29.03.2010 · Schon seit November kann sich der Goldpreis für keine klare Richtung mehr entscheiden. Die Pattsituation besteht, weil es derzeit noch gute Argumente sowohl für steigende als auch für fallende Preise gibt.
Gold hat einen langjährigen Anstieg hinter sich, der dem Edelmetall gegenüber den Tiefstkursen zu einer Vervielfachung verholfen hat. Doch seit einigen Monaten fällt aus, dass die Notiz nicht mehr nachlegen kann.
Der am Montagnachmittag beim Fixing in London festgestellte Preis von 1.107,50 Dollar wurde auch schon im November bezahlt. Und in der Zeit danach ging es kurzzeitig zwar auch mal auf das neue Rekordhoch von 1.212,50 Dollar, aber phasenweise mussten auch nur noch 1.058 Dollar je Feinunze gezahlt werden.
Nach den langjährigen Kurssteigerungen sind Verschnaufpausen dieser Art zwar nichts Außergewöhnliches. Zumal zuletzt auch die Stärke des Dollar eine Belastung darstellte, da sich der Goldpreis oft gegenläufig zum Greenback endwickelt. Andererseits hätte aber auch das Gerede um eine langfristig drohende Inflation und die Schuldenprobleme Griechenlands beflügelnd wirken können.
Gold hing zuletzt anderen Edelmetallen hinterher
Unter dem Strich ist es mit Blick auf das Gold schon etwas auffällig, dass es sich zuletzt schlechter entwickelt hat als die anderen Edelmetalle. So hat der Goldpreis in den vergangenen 12 Monaten zwar um rund 20 Prozent zugelegt. Aber nicht nur die meisten Aktienmärkte haben in dieser Zeit besser abgeschnitten, sondern auch die direkte Konkurrenz. Der Silberpreis hat im gleichen Zeitraum jedenfalls rund 28 Prozent gewonnen, der Platinpreis 42 Prozent und der Palladiumpreis sogar 109 Prozent.
Erklären lässt sich der Rückstand, den Gold zuletzt aufwies, zwar auch damit, dass speziell auf Platin und Palladium erst jüngst Exchange Traded Funds aufgelegt werden, worin die Anleger derzeit eben mehr Kapital stecken als in die schon länger existierenden Gold-ETFs. In diese wurden Anfang 2009 zeitweise mehr als 40 Tonnen Gold pro Tag gesteckt. Nach wie vor sind die Investmentbestände zwar hoch, seit Jahresbeginn sind die Bestände des weltgrößten Gold-ETF, dem SPDR Gold Trust, aber leicht gesunken, so dass von dieser Seite keine neuen Impuls mehr ausgingen. Und die Rohstoffexperten bei der Commerzbank gehen davon aus, dass es ohne eine erneute Krise des Finanzsystems zu keinem neuerlicher Ansturm auf die Gold-ETFs kommen wird.
Auch andere Daten weisen darauf hin, dass die spekulativen Finanzanleger am Goldmarkt zurückhaltender werden. Haben sie doch in der Woche zum 23. März ihre Netto-Long-Positionen die dritte Woche in Folge um knapp 10 Prozent auf 153,7 Tausend Kontrakte reduziert. Damit wurde wieder das Niveau von Anfang Februar erreicht. Während es bei den Short-Positionen in den vergangenen vier Wochen nur zu einem moderaten Aufbau kam, wurden die Long-Positionen in diesem Zeitraum um 20 Tausend Kontrakte abgebaut.
Bei der Anlageentscheidung auf die Charttechnik vertrauen
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, für welche Richtung sich der Goldpreis letztlich entscheiden wird, wenn die jüngste Seitwärtsbewegung demnächst ausläuft. Wer an einen Ausbruch nach oben glaubt, untermauert dabei seine These mit dem Verweis auf die unverändert tiefen Realzinsen, was die Opportunitätskosten der Goldhaltung gering hält. Pro Gold wird auch immer wieder argumentiert mit den fast weltweit stark gestiegenen Staatsschulden und der Schuldenkrise in der Eurozone. Als weiterer Pluspunkt findet zudem oft der wachsende Wohlstand in den Schwellenländern erwähnt. So könnte sich laut dem World Gold Council die Goldnachfrage in China, wo aktuell der Pro-Kopf-Verbrauch bei noch sehr niedrig 0,26 Gramm bewegt, in den nächsten zehn Jahren aufgrund einer steigenden Schmuck- und Investmentnachfrage vom heutigen Niveau aus verdoppeln. Stimmt diese Annahme, könnte das den Goldpreis langfristig stützen.
Die Goldpreis-Skeptiker halten den Goldmarkt dagegen schon jetzt für überhitzt. Sobald sich herauskristallisiere, dass die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft nicht zusammenbrechen, werde aus dem Segment viel spekulative Luft entweichen. Das drohe zudem auch für den Fall, dass die Inflations- in Deflationsängste umschlagen sollten. Und das sei nicht einmal so unwahrscheinlich, nachdem die Kerninflationsraten in Amerika und Europa sehr tief lagen.
Auch wenn das der zuletzt vorherrschende Seitwärtstrend nicht widerspiegelt, ergibt sich damit am Goldmarkt eine durchaus explosive Ausgangskonstellation. Wird fundamental klarer, wohin die Reise geht, dürften die Preise früher oder später deshalb deutlicher als zuletzt wieder in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Bei der Entscheidung, wie man sich als Anleger dabei am besten positioniert, kommt der Charttechnik eine entscheidende Hilfe zu. Auf nachhaltiger fallende Preise sollte man sich bei einem Rückgang unter das Februartief von 1.058 Dollar einstellen. Ein kleineres Kaufsignal würde dagegen bei einem Sprung über die Widerstandszone zwischen 1.137 und 1.153 Dollar generiert. Und von einem Mega-Kaufsignal müsste sogar gesprochen werden, wenn es gelingen sollte, das Rekordhoch bei 1.212,50 Dollar zu knacken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |