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Geldirrtümer : Die hinterhältige Geldentwertung

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Wie umgehen mit der Sorge um eine Inflation? Als Anleger ist man zwischen zwei Risiken eingeklemmt. Bild: SIS

Sachwerte wie Aktien und Häuser schützen vor Inflation, heißt es immer. Doch die Idee der klassische Güterpreisinflation greift zu kurz. Warum?

          Man trägt das Geld in Rucksäcken, die Währung wird in Kilo bemessen: Für 100 amerikanische Dollar bekommt man anderthalb Kilo heimisches Geld. Geldautomaten werden mehrmals am Tag nachgefüllt, sie verschleißen rapide. Geldtransporter bleiben auf dem Hof, überfallen werden sie längst nicht mehr – das lohnt sich nicht.

          Entführer verlangen harte Devisen statt heimischer Weichwährung, Banknotenfälscher haben sich auf ausländische Währungen spezialisiert – die heimische Währung zu fälschen lohnt nicht. Willkommen im Venezuela des 21. Jahrhunderts. Vetternwirtschaft, sozialistische Experimente, Preisstopps und hohe Staatsschulden werden mit der Druckerpresse finanziert – mit vorhersehbarem Ergebnis, einer Inflationsrate im vierstelligen Bereich.

          Die Deutschen kennen das, sie tragen in ihrer DNA noch die Erinnerung an die Hyperinflation von 1923, als die Menschen ihr Geld mit Schubkarren transportierten. Wurden sie überfallen, kippten die Räuber das Geld aus und verschwanden mit dem Schubkarren.

          Verglichen mit der ungarischen Inflation des Jahres 1945 allerdings, ist das nicht die Spitze: Während die monatliche Inflationsrate im Deutschen Reich in der Spitze bei knapp 30 000 Prozent pro Monat lag, erreichte sie in Ungarn 4,1 Quadrillionen Prozent, eine vier mit 16 Nullen. Die Preise verdoppelten sich alle 15 Stunden.

          Mit der Erfindung des Geldes beginnt die Geschichte der Inflation

          Inflationen sind kein Privileg der Neuzeit. Mit der Erfindung des Geldes beginnt die Geschichte der Inflation, und sie verläuft 2000 Jahre nach einem festen Muster in fünf Akten. Am Anfang des ersten Aktes steht ein verschuldeter Staat, der Geld in Umlauf bringt, das anfänglich durch Werte – Land, Gebäude, Edelmetalle, zukünftige Steuereinnahmen oder Einnahmen aus Staatsgeschäften – gedeckt ist. Anfangs funktioniert das oft: Der Staat kann seine Schulden begleichen, die Wirtschaft wird durch zusätzliches Geld belebt, Produktion und Wohlstand steigen.

          Im zweiten Akt allerdings wird der Staat übermütig, erhöht die Geldmenge, vernachlässigt die Deckung dieses Geldes durch Werte, meist steigt das staatliche Defizit weiter. Im dritten Akt führt das Gebräu aus steigenden Schulden und steigender Inflation zu einer Wirtschafts- und Vertrauenskrise, weswegen im vierten Akt verzweifelte Versuche erfolgen, die Katastrophe zu verhindern:

          Preisstopps und andere Zwangsmaßnahmen verhindern aber nicht den Zusammenbruch der Wirtschaft, die Implosion der inflationierten Währung und die schmerzhafte Reform des Währungssystems im fünften Akt.

          Etwas Entscheidendes hat sich im Inflations-Drehbuch geändert

          Über 2000 Jahre hinweg hat sich dieses Drehbuch bewährt, doch heute scheint es sich geändert zu haben – bisweilen wird sogar der Tod der Inflation ausgerufen. Eine Idee, die sich gerechtfertigt sieht, indem sie auf die Kombination aus hohen Staatsschulden und dramatisch steigenden Geldmengen verweist, die entgegen dem üblichen Drehbuch bisher kaum steigende Preise hervorgebracht hat. Die aktuelle Teuerungsrate in Deutschland liegt bei gerade einmal zwei Prozent. Was ist los mit der Inflation?

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