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Veröffentlicht: 30.10.2014, 08:52 Uhr

Umbruch auf dem Erdölmarkt Ölpreisrutsch bedroht Amerikas Frackingwunder

Die Vereinigten Staaten haben Schieferöl im Überfluss – aber die Förderung ist teuer. Wie lange rechnet sich das Geschäft noch angesichts fallender Preise?

von , London
© AFP Erdölgewinnung im kalifornischen Monterey: Durch Fracking wurde der Markt grundlegend verändert

Der Preisverfall am internationalen Ölmarkt setzt Fragezeichen hinter den Ölrausch in Nordamerika. Das rasante Wachstum der Schieferölförderung in den Vereinigten Staaten hat in den vergangenen Jahren den globalen Energiemarkt auf den Kopf gestellt. Doch nun könnten wegen der niedrigen Preise viele Bohrlöcher unwirtschaftlich werden. „Als allererstes wird es das Schieferöl treffen“, erwartet Abdalla Salem El-Badri, der Generalsekretär des Erdölförderkartells Opec, das von den Ölstaaten im Nahen Osten dominiert wird. Auf dem derzeitigen Preisniveau könnte sich die amerikanische Schieferölförderung halbieren, glaubt El-Badri.

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„Wenn die Preise weiter bei 85 Dollar liegen, werden wir sehen, dass viele Investitionen, viele Projekte und viel Öl vom Markt verschwinden“, sagte der Libyer am Mittwoch auf der Branchenkonferenz Oil & Money in London. Die Förderung von Schieferöl mithilfe der sogenannten Fracking-Methode ist deutlich teurer als die konventionelle Ölförderung. Die Unternehmen in der Branche sind deshalb auf einen relativ hohen Ölpreis angewiesen. Öl ist jedoch wegen der schwächelnden Weltkonjunktur und dem starken Wachstum der amerikanischen Ölförderung seit Juni um rund ein Viertel billiger geworden.

Der Opec-Mann El-Badri warnte in London vor „Panikreaktionen“ am Ölmarkt. Die Fundamentaldaten rechtfertigten die starke Preiskorrektur nicht. „Nachfrage und Angebot wachsen weiter“, sagte er. El-Badris Äußerungen gaben dem Ölpreis am Mittwoch Auftrieb: Die Notierung der Nordsee-Ölsorte Brent stieg um 1,2 Prozent auf 87,02 Dollar je Fass (zu 159 Liter). Der Preis der amerikanischen Sorte WTI kletterte um 0,9 Prozent auf 82,14 Dollar.

Sinkende Ölpreise machen Ölförderung unrentabel

Die Vereinigten Staaten lösen vor allem dank des Schieferöl-Aufschwungs dieses Jahr voraussichtlich das Opec-Land Saudi-Arabien als größtes Förderland der Welt ab. Seit 2008 ist die zuvor lange rückläufige amerikanische Produktionsmenge um rund die Hälfte gestiegen. Auf die amerikanische Wirtschaft wirkt die Energieschwemme wie ein gewaltiges Konjunkturprogramm: Volkswirte schätzen, dass rund die Hälfte des Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren auf die Förderung von Schieferöl und Schiefergas zurückzuführen ist.

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Doch der Opec-Generalsekretär ist nicht der einzige Branchenexperte, der wegen der niedrigeren Preise vor Schwierigkeiten für die Boombranche warnt: Die Rohstoffexperten der Deutschen Bank schätzen, dass bei einem Preis von 80 Dollar je Fass rund 40 Prozent der Schieferölförderung unrentabel werden.

In der Branche spielen kleinere Ölgesellschaften eine wichtige Rolle. Wegen ihrer geringeren Finanzkraft könnten sie sich schwer tun, eine längere Durststrecke niedriger Preise zu überstehen. Genau damit allerdings rechnen Analysten: Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs senkte diese Woche ihre Prognose für den WTI-Ölpreis im ersten Quartal 2015 von 90 Dollar auf 75 Dollar je Fass.

„Die schwächeren Marktteilnehmer werden leiden“

Immer stärker zeichnet sich ein Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien als dem führenden Opec-Förderland und den amerikanischen Schieferölproduzenten ab. Die Saudis geben bisher keinerlei Signale, dass sie bereit sind, ihre Förderung zu drosseln, um die Preise zu stabilisieren. Damit steuern Saudi-Arabien und die Vereinigten Staaten auf eine Kraftprobe zu: Wer hält die niedrigen Preise länger aus? Saudi-Arabien braucht einen Ölpreis von knapp 95 Dollar um seinen Staatshaushalt auszugleichen. Andere Opec-Mitglieder wie Iran, Venezuela und Nigeria, benötigen dafür Preise von 120 bis 140 Dollar. Mit Spannung wird deshalb die nächste Opec-Tagung am 27. November erwartet.

Infografik / Chart / Rohöl © F.A.Z. Vergrößern Auf Talfahrt: Der Rohölpreis ist in den letzten Monaten stark gefallen

Aber auch die Schieferölproduzenten haben bereits Schwierigkeiten. Bei vielen dieser Unternehmen gebe es wegen der niedrigen Preise „massive Verwerfungen“, sagte Ayman Asfari, Vorstandschef der britischen Ölgesellschaft Petrofac auf dem Kongress in London. „Die schwächeren Marktteilnehmer werden leiden, aber deshalb ist nicht die gesamte amerikanische Schieferölbranche dem Untergang geweiht“, erwartet John Knight, der Strategiechef des norwegischen Statoil-Konzerns.

Marianne Kah, Chefökonomin des amerikanischen Ölunternehmens Conoco-Phillips glaubt, dass es für die kleineren Schieferölgesellschaften erst nach etwa einem Jahr mit niedrigen Preisen eng werden wird. „Das wird nicht so schnell gehen, wie viele meinen“, sagte Kah in London.

© DW, Deutsche Welle Alternative Fracking: Die Angst vor verschmutztem Grundwasser
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