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Edelmetalle Gold und Silber haben relative Stärke verloren

10.07.2009 ·  Gold- und Silber, die lange als Krisengewinnler galten, haben an Glanz verloren. Statt Aufwärts- gibt es nun Abwärtstrends zu konstatieren. Erklären lässt sich das mit der gesunkenen Risikoaversion und Inflationsangst.

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Die Edelmetalle Gold und Silber galten als Gewinner der Krise. Zunächst trieb die hohe Risikoaversion die Anleger zu Käufen und danach sorgte die Inflationsangst für eine anhaltend hohe Nachfrage.

Doch inzwischen hat der Rückenwind etwas nachgelassen. Mit der Aussicht auf eine konjunkturelle Bodenbildung hat die Risikobereitschaft wieder etwas zugenommen und die Inflationsängste wurden zumindest zunächst durch die jüngsten Teuerungsraten kalt gestellt, die kurzfristig eher Deflationsgefahren nahe legen. Und wegen dem zuletzt deutlich gefallenen Ölpreis ist nicht mit einem schnellen Wiederaufflammen der Inflationsängste zu rechnen.

Möglicherweise hat auch das dazu beigetragen, dass jüngst wieder einige Bestände in Gold-ETFs, die bis vor kurzem noch stark gefragt waren, abgebaut wurden. Zu allem Überfluss kam vor wenigen Tagen auch noch die Meldung hinzu, Indien habe die Steuern für Gold- und Silber-Importe verdoppelt. Vergessen werden darf man auch nicht die großen noch bestehenden spekulativen Positionen, die als Kontraindikator zu werten sind. Derzeit übersteigt die Zahl der Long-Positionen die der Short-Positionen laut Commerzbank noch immer um mehr das Sechsfache - trotz des Rückgangs der Netto-Long Positionen um 25 Tausend Kontrakte in den vergangenen drei Wochen.

Silber deutlich stärker unter Druck als Gold

Einflussfaktoren wie diese haben zusammen mit einer schwachen Schmuck - und Industrienachfrage dazu geführt, dass sich die Preise dieser beiden Edelmetalls in den vergangenen Wochen wieder von ihren Jahreshochs verabschiedet haben. Bei einer aktuellen Notiz von 909,90 Dollar je Feinunze ist für den Goldpreis der Sprung über die auch psychologisch wichtige Marke von 1.000 Dollar wieder in weite Ferne gerückt. Kurzfristig droht nun eher ein Test der Tragfähigkeit der Unterstützungsmarke von 900 Dollar.

Noch schlechter hat sich jüngst der Silberpreis entwickelt, der bekanntlich oft dazu neigt, die Bewegungen des Goldpreises überproportional nachzuvollziehen. Nachdem hier Anfang Juni mit einem neuen Jahreshoch von fast 16 Dollar alles vorgezeichnet schien für einen anhaltenden Gipfelsturm, hat sich die Notierungen in der Zwischenzeit für die andere Richtung entschieden. Am Freitagnachmittag wird Silber nun nur noch mit 12,64 Dollar je Feinunze gehandelt. Das entspricht einem Einbruch von fast 21 Prozent binnen weniger Wochen.

Damit hat das weiße Metall den seit Oktober andauernden Aufwärtstrend durchbrochen, wie die Rohstoffexperten bei der Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbh beklagen. Zudem trauen sie dem Silber kein echtes Eigenleben zu, sondern ein enges Zusammenspiel mit dem Goldpreis. Sollte das Gold weiter an Wert verlieren, dann wird nach ihrem Verständnis ein weiterer Preisverfall beim Silber vermutlich nicht zu verhindern sein. Das nächste Kursziel veranschlagen sie in diesem Fall auf 11,80 Dollar je Unze. Die anschließend darunter liegende Unterstützung bei 10,30 Dollar sollte allerdings nach nicht so schnell getestet werden. ZU Bedenken ist mit Blick auf das Silber dessen traditionell schwachen Performance während der Sommermonate.

Korrektur dürfte sich zunächst fortsetzen

Auch beim Goldpreis zeigt nach Einschätzung der Heraeus-Experten der Daumen momentan weiter nach unten. Ein Rückfall bis auf 870 Dollar sei nicht auszuschließen, bevor es dann eventuell zu einer Bodenbildung komme. Bei der Commerzbank rechnet man ebenfalls damit, dass sich die schwierigen Marktbedingungen über die Sommermonate hinweg noch fortsetzen und der Goldpreis im Zuge dessen bis auf 850 Dollar korrigiert. Ganz wollen die Experten der Bank die Flinte jedoch noch nicht ins Korn werfen. Ab Herbst dürfte der Goldpreis nach ihrer Einschätzung einen erneuten Anlauf auf die Marke von 1.000 Dollar nehmen. Auch bei dieser Prognose spielt das Inflationsargument eine wichtige Rolle. Mit einem Abflauen der Krise könnten auch die Inflationsbefürchtungen wieder zunehmen, denken sie.

Auch beim Silberpreis sieht man mittel- bis langfristig nach wie vor deutliches Aufwärtspotenzial. Zur Begründung wird auf die erwartete Belebung der industriellen Nachfrage verwiesen, die noch immer mehr als die Hälfte der Gesamtnachfrage ausmacht, sowie darauf, dass Silber verglichen mit Gold historisch gesehen günstig zu haben ist. Der Silberpreis dürfte deshalb bis Jahresende wieder auf 15 Dollar steigen. Auf Sicht von 12 Monaten erwartet die Commerzbank sogar einen weiteren Anstieg auf 16 Dollar je Feinunze.

Auszuschließen ist das zwar nicht. Charttechnisch gesehen sprechen aber jeweils intakte kurzfristige Abwärtstrends gegen die beiden Edelmetalle. Ob sich der Goldpreis daraus wieder nach oben hin befreien kann, wird auch davon abhängen, was das Goldabkommen der europäischen Zentralbanken beinhaltet, das in den nächsten Wochen erneuert wird. Spannend wird dabei vor allem sein, ob auch der Internationale Währungsfonds, der bekanntlich Verkaufspläne in Höhe von rund 400 Tonnen hegt, diesmal Mitunterzeichner wird. Zur Erinnerung: Beim auslaufenden Abkommen konnten die Zentralbanken bis zu 500 Tonnen Gold pro Jahr verkaufen, eine Menge, die sie zuletzt bei weitem nicht ausgenutzt haben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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