03.05.2007 · Platin ist seit Jahren nicht nur knapp, sondern wird nach Ansicht zahlreicher Fachleute mit einiger Wahrscheinlichkeit noch knapper. Auch die Palladium-Notierungen holen auf.
Der Preis für Platin hat sich im April, ohne dass dies groß beachtet worden wäre, wieder an das im Mai vergangenen Jahres verzeichnete Rekordhoch von 1340 Dollar je Feinunze herangepirscht. Er ist seither zwar wieder stark zurückgefallen, aber viele Experten halten es für wahrscheinlich, dass die Notierungen diese Hürde beim nächsten Anlauf nehmen. Das Edelmetall kostete am Mittwoch rund 1287 Dollar. Es ist seit Jahren nicht nur knapp, sondern es wird nach Ansicht zahlreicher Fachleute mit einiger Wahrscheinlichkeit noch knapper.
Seit fast zehn Jahren herrschen unablässig Defizite bei der Bergwerksgewinnung (Primärproduktion), und die Chancen, dass sich daran in den nächsten Jahren etwas ändert, gelten als gering. Platin wird weithin als das Edelmetall bezeichnet, das über die hausseträchtigsten fundamentalen Bedingungen verfügt. Doch völlig ungetrübt sind die Aussichten nicht, denn der Verbrauch von Palladium, dem zweitbedeutendsten Metall der Platingruppe, holt allem Anschein nach vor allem bei der Herstellung von Autokatalysatoren, aber auch im Schmuckbereich kräftig auf. Palladium notierte am Mittwoch bei rund 371 Dollar je Feinunze.
Unzureichende Bergwerksproduktion
Die anderen Edelmetalle der Platingruppe - Rhodium, Iridium, Ruthenium und Osmium - werden nicht an regulären Börsen gehandelt. Beachtenswert ist jedoch, dass Produzenten der Platinmetalle in längerfristigen Lieferverträgen traditionell zum Beispiel Platin häufig nur verkaufen, wenn zugleich auch gewisse Mengen anderer Rohstoffe dieser Gruppe abgenommen werden.
Neuere Zahlen über die statistische Situation bei Platin und Palladium hat GFMS, das unabhängige Analyseunternehmen in London, am 25. April vorgelegt. Neben Gold und Silber erstellt GFMS seit vier Jahren auch Jahresberichte über die beiden Platinmetalle. Die Experten von GFMS hatten zunächst vorausgesagt, der Platinpreis könne im Laufe dieses Jahres auf 1450 Dollar anziehen. Das wäre gegenüber dem aktuellen Preis ein Anstieg um rund 12 Prozent.
Diese Prognose wurde aber dann sogleich mit dem Hinweis darauf relativiert, dass ein börsengehandelter Fonds (Exchange Traded Fund oder ETF) im Entstehen sei. GFMS erklärte daraufhin, die Voraussage von 1450 Dollar könne sich vor diesem Hintergrund ohne weiteres als noch zu konservativ erweisen. Die Analysten begründeten ihre Einschätzung der Lage am Platinmarkt mit der unzureichenden Bergwerksproduktion, den begrenzten vorhandenen Vorräten und der steigenden Nachfrage, die zunehmend unelastisch auf die herrschenden Preise reagiere.
2006 erstmals seit Jahren ein Platin-Überschuss?
GFMS vertritt die Auffassung, dass 2006 erstmals seit Jahren ein Überschuss an Platin entstanden sei. Begründet wird dies mit höherer Gewinnung in Südafrika, dem mit Abstand führenden Produzenten, und mit einem nur moderaten Wachstum des Bedarfs. Bei der Herstellung von Diesel-Katalysatoren sei er leicht gestiegen, während er bei Katalysatoren für Benzinfahrzeuge und im Schmucksektor abgenommen habe. Die geringen vorhandenen Bestände und gewachsene Nachfrage zu Anlagezwecken hätten den errechneten Überschuss bei der Preisbildung aber nicht ins Gewicht fallen lassen, meint GFMS.
Die These, 2006 sei ein Überschuss entstanden, wird vielerorts nicht geteilt. Es heißt, es sei ein weiteres Defizit verzeichnet worden, das die vorhandenen, angeblich überwiegend in der Schweiz lagernden Bestände habe weiter schrumpfen lassen. Vor allem die Nachfrage nach Platin zur Herstellung von Schmuck habe sich nach einem starken Einbruch im ersten Halbjahr 2006 wieder erholt, wie es in einer ähnlichen Konstellation auch bei Gold zu beobachten gewesen sei.
Russland bedeutendster Palladium-Produzent
Mehr Klarheit über die tatsächlichen Verhältnisse dürfte der für den 14. Mai angekündigte Jahresbericht „Platinum 2007“ von Johnson Matthey in London geben. Der weltweit führende Raffineur und Händler von Platinmetallen gilt seit Jahrzehnten als die ergiebigste Quelle umfassender Daten und Einblicke in das Geschehen bei den Platinmetallen. Johnson Matthey hatte im November 2006 in einem Zwischenbericht mitgeteilt, der Platinmarkt sei in ein besseres Gleichgewicht geraten. Das Defizit könne sich gegenüber 2005 auf nur noch 20.000 Unzen halbieren. Gemessen an einem für 2006 geschätzten Gesamtangebot von 7 Millionen Unzen, scheint eine derart geringe Fehlmenge bedeutungslos zu sein. Das bislang höchste Defizit wurde 1999 mit 720.000 Unzen verzeichnet.
Völlig anders bietet sich die statistische Lage am Markt für Palladium dar. Hier ist Russland der mit Abstand bedeutendste Produzent. Bei dem Edelmetall herrschen seit 2002 ununterbrochen Überschüsse, die sich in einem enormen Anwachsen der Bestände ausdrücken. Angeblich lagern sie überwiegend in Russland, das sich bei Verkäufen in den vergangenen Jahren offenkundig stark zurückgehalten hat, um den Markt nicht zu belasten. Mehr und mehr Fachleute meinen, diese Verkaufspolitik beginne nun Früchte zu tragen, weil sie seit Anfang 2003 eine weite Preisdifferenz zwischen Platin und Palladium habe entstehen lassen.
Dieses über lange Strecken hinweg stark gestiegene Gefälle beginne, Palladium bei der Herstellung von Katalysatoren gegenüber Platin zu begünstigen. Gleiches sei bei der Verwendung von Palladium zur Herstellung von Schmuck zu beobachten. Der Bedarf an diesem Edelmetall war im Zuge einer im Jahr 2000 entstandenen steilen Hausse stark gesunken. Anfang 2001 wurde der Rekordpreis von knapp 1100 Dollar erreicht, nachdem der amerikanische Autokonzern Ford aus Furcht vor einer Verknappung große Mengen des Edelmetalls auf Vorrat gekauft hatte. Dies erwies sich als gigantische Fehlspekulation. Bis zum Frühjahr 2003 fielen die Notierungen auf 150 Dollar.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |