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Dienstag, 14. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Edelmetall-Studie Die Silber-Hausse dürfte bald beendet sein

23.01.2007 ·  Für Silber malt Heraeus in einem Ausblick auf 2007 und 2008 kein positives Bild. Für Gold ist der Edelmetallhändler optimistischer. Auch für die meisten Platinmetalle sehe es besser aus.

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Gold dürfte in den kommenden 24 Monaten eher teurer werden. „Einen raschen Anstieg auf neue Höchstkurse wird es dabei aber wohl nicht geben“, heißt im Ausblick des Metallhändlers Heraeus auf die Edelmetallmärkte 2007 und 2008.

„Beim Silber basierte die letztjährige Hausse weniger als bei allen anderen Metallen auf fundamentalen Gegebenheiten“, schreibt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Leiter Marketing & Sales des Hanauer Unternehmens, in der vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie. „Vielleicht ist es hier für 2007 Zeit für eine Gegenbewegung.“ Positiver sehe es für die meisten Platinmetalle aus.

Gold: Moderater Preisanstieg erwartet

Gold könnte im Jahresverlauf auf die Erfolgsspur zurückkommen, „vor allem dann, wenn die Investoren wieder auf den Markt zurückkehren“, wie es in der Studie heißt. „Wie wenige von ihnen (sowohl private als auch institutionelle) bisher erst das Gold für ihre Portfolios entdeckt haben, kann schon alleine von der Tatsache abgeleitet werden, dass, wenn alleine die deutschen Investoren die oft empfohlenen fünf Prozent ihres Vermögens in Gold anlegen würden, dies einer Menge von mehreren Jahresproduktionen (oder einem erheblichen Teil der globalen Zentralbankreserven) entsprechen würde.“

Einen raschen Wechsel des Anlegerverhaltens erwartet Heraeus aber nicht und sieht aus diesem Grund auch nur einen relativ moderaten Anstieg des Goldpreises voraus, nämlich im Durchschnitt um sieben Prozent 2007 und um drei Prozent 2008. Konflikte in Iran und Nordkorea oder Terroranschläge könnten diese Vorhersage allerdings durchkreuzen.

Zentralbankverkäufe gehen weiter zurück

Auf der Angebotsseite erwartet der Metallhändler, dass die die Zentralbankverkäufe weiter zurückgehen werden und die Minengesellschaften die Produktion nicht wesentlich ausweiten. „Zwar gibt es einige neue Projekte, die in absehbarer Zeit mit der Förderung beginnen werden, diese ersetzen allerdings vorerst nur die fallende Produktion in bereits existierenden Minen.“

Neutralisiert werden könnte dies „durch einen Rückgang der Rückkäufe durch die Minengesellschaften von in den neunziger Jahren abgeschlossenen Terminsicherungsgeschäften“.

Silber: ETF unerwartet erfolgreich

Beim Silberpreis erwartet Heraeus keine Sprünge nach oben. Der Preisanstieg im vergangenen Jahr habe vor allem an der Investmentnachfrage gelegen. Der Absatz im industriellen Bereich sei in einigen Sektoren zwar ebenfalls gestiegen, dem stehe aber ein massiver Rückgang in der Fotoindustrie gegenüber. Außerdem rechnet Heraeus mit einer weiter steigenden Produktion.

„Die einzigen positiven Nachrichten für das weiße Metall kamen und kommen aus dem Investmentbereich“, schreibt Wrzesniok-Rossbach. „Auch wenn ein großer Teil des Preisanstiegs vor allem durch kurzfristig orientierte spekulative Anlageentscheidungen mit Blick auf die geplante Börseneinführung eines Silber-ETFs hervorrufen wurde, kann doch nicht verschwiegen werden, dass der ETF im Anschluss an die Erstnotiz unerwartet erfolgreich gewesen ist. Nahezu 3.800 Tonnen des Metalls sind in den beinahe acht Monaten seit der Börseneinführung gekauft und - bedingt durch die Struktur des Produkts - buchstäblich aus dem Markt genommen worden.“

2008 dürfte der Silberpreis weiter fallen

Außerdem beobachtete der Metallhändler „in den letzten zwölf Monaten eine unglaubliche Nachfrage nach physischem Silber“. Skeptisch sei man aber, ob dies ausreichen werde, um die Aufwärtsbewegung anhalten zu lassen.

Für dieses Jahr erwartet Heraeus einen Durchschnittspreis von 11,95 Dollar je Unze. Dies sei noch immer mehr als der Durchschnitt im vergangenen Jahr, liege aber deutlich unter dem aktuellen Kassakurs. „Für 2008 sehen wir dann den Wert des weißen Metalls weiter fallen, verbunden mit einer steigenden Wahrscheinlichkeit, dass das Silber wieder für längere Zeit im einstelligen Bereich notiert.“

Platin: Ungebremste Nachfrage der Autoindustrie

„Platin ist aufgrund seiner insgesamt eher illiquiden Marktverfassung in keinem der wichtigen Rohstoffindizes vertreten und aus dem gleichen Grund wird es - aller Gerüchte und aller Hoffnungen der Spekulanten zum Trotz - wahrscheinlich auch nie ein Platin-ETF geben“, schreibt Wrzesniok-Rossbach in der Studie. „Die größte Unterstützung für den Platinpreis ging deshalb im vergangenen Jahr nicht auf die Nachfrage von Investoren zurück, sondern war das Ergebnis einer starken fundamentalen Ausgangssituation.“

Dazu gehöre vor allem eine ungebremste Nachfrage durch die Automobilindustrie. Zusätzlich angefacht worden sei der Absatz durch die immer weiter um sich greifende Einführung von Partikelfiltern in dieselgetriebenen Fahrzeugen, die zusätzliche Mengen an Platin erfordere.

2008 dürfte die Platinproduktion zunehmen

In den nächsten Monaten sei ein deutlicher Preisverfall in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 1.000 Dollar je Unze kaum wahrscheinlich. So dürfte die laufende Nachfrage der Automobilindustrie weiter hoch sein. Nur ein dauerhafter Rückgang des Ölpreises auf unter 50 Dollar je Barrel könnte dieses Szenario bedrohen. Stützend sollten sich auch neue Absicherungsgeschäfte auswirken, die dafür sorgen dürften, dass der Platinpreis zunächst nicht unter 1.050 Dollar je Unze sinke. „Möglicherweise bildet dieses Niveau dann auch schon für das ganze Jahr den maximal erreichbaren Tiefstkurs.“

Im Jahresdurchschnitt rechnet Heraeus mit Preis von 1.173 Dollar je Unze. „Spätestens im Jahr 2008 sollte dann die steigende Produktion in Südafrika für ein niedrigeres Preisband sorgen, dessen Untergrenze wir bei 875 Dollar je Unze erwarten und dessen oberes Ende dann bei 'nur noch' 1.300 Dollar je Unze liegen könnte.“

Palladium: Marktbeobachter sind sich nicht einig

Zu Palladium bemerkt Heraeus, dass derzeit wohl kein Metall bei den Marktbeobachtern so umstritten ist: „Während die Pessimisten auf erhebliche, bisher noch ungenutzte Metallvorräte hinweisen (Experten nennen eine Menge von bis zu zwei Jahresproduktionen), verweisen die Bullen darauf, dass das Metall schon seit geraumer Zeit ein Defizit zwischen Neuproduktion einerseits und Verbrauch andererseits aufweist und es deshalb nur eine Frage der Zeit sei, bis das überschüssige Material aufgebraucht sei.“

Die Metallhandelsgesellschaft erwartet in diesem Jahr eine steigende Produktion. Einer der Gründe dafür sei die Expansion der südafrikanischen Minenindustrie, wo bei der Produktion von Platin aufgrund der veränderten Erzzusammensetzung bei neueren Projekten mehr Palladium als in der Vergangenheit anfalle.

Heraeus bleibt für Palladium „positiv gestimmt“

„Auch in diesem Jahr bleiben wir für das Palladium positiv gestimmt, nicht zuletzt aufgrund dessen, dass die Weltwirtschaft allem Anschein nach nicht an Schwung verlieren wird“, schreibt Wrzesniok-Rossbach.

Der Durchschnittspreis könnte 2007 auf etwas über 350 Dollar je Unze steigen und damit am Ende zwölf Prozent über dem Wert des Vorjahres liegen. „Für 2008 schließen wir eine nochmalige Erhöhung des Durchschnitts nicht aus, in diesem Fall wäre das Palladium für die nächsten 24 Monate prozentual gesehen die neue Nummer eins unter den vier wichtigsten Edelmetallen.“

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