12.08.2010 · Der Dollar hat seine jüngste Schwächeperiode gegenüber dem Euro beendet. Obwohl auch die Konjunkturdaten aus Amerika schwach ausfallen, kostet ein Euro jetzt wieder deutlich weniger als 1,30 Dollar. Was hilft ist der Status als Hort der Sicherheit.
Immer wenn es brennt, greifen die Teilnehmer am Devisenmarkt fast schon reflexartig zum Dollar. Zumindest ist dies das momentan typische Verhalten im Verhältnis zum Euro. In dieser Woche ist dieses Phänomen jedenfalls wieder einmal zu beobachten. Ablesen lässt sich das an einem Greenback, der im Verhältnis zum Dollar am Donnerstag im Tief wieder bis auf unter 1,28 Dollar zurückgefallen ist, nachdem er am Freitag kurzzeitig sogar die Marke von 1,33 Dollar touchiert hatte.
Ein Rückgang von fünf Cents in nur fünf Tagen ist happig und ist es schwierig, ihn rational nachzuvollziehen. Denn der Dollar legte auch jetzt wieder ausgerechnet in einer Zeit zu, in der nicht zuletzt aus Amerika negative Konjunkturnachrichten kamen. Gut, auch in der Eurozone ist die Industrieproduktion im Juni überraschend gesunken und in Griechenland ist die Wirtschaft im zweiten Quartal mit 1,5 Prozent stärker geschrumpft als erwartet.
Doch in Übersee sind nicht nur vergangenen Freitag die monatlichen Arbeitsmarktdaten ernüchternd ausgefallen, sondern auch die am Berichtstag vorgelegten wöchentlichen Zahlen. Konkret ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der abgelaufenen Woche um 2.000 auf 484.000 gestiegen. Ökonomen hatten hingegen einen Rückgang auf 465.000 Anträge erwartet. Wie am Mittwoch gemeldet wurde, bewegt sich das Handelsbilanzdefizit der Amerikaner schon wieder auf einem 21-Monatshoch.
Dollar profitiert trotz der nicht zuletzt aus Amerika kommenden Konjunktursorgen
Außerdem wartete die amerikanische Notenbank zwischenzeitlich mit einem skeptischeren Konjunkturausblick auf sowie mit der Entscheidung, den Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik zu unterbrechen. Zwar geht die Federal Reserve davon aus, dass sich die konjunkturelle Erholung fortsetzen wird, doch rechnen die Notenbanker damit, dass der Aufschwung in der nächsten Zeit weniger dynamisch ausfällt als ursprünglich erwartet. Von daher hat man beschlossen, fällig werdende Wertpapiere, die die Fed auf der eigenen Bilanz hält, nicht wie bisher auslaufen zu lassen, sondern die Einnahmen wieder zu reinvestieren, wie die Analysten von M.M.Warburg erklären. Darüber hinaus hat die Federal Reserve von San Francisco in einer Studie eine neuerliche Rezession in Amerika in den kommenden zwei Jahren als eine erhebliche Gefahr bezeichnet.
Doch die mit allen diesen Meldungen einhergehende Verunsicherung der Marktteilnehmer geht im Verhältnis von Euro zum Dollar nur zu Lasten der europäischen Einheitswährung. Was Amerikas Landeswährung hilft, ist der traditionelle Status als Hort der Sicherheit. Wobei beim Blick auf die hohen Schuldenberge in Amerika fraglich ist, ob dieser Status überhaupt noch gerechtfertigt ist. Aber bereits auf dem Höhepunkt der jüngsten Euro-Krise hatte der Dollar zum Euro oft auch dann zugelegt, wenn sich die Konjunktur in Amerika ebenfalls schlecht präsentierte.
Viele Marktteilnehmer wie Omer Esiner, Chefanalyst beim Devisenbroker Commonwealth Foreign Exchange Inc. denken jedenfalls trotz allem noch in den alten Denkmustern. „In einem Umfeld mit bereits geringer Risikoneigung führen diese Arbeitsmarktdaten nicht dazu, die Stimmung zu heben. Ich sehe weiter Druck auf Aktien, Rohstoffe, und Schwellenländeranlagen und eine anhaltende Stärke des Dollar.“
Analysten sehen den Dollar jetzt kurzfristig wieder im Aufwind
Auch die Analysten bei der österreichischen RZB gehen davon aus, dass die seit Juni bestehende Kurserholung des Euro zum Dollar mit der jüngsten Kursbewegung gestoppt sein dürfte. Als nächstes Kursziel sieht man in Wien ein Niveau von 1,25 Dollar, was sich mit der hauseigenen Prognose für September deckt.
Kaum Chancen auf eine Rückkehr zu Kursen von über 1,30 Dollar traut auch Armin Mekelburg von der UniCredit Bank dem Euro nicht zu. Zumindest solange nicht, wie das Umfeld an den Finanzmärkten risikoavers bleibt. Bei der Commerzbank sehen das die Devisenexperten ähnlich. Sie gehen davon aus, dass die Parität Euro-Dollar zunächst ein Top gebildet hat. Als nächste Ziel werden hier unter charttechnischen Aspekten das Tief vom 21. Juli bei 1,2732 Dollar, das Hoch vom 21. Mai bei 1,2673 Dollar sowie die Juni bis August Aufwärtstrendlinie bei 1,2701 Dollar anvisiert. Unterhalb dieser Unterstützungen befindet sich die 55-Tagelinie bei 1,2592 Dollar, was die Commerzbank für die kommenden Tagen als Kursziel vorgegeben hat.
Zusammengefasst sieht es somit unter kurzfristigen Aspekten derzeit eher ungünstig für den Euro aus. Ein wieder Erstarken ist aber dann möglich, wenn sich wirklich abzeichnen sollte, dass die Notenbank in Amerika wirklich noch einmal in ihre Zinstrickkiste greift und eine noch expansivere Geldpolitik verfolgt und die Europäische Zentralbank gleichzeitig an ihrer Vorgehensweise unverändert festhält.
Haben Sie schon mal etwas von CDS vernommen?
Martin Streit (Streit100)
- 13.08.2010, 01:24 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |