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Down under Weihnachtsgeschenke der australischen Zentralbank

 ·  Die Börse in Sydney haussiert weiter. Rohstoffanlagen werden bei den Investoren auf dem fünften Kontinent bevorzugt.

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Kein Geschäft in Sydney, aus dessen Lautsprechern nicht „Jingle Bells“ oder andere Weihnachtsklassiker in Endlosschleife schallten. Erste Läden haben ihre Waren schon heruntergezeichnet. Der ganz große Kaufrausch wird freilich erst an „Boxing Day“, dem zweiten Weihnachtsfeiertag einsetzen. Wer auf gute Preise spekuliert, hält sein Pulver deshalb noch trocken. Börsianer könnte ein solches Abwarten teuer zu stehen kommen. Denn nur dann, wenn sich in Amerika ein Engpass ergibt oder China eine „harte Landung“ - ein Wachstum unterhalb von 6 Prozent - hinlegt, dürfte sich der Aktienmarkt in „Down Under“ abkühlen.

Aktionären bietet sich mehrere Vorteile

Bislang bietet Australien Aktionären gleich mehrere Vorteile: Die Unternehmen arbeiten nach westlichen Standards. Viele sind rund um den Rohstoffsektor tätig, und der brummt, solange die Nachfrage aus Asien hoch bleibt. Und so lange bleibt auch der Außenwert des Australischen Dollar stark. Europäische Aktionäre können damit am anderen Ende der Welt mit gut geführten Unternehmen auf den Aufschwung Asiens in einer Währung wetten, die inzwischen auch mehr und mehr westlichen Zentralbanken als Fluchtwährung gilt. Für solch eine Wette bieten sich je nach Risikoprofil des Anlegers die klassischen Bodenschatzkonzerne wie BHP Billiton, Rio Tinto oder auch die schwerer einzuschätzende Fortescue an.

Auch die australischen Banken bieten relative Sicherheit bei akzeptabler Dividende: An diesem Montag testierte die Ratingagentur Fitch den Banken ausreichendes Gewicht: „Australische Banken besitzen dank ihrer verbesserten Bilanz und solider Profitabilität die Stärke, ein langsameres Wachstum 2013 auszuhalten.“ Lässt man sich tiefer auf den Markt ein, lohnt sich der Blick auf die Zinspolitik. Mit 3 Prozent klingt der Leitzins nur für europäische Verhältnisse hoch. In Australien führte die Rücknahme der Zinsen um 175 Basispunkte innerhalb der vergangenen 13 Monate zum niedrigsten Zinsniveau seit der Finanzkrise 2009.

Abhängigkeit vom Minengeschäft

Analysten erwarten nun, die Zinsen könnten im nächsten Jahr um weitere mindestens 30 Basispunkte fallen. Der Zins für Spareinlagen dürfte damit unter die 4-Prozent-Hürde gleiten. Am heutigen Dienstag werden die Zentralbanker ihre Zinssenkung um weitere 25 Basispunkte auf der Dezembersitzung erklären. Zweifelsohne bemühen sie sich, die australische Volkswirtschaft weg von der Abhängigkeit vom Minengeschäft und hin zu einem Konsummarkt zu manövrieren. Hintergrund ist der erwartete Höhepunkt der Investitionstätigkeit im Rohstoffsektor: Erwartet für 2014, könnte er schon heute erreicht sein. Dann aber muss der heimische Konsum einen Rückgang auffangen, soll nicht die gesamte Volkswirtschaft leiden.

Noch niedrigere Zinsen dürften auf die Nachfrage nach dem „Aussie“ nur begrenzte Auswirkungen haben. Denn sein wichtigstes Kriterium ist die Sicherheit, nicht der „Carry Trade“, bei dem Anleger Zinsdifferenzen zu ihren Gunsten ausspielen. Gegenwind kommt aus anderer Richtung: Die Ratingagenturen haben Canberra gewarnt, dass die Bewertung des Landes mit der Bestnote „AAA“ nicht in Stein gemeißelt ist.

Noch teilt sie sich Australien mit Dänemark, Kanada, Schweden, Norwegen, der Schweiz und Singapur. Rückte die Regierung aber von ihrem Ziel ab, einen Überschuss zu erwirtschaften, könnte sich dies ändern. Kyran Curry, der für Standard & Poor’s staatliche Risiken bewertet, zog jüngst mit erhobenem Zeigefinger gar einen Vergleich zwischen Australien und Spanien, das Land habe auch innerhalb kürzester Zeit seine Rücklagen aufgebraucht. Das Risiko geht vor allem zurück auf die Abhängigkeit Australiens von China: Die Ausfuhr dorthin machte bis zum Jahr 2000 weniger als 5 Prozent des gesamten Exports aus. Heute liegt der Wert bei fast 30 Prozent, während der Exportanteil nach Europa, Japan und Amerika gefallen ist.

Interessante Werte

Niedrigere Zinsen würden aber auch Australier in ihren eigenen Aktienmarkt treiben. Die jüngste Entwicklung des Marktes belegt dies. Seit den Zinssenkungen ab Ende Juni hat der australische Aktienmarkt 13 Prozent an Wert gewonnen. Kapitalerhöhungen der Unternehmen sind überzeichnet. Und schon jetzt zeichnet sich starkes Interesse an dem für Anfang 2013 geplanten Börsengang des Internetunternehmens iSelect ab, der bislang lediglich mit 300 Millionen australischen Dollar angekündigt ist.

Welche Werte also könnten interessant sein? Die sicherste Lösung, um die Asienphantasie, die Verlässlichkeit der australischen Volkswirtschaft und einen starken australischen Dollar zu spielen, ist der kostengünstige Kauf des Index der Börse in Sydney. Wer tiefer graben will, traut sich die großen Rohstoffwerte zu und setzt damit auf die weiterhin hohe Nachfrage aus Asien. Solange der Preis für Eisenerz oberhalb von 100 Dollar je Tonne bleibt, dürften die Kurse der großen Produzenten nach dem Rückgang in den vergangenen Monaten gepolstert sein. Für Spezialisten bietet auch Australien eine nicht endende Auswahl spekulativer Werte: Der Blutplasma-Hersteller CSL oder Cochlear, Weltmarktführer für Transplantate im Ohr, werden derzeit über ihrem von Analysten berechneten „fairen Wert“ gehandelt.

Ein Rückgang des Marktes könnte einen Einstieg bieten. Marktenge Werte wie Burru Energy, die von 50 Cents Anfang 2011 auf mehr als 3 Dollar stiegen, bieten demjenigen Chancen, der mehr wagen will. Vorsicht indes ist bei einem Klassiker und bisherigen Liebling der Börsianer geboten: Treasury Wine Estates, die Abspaltung des Weingeschäftes aus dem Foster’s-Konzern, ist überreizt. Im August 2011 lag der Preis je Aktie bei 3 australischen Dollar. Heute notiert die Aktie um die 5 Dollar. Dabei hat das Management gerade vor geringeren Gewinnen gewarnt. Zum Anstoßen an der Weihnachtstafel aber eignen sich die Rotweine der Marken Lindemans, Penfolds oder Wolf Blass auch am kommenden Montag noch bestens.

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