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Edelmetalle Goldpreis in der Finanzkrise verdoppelt

 ·  Anlagen in Gold haben von der Finanzkrise bislang profitiert. Nun könnte der Einfluss der realen Zinsen aber wieder wachsen und den Goldpreis unter Druck setzen.

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Das fünfte Jahr der Banken- und Finanzkrise neigt sich dem Ende zu. Während dieser Zeit hat die Angst der Anleger vor schweren Erschütterungen an den Finanzmärkten, vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion, den Zahlungsausfällen öffentlicher Gläubiger und gar Inflationsgefahren den Goldpreis von 800 auf derzeit 1660 Dollar je Feinunze mehr als verdoppeln lassen.

Das Vertrauen in das gelbe Edelmetall ist ungebrochen. Mittlerweile ist allein der Goldbestand, der an der Börse gehandelte Wertpapiere abdeckt, die den Preis von Gold nachzeichnen, auf 2622 Tonnen gestiegen. Erst vergangene Woche plädierte das World Gold Council wieder für die Einführung von mit Gold abgedeckten Staatsanleihen. Nach einem Konzept des Professors Ansgar Belke vom Wirtschafts- und Finanzkomittee des Europäischen Parlamentes und der Universität Duisburg/Essen könnte dies gar eine Alternative zu dem von der Europäischen Zentralbank verkündeten Programm der Anleihekäufe (OMT) sein.

Gold einsetzen für niedrigere Zinsen

Belke argumentiert, dass zumindest die Mitgliedsländer der Währungsunion, die über hohe Goldbestände verfügen wie Italien und Portugal, einen Teil ihrer Anleihen mit Gold unterlegen könnten, um dann günstigere Finanzierungsbedingungen aushandeln zu können. Allein im Falle von Portugal könnte die Einführung von Staatsanleihen, die zu einem Drittel mit Gold unterlegt wären, die Kapitalmarktrendite um etwa ein Drittel reduzieren. Dem stehen freilich gewaltige rechtliche Bedenken entgegen, denn das System der europäischen Notenbanken müsste zumindest vorübergehend Goldbestände auf eine unabhängige Schuldenverwaltung übertragen. Diese würde dann das Gold unter der Auflage des strengen Verbots der Staatsfinanzierung einsetzen. Dies würde gleichzeitig disziplinierend auf das Ausgabenverhalten der betroffenen Regierungen wirken, meint Belke.

Die Anleiherenditen sind allerdings bereits deutlich gesunken. Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s hat Griechenlands Bonitätsnote wieder von „teilweise zahlungsunfähig“ auf „sehr spekulativ“ hochgestuft, und die Europäische Zentralbank akzeptiert die Anleihen wieder als Pfand, was manche Investoren als Wende in der Schuldenkrise wahrnehmen. Die Frage ist daher, ob dem Goldpreis nicht ebenfalls eine Wende bevorsteht.

Entscheidend für viele Anleger war bisher freilich die Angst, dass die extrem expansive Geldpolitik der Notenbanken mit massiven Anleihekäufen vor allem in Großbritannien und den Vereinigten Staaten zu hoher Inflation führen könnte. Gold wird als Absicherung gekauft.

Höhere Inflation ist nicht zwingend

Aber ob die quantitative Lockerung der Notenbanken wirklich zu einer höheren Inflation führt, ist nicht gesagt. Die Geldmenge an sich ist kein Indiz dafür, dass sie allein zu Inflation führt. Dies wissen die Fondsmanager in den Finanzzentren der Londoner City und der Wallstreet nur zu genau: „Die tatsächlichen Folgen hängen stark von den politischen Maßnahmen, der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und auch den Inflationserwartungen ab“, warnt Keith Wade, Chefvolkswirt von Schroders. Entscheidend sei, dass der Ausstieg aus der expansiven Politik nicht zu spät komme. Dieses Risiko sei allerdings nicht zu unterschätzen. „Aktuell scheint das Risiko einer extremen Inflation aber gering zu sein“, sagt Wade. Immerhin werde die quantitative Lockerung der Notenbanken vom Markt immer noch als temporäre Maßnahme verstanden, so dass eine Lohn-Preis-Spirale wie in den siebziger Jahren nicht wahrscheinlich sei.

Marktteilnehmer fürchten aber, die expansive Geldpolitik könne dazu führen, dass die Politiker nachlässiger mit ihrer Haushaltsdisziplin umgehen. Das versuchen die in der Währungsunion gleichzeitig verfügten Spar- und Sanierungsprogramme gerade zu verhindern. „Finanzielle Repression“ ist eine andere Gefahr, und zwar vor allem die mögliche Tendenz der Notenbanken, ihre Inflationsziele einfach nicht mehr einzuhalten. Dies deutet sich bei der Bank von England an. Die jüngsten Bemerkungen des amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke und von Mark Carney, dem künftigen Notenbankchef der Bank von England, werden vom Markt deshalb sehr genau unter die Lupe genommen. Beide wollen stärker volkswirtschaftliche Wachstumsgrößen in die Geldpolitik einfließen lassen.

Stabile Inflationserwartungen

Schroders-Ökonom Wade verweist darauf, dass die Geldmenge sich in den Vereinigten Staaten seit Beginn der quantitativen Lockerung mindestens verdoppelt habe, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes aber während dieser Zeit um rund zwei Drittel gesunken sei. Maßgeblich ist bei der Beobachtung der Geldumlaufgeschwindigkeit die Entwicklung der Bankkredite an Unternehmen, und hier zeigt sich zwar eine Erholung, nicht aber eine Entwicklung, die auf Inflation deutet.

Daher sind auch die globalen Inflationserwartungen stabil. Was bedeutet dies für Gold? Viel entscheidender für die Preisentwicklung des Edelmetalls ist nach Berechnungen der Bank Goldman Sachs die Entwicklung der realen Zinsen - also der nominalen Zinsen abzüglich der Teuerung. Goldman Sachs gibt zu bedenken, dass der Goldpreis schon jetzt nicht mehr deutlich gestiegen ist. Die realen Zinsen werden in den Vereinigten Staate nicht noch weiter sinken, und der Großteil der Ankündigungen einer expansiven Notenbankpolitik sind ebenfalls Vergangenheit. Dies alles ist also in den Preis schon einbezogen.

Was jetzt komme, seien auf Dauer wieder steigende Realzinsen in den Vereinigten Staaten. Daher die Einschätzung von Marktteilnehmern, dass der Goldpreis im Jahr 2013 drehen könne. Goldman Sachs und Barclays haben ihre Prognosen schon wieder reduziert. Goldman Sachs erwartet, dass der Goldpreis in drei Monaten bei 1825 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) liegen wird und dann auf 1800 Dollar sinken wird. Im Jahr 2014 könne der Preis auf 1750 Dollar fallen.

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