch am Dienstag. Das ist das niedrigste Niveau seit August 2010.

Gold hat somit seit Jahresbeginn knapp 30 Prozent an Wert verloren. Dazu kommt, dass sich institutionelle Anleger seit Jahresanfang so deutlich wie nie zuvor von Gold abgewandt haben. Jetzt scheinen sogar Privatleute das Interesse an dem Edelmetall zu verlieren.

Indien dämpft massiv die Goldnachfrage

Besonders großes Ungemach droht aus Indien. Das Land ist als Nachfrager so wichtig wie kein zweites für den internationalen Goldmarkt. Die Inder sitzen aktuell auf mindestens 18.000 Tonnen des gelben Metalls mit einem Wert von mehr als 700 Milliarden Dollar. Etwa ein Viertel der Nachfrage auf der Welt kommt aus dem Subkontinent, das sind etwa 864 Tonnen. Besonders zu Eheschließungen sind die Inder ganz verrückt nach Gold, die Kosten des Edelmetalls machen bis zur Hälfte der Kosten der Hochzeit aus. Jährlich wird etwa Gold im Gegenwert von 60 Milliarden Dollar importiert.

Das ist allerdings ganz und gar nicht im Sinne der indischen Regierung. Durch die ständigen Goldkäufe hat sich ein gigantisches Leistungsbilanzdefizit angehäuft. Indien importiert damit wesentlich mehr als es exportiert – was gleichbedeutend mit einem Vermögensrückgang ist. Allein im Fiskaljahr 2012 belief sich das Leistungsbilanzdefizit von Asiens drittgrößter Volkswirtschaft bei dem Rekordwert von etwa 120 Milliarden Dollar.

Gold   Weiter zur Wertpapierdetailseite Der Goldpreis ist am Mittwoch auf den niedrigsten Stand seit fast 3 Jahren gefallen.

Die Regierung hat nun die Goldsteuer auf 8 Prozent erhöht, um das Edelmetall unattraktiver zu machen. Daneben hat die Indische Zentralbank die Banken nun angewiesen, den Verkauf von Goldmünzen an Einzelkunden einzustellen. Besonders hervor tut sich der Verband indischer Schmuckhändler: Er hat seine Mitglieder dazu aufgerufen, keine Goldbarren oder Münzen mehr zu verkaufen. Der Verband schätzt, dass dadurch die lokale Goldnachfrage um rund 20 Prozent sinken könnte.

Der Rückgang könnte sogar noch stärker ausfallen. Nach Angaben der Finanzagentur Bloomberg sind die Goldimporte seit Erhöhung der Steuer Anfang Juni sogar um 75 Prozent zurückgegangen. Aber auch die monatlichen Verkäufe von Goldmünzen der amerikanischen Münzprägeanstalt Mint zeigen, dass der Juni der bislang schwächste Monat des Jahres ist.

Institutionelle Anleger auf der Flucht

Institutionelle Anleger ziehen sich ebenfalls seit Jahresanfang zurück. Die Zahl der Hedgefonds, die sich im Goldmarkt engagieren, ist auf 290 gesunken. Das hat auch Auswirkungen auf die weltweiten Goldfonds, die bisher Abflüsse in Höhe von 565 Tonnen verzeichnen – Tendenz steigend. Damit wurde in einem halben Jahr mehr Gold verkauft, als in den vergangenen zwei Jahren von Fonds gekauft wurde.

Besonders hervor sticht der größte Goldfonds SPDR Gold, der allein seit Jahresanfang 400 Tonnen Gold verkauft hat und damit erstmals sei dem Jahr 2009 weniger als 1000 Tonnen hält. Hinzu kommt, dass die Anleger auch kaum noch daran glauben, dass der Goldpreis zeitnah wieder alte Höhen erreichen könnte. Die Netto-Long-Positionen am Terminmarkt - das sind Wetten auf steigende Preise - befinden sich aktuell bei nur noch 44.000 Kontrakten. Das ist so wenig wie zuletzt vor acht Jahren, als Gold bei 400 Dollar je Feinunze (31 Gramm) notierte.

Inflationsbefürchtungen gehen zurück

Daneben bessern sich die Wirtschaftsdaten deutlich – was für den Goldpreis schlecht ist. Das Edelmetall ist eigentlich die Währung der Pessimisten. Gold gilt klassischerweise als Inflationsschutz –  Goldanleger setzen darauf, dass sich Papierwährungen entwerten und Gold somit wertvoller wird. Durch die Geldschwemme der Notenbanken erschien das als eine durchaus berechtigte Hoffnung.

Allerdings setzte die Entwertung der Währungen nicht ein. Die Inflationsraten in den Industrienationen sind sehr niedrig geblieben. Am Dienstag veröffentlichten nun die Vereinigten Staaten Konjunkturdaten, die allesamt über den Erwartungen der Analysten lagen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanische Notenbank Fed ihr Anleihenkaufprogramm reduzieren und somit weniger Geld in den Markt pumpen wird. Die Wahrscheinlichkeit für eine höhere Inflation sinkt damit dramatisch.

Auch auf die Zentralbanken, die in den vergangenen Jahren stets als Goldkäufer auftraten, ist kein Verlass mehr. Die Rekordverkäufe des Vorjahres werden voraussichtlich nicht erreicht werden. Anleger in Gold müssen damit nun stark bleiben. Denn allen Verschwörungstheorien zum Trotz, dass der Goldmarkt besonders durch Spekulation beeinflusst wurde, ist es doch in Wahrheit eine ganz einfache volkswirtschaftliche Gleichung von Angebot und Nachfrage: Einer immer niedrigeren Nachfrage steht ein höheres Angebot gegenüber, da die Fonds ihr zuvor gekauftes Gold nun auf den Markt werfen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 26.06.2013, 16:42 Uhr


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