17.09.2009 · Der Dollar ist schwach. Kritische Anleger reden angesichts der von den Zentralbanken verfolgten Strategien von „geldpolitischem Durchfall“. Das Interesse ausländischer Privatanleger an amerikanischen Zinspapieren scheint immer geringer zu werden.
Der Dollar ist schwach. Mit Kursen von bis zu 1,4768 Dollar erreichte der Kurs am Donnerstag im Tagesverlauf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Der Trend zeigt weiterhin nach oben - und da immer mehr Einheiten der amerikanischen Währung notwendig werden, um einen Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können, wird er immer schwächer.
Die Schwäche ist nicht nur auf den Euro bezogen, sondern sie zeigt sich auch gegen viele andere Währungen und vor allem auch in Form steigender Energie- und Metallpreise. Der Dollarindex, der so etwas wie einen handelsgewichteten Dollarkurs darstellt, liegt mit 76,06 auf dem tiefsten Stand seit August des vergangenen Jahres. Das Allzeittief von etwas mehr als 71 Indexpunkten, das im März des vergangenen Jahres erreicht worden war, ist in greifbare Nähe gerückt. Der Dollar-Goldpreis markiert schon seit Tagen ein Rekordhoch nach dem anderen.
Hoher Risikoapptit - schwacher Dollar
Die Dollarschwäche ist kurzfristig das Resultat des hohen Risikoappetits der internationalen Anleger. Er führt einerseits dazu, dass amerikanische Institutionelle angesichts der verhaltenen Wachstumsaussichten im Binnenmarkt immer mehr Gelder auf der Suche nach attraktiven Renditen ins Ausland transferieren. Dazu kommen die extrem tiefen Zinsen und die „quantitativen Strategien“ der amerikanischen Zentralbank, die im Kern nichts anderes sind, als die Monetarisierung der amerikanischen Staatsschulden.
Diese Kombination führt dazu, dass der Dollar immer mehr zu einer internationalen Finanzierungswährung wird. Denn nichts ist schöner für ausländische Anleger, als sich mit extrem geringen Zinsen in einer abwertenden Währung verschulden zu können, um die aufgenommenen Mittel in boomenden Märkten rentierlich anzulegen. Allerdings werden langsam jene Anleger misstrauisch, die ihre Gelder in amerikanische Staatsanleihen investiert haben. Sie fragen sich zunehmend, was diese Papiere bei einer schwachen Währung und vor allem auch im Blick auf das wegen der rasant zunehmenden Staatsverschuldung ebenso rasant zunehmende Angebot künftig noch Wert sein werden.
Misstrauen dieser Art zeigt sich in Äußerungen, die der Kundenpräsentation einer Anlagegesellschaft Katars zu entnehmen ist. Dort ist in Bezug auf die Strategien der amerikanischen, europäischen und nicht zuletzt auch der chinesischen Zentralbanken, die Märkte mit billigem Geld zu fluten, von „geldpolitischem Durchfall“ die Rede. Die starke Verschuldung weltweit bleibe ein Problem, der notwendige Entschuldungprozess werde noch lange dauern und man glaube nicht, dass er in ein paar wenigen Quartalen abzuschließen sei, heißt es dort. Das Pikante: Staaten wie Katar gehören aufgrund der riesigen Einnahmeüberschüsse zu den großen Gläubigern.
Kritische Anleger reden von „geldpolitischm Durchfall“
Das zunehmende Misstrauen zeigt sich auch darin, dass die Kapitalzuflüsse in die Vereinigten Staaten von privater Seite aus dem Ausland im Trend zurückgehen, obwohl der amerikanische Kapitalbedarf wegen dem notorischen Leistungsbilanzdefizit und der zunehmenden Verschuldung steigt. Das Congressional Budget Office geht davon aus, dass sie von voraussichtlich knapp zwölf Billionen Dollar im laufenden Jahr auf bis zu knapp 21 Billionen Dollar in zehn Jahren zunehmen kann.
Immer mehr Anleger fragen sich, wer sie zu den aktuellen Konditionen finanzieren kann und will unter Berücksichtigung der Tatsache, dass auch andere Staaten ihre Verschuldung ebenfalls rasant erhöhen. Faktisch sieht die amerikanische Finanzsituation angespannter aus, als sie gemeinhin dargestellt wird. Rechnet man alle Schattenhaushalte mit ein, so liegt die amerikanische Gesamtverschuldung bei mehr als 350 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Schon jetzt werden große Teile der amerikanischen Treasuries unter so genannten „Intragovernmental Holdings“ verbucht. Sie stellen eigentlich Vermögenswerte zur Sicherung künftiger Verbindlichkeiten im Sozial- und Gesundheitswesen dar. Allerdings wurden diese Mittel auf Umwegen schon ausgegeben.
Letztlich lassen sich die Verbindlichkeiten also nur durch Steuererhöhungen, noch stärkere Verschuldung oder die Kappung von Ausgaben begleichen. Jeder dieser Strategien schränkt jedoch reale Wachstumsmöglichkeiten ein. Aus solchen Gründen kann die Dollarschwäche grundsätzlich kaum überraschen.
Das schließt jedoch vorübergehende Aufwertungsbewegungen nicht aus, wie sie im vergangenen Jahr zu beobachten gewesen waren. Erstens kann es immer dann dazu kommen, wenn amerikanische Anleger Vermögenswerte im Ausland liquidieren und repatriieren. Zum Beispiel dann, wenn die optimistischen Wachstumserwartungen, die im Moment die Märkte beflügeln, enttäuscht werden.
Es ist in Tat und Wahrheit noch viel schlimmer!
Christoph Gruber (christophgruber)
- 17.09.2009, 19:52 Uhr
auf bis zu knapp 21 Billionen Dollar in zehn Jahren zunehmen kann.
Konrad Fit (Einstein-1)
- 19.09.2009, 01:02 Uhr
Dollar steigt, Öl fällt
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 22.09.2009, 05:51 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |