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Edelmetalle Der Silberpreis hat noch Potential

16.11.2006 ·  Die rege Nachfrage privater Investoren könnte den Silberpreis weiter nach oben treiben. Doch einfach ist der Markt nicht einzuschätzen: Vor allem über die Höhe des Angebots herrscht Rätselraten.

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Der Silberpreis kann schon in den nächsten Monaten nach Einschätzung von Analysten wieder auf 15 Dollar je Feinunze steigen. Das ist jedenfalls die Botschaft, die das unabhängige Londoner Analyseunternehmen GFMS dieser Tage in einem Zwischenbericht zur Lage an diesem Markt an die Haussiers gerichtet hat. GFMS sieht rege Nachfrage privater Kreise als die treibende Kraft für den erwarteten Anstieg der Notierungen, zeichnet aber darüber hinaus ein wenig spektakuläres Bild von diesem Markt.

Zuletzt hatte der Silberpreis im April die Marke von 15 Dollar fast erreicht und sie im Mai kurz überschritten, bevor er im Rahmen eines heftigen Einbruchs bis Mitte Juni auf etwa 9,50 Dollar zurückfiel. Am Donnerstag kostete das Edelmetall rund 13 Dollar. Beobachter halten es für beachtenswert, daß der Rückschlag vom Frühjahr kein nur dieses Edelmetall berührendes Ereignis war, sondern zahlreiche Rohstoffe und die meisten Aktienbörsen für etwa die gleiche Zeit nach unten gerissen hat. Schon früh wurde der Schwächeanfall an allen diesen Märkten als Folge einer überzogenen Spekulationstätigkeit, hervorgerufen durch exzessive Liquidität an den Finanzmärkten, gedeutet.

Hausse ließ physische Nachfrage schrumpfen

Viele Experten hatten sich noch während der vorausgegangenen Hausse sehr skeptisch zu den fundamentalen Bedingungen besonders am Silbermarkt geäußert. Eines ihrer Hauptargumente war und ist noch immer, daß ausgedehnte Preisbewegungen, die sich an den Terminbörsen ohne hinreichende Unterstützung durch das physische Geschäft einstellten, nicht von Dauer sein könnten.

Tatsächlich hatte die im Sommer 2003 bei gut 4,50 Dollar angebrochene Hausse am Silbermarkt in ihrer letzten, exponentiell verlaufenen Phase die physische Nachfrage spürbar schrumpfen lassen. Da der Silbermarkt wenig transparent ist, greifen Analysten gerne auf den Goldmarkt zurück, um darzustellen, wie die physische Nachfrage bei beiden Edelmetallen einbrechen kann, nachdem die Preise exzessiv gestiegen sind.

Nachfrage des fotografischen Sektors sinkt

Bei Silber ist der Bedarf nach Ansicht von Fachleuten im Zuge der zurückliegenden Hausse deutlich geringer gesunken als bei Gold, denn ersteres ist vorwiegend ein industriell verwendetes Edelmetall und daher weit weniger von privater Nachfrage abhängig als Gold, wo die Verarbeitung zu Schmuck dominiert.

Die von GFMS jetzt vorgelegten Zahlen bestätigen dies mit einer gravierenden Ausnahme, die aber eher wenig mit dem Preisgeschehen zu tun hat. Diese Ausnahme ist der fotografische Sektor, in dem Silber massiv und nachhaltig von digitalen Technologien verdrängt wird. GFMS schätzt den Bedarfsrückgang hier im laufenden Jahr auf knapp 11 Prozent. Noch vor wenigen Jahren entfielen auf diesen Bereich etwa 27 Prozent der Gesamtnachfrage. Inzwischen dürfte der Anteil auf 20 Prozent zustreben, vermuten Fachleute.

Schwierige Datenlage bei der Sekundärproduktion

Besonders undurchsichtig ist am Silbermarkt die Angebotsseite. Es beginnt schon bei der Primärproduktion. Das Edelmetall wird in reinen Silberminen gewonnen, fällt aber auch in großem Umfang bei der Förderung von Industriemetallen wie Kupfer, Blei und Zink als Nebenprodukt an. Ergänzt wird das Angebot von der Sekundärproduktion, also der Rückgewinnung von Silber aus Abfällen wie alten Röntgenfilmen und aus Schrott.

Die Mengen, die bei der Produktion von Industriemetallen gewonnen werden, sind schon schwer zu erfassen. Noch schwieriger sind zuverlässige Erkenntnisse über die Sekundärproduktion zu erlangen. Nicht zuletzt aber spielen auch Verkäufe aus offiziellen Beständen eine beachtliche Rolle auf der Angebotsseite. So berichtet GFMS, daß China und Rußland auch in diesem Jahr wohl wegen der hohen Preise wieder Silber aus ihren staatlichen Reserven abgegeben haben dürften. Zudem werde der indische Staat wahrscheinlich bis zu 30 Millionen Unzen oder 930 Tonnen auf dem Binnenmarkt anbieten.

Die größten privaten Bestände lagern in Indien

Die größte Unbekannte stellen aber die privaten Silberhorte dar, die nach der Definition der Statistiker als Regulativ dazu dienen, einmal entstehende Produktionsdefizite auszugleichen beziehungsweise Überschüsse aufzunehmen. Über den Umfang dieser Horte herrscht schon seit Jahrzehnten ein heftiger Streit.

Die Haussiers behaupten, die über viele Jahre hinweg verzeichneten chronischen Produktionsdefizite hätten die Horte bis zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen lassen. Andere glauben zu wissen, daß der Weltbedarf mindestens drei Jahre lang allein aus diesen Horten gedeckt werden könnte. Gewißheit wird es in dieser Frage nie geben, auch wenn unbestritten ist, daß die größten privaten Bestände in Indien lagern.

Quelle: hi., F.A.Z., 17.11.2006, Nr. 268 / Seite 25
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