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Edelmetalle Gold hat kurzfristig etwas an Glanz verloren

09.07.2010 ·  Im Juli musste das Gold bisher Preisrückgänge hinnehmen. Das ruft erste Skeptiker auf den Plan, die ein Ende der Hausse erwarten. Analysten gehen aber davon aus, dass das Edelmetall als sicherer Hafen und Inflationsschutz weiterhin gefragt bleiben wird.

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In den Köpfen der Anleger schwirren zwar noch die Bedenken hinsichtlich einer Abschwächung der Weltkonjunktur herum. Etwas gelegt haben sich aber immerhin die Ängste vor einem Kollaps des Euro wegen der Schuldenberge in Südosteuropa.

Diese Entwicklung hat auch dem traditionell als Hort der Sicherheit geltenden Gold etwas an Rückenwind genommen. Bedingt durch Gewinnmitnahmen und Umschichtungen in Aktien von Seiten der Anleger rutschte die Notiz des Edelmetalls zeitweise unter die Marke von 1.200 Dollar je Feinunze. Gemessen an dem am 28. Juni aufgestellten Rekordhoch von 1.266,5 Dollar bedeutete dies ein Minus von rund 7 Prozent.

Noch etwas deutlicher ist der Rückgang wegen der Erholung der Einheitswährung gegenüber dem Euro ausgefallen. Die Notiz hat hier seit Monatsbeginn 8 Prozent nachgegeben und markierte mit 937 Euro je Feinunze am Donnerstag ein Siebenwochentief. Deutlich wird das zunächst geringer gewordene Anlegerinteresse auch an den Goldbeständen des SPDR Gold Trust. Diese verringerten sich bis Donnerstag seit Monatsbeginn um 4,4 Tonnen.Und nach Ansicht von Analysten wie jenen bei der Commerzbank könnte der Goldpreis zunächst weiter nachgeben, da Anleger in risikoreichere Anlagen umschichten.

Hohe Goldbestände bei der BIZ sorgen für Spekulationen

Etwas Verunsicherung in den Goldmarkt brachte in den vergangenen Tagen auch die Meldung, wonach Banken im ersten Quartal 346 Tonnen Gold bei der Superzentralbank BIZ hinterlegt und dafür im Gegenzug rund 13 Milliarden Dollar an Liquidität erhalten haben. Swapgeschäfte wie diese bedeuten zwar nicht, dass das Gold automatisch auf dem freien Markt landen wird, sondern solche Geschäfte werden typischerweise später wieder rückgängig gemacht. Anders würde es dagegen aussehen, wenn die abgebenden Banken die geliehenen Gelder nicht zurückzahlen könnten. Denn dann könnte die BIZ das Gold eventuell verkaufen. Und da 346 Tonnen knapp 60 Prozent der weltweit im ersten Quartal geförderten Goldmenge entsprechen, würde das den Preis vermutlich deutlich belasten.

Neben diesem Damoklesschwert kann der Vorgang aber auch als Beweis dafür gewertet werden, dass im System etwas nicht stimmt. Schließlich dürfte die abgebende Notenbank das Gold vermutlich nicht ohne Nöte abgegeben haben. Die Experten bei der Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbh gehen davon aus, dass die Geschichte erst einmal keinen Einfluss auf den Goldpreis haben wird. Unter dem Strich rechnet man dort zunächst mit einem Verbleib der Notiz in einer Spanne zwischen 1.165 und 1.245 Dollar je Unze.

Am Freitag hat sich der Preis mit einem Anstieg am Kassamarkt um 0,9 Prozent auf 1209,02 Dollar je Unze auch weiter in der genannten Spanne bewegt. Analyst Suki Cooper von Barclays Capital sagte dazu: „Die Preisrückgänge werden zu Schnäppchenkäufen genutzt. Im Jahresverlauf dürfte das Anlegerinteresse an Gold wieder anziehen.“

Vermutlich nur eine temporäre Verschnaufpause

Auch bei der Commerzbank gehen die Experten davon aus, das Gold mittel- bis langfristig als sicherer Hafen und Inflationsschutz weiterhin gefragt bleiben wird. Der Preisanstieg vom Freitag deute darauf hin, dass die Goldkonsumenten das niedrigere Preisniveau als günstige Kaufgelegenheit erachteten. Zudem stehe ein derzeit hohes physisches Kaufinteresse aus Asien einem deutlicheren Preisrückgang unter die Marke von 1.200 Dollar entgegen.

Unter der Annahme eines von den Schwellenländern ausgehenden Konjunkturaufschwungs geht auch Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg von einer wieder steigenden Schmucknachfrage aus. Und sie dürfte dabei helfen, den hausintern in den kommenden Monaten erwarteten Rückgang der Anlegernachfrage auszugleichen. Nachdem in der Krise viel Vertrauen verspielt wurde, geht Proettel zudem davon aus, dass ein grundsätzliches Anlegerinteresse zukünftig auch dann bestehen bleiben wird, wenn im Zuge des von der Landesbank Baden-Württemberg erwarteten konjunkturellen Aufschwungs die Gefahr von Banken-, Unternehmens- und Staatspleiten abnimmt. Dafür spreche einerseits der langfristige Charakter einer Goldanlage als Absicherung für unvorhergesehene Krisen. Andererseits dürfte die Inflationsthematik im Aufschwung wieder an Bedeutung zunehmen. Sichtbar werde dies beispielsweise an der gestiegenen Nachfrage nach Goldmünzen im
Vergleich zur Vorkrisenzeit.

Fasst man die Expertenmeinungen zusammen, dürfte es zu früh sein, Gold wegen der jüngsten Schwäche schon abzuschreiben. Dafür ist auch der seit 2001 anhaltende langfristige charttechnische Aufwärtstrend zu stabil und verfestigt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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