http://www.faz.net/-gv6-8anqq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Aktualisiert: 26.11.2015, 19:49 Uhr

Euro-Abwertung Die Sorgen der Euronachbarländer

Eine Abwertung des Euros hat Folgen für die Euronachbarländer. Was sagen die Zentralbanken in Dänemark, Schweden und der Schweiz dazu?

von
© Reuters Lockert die EZB ihre Geldpolitik, könnte die Schweizerische Nationalbank sich unter Handlungszwang gesetzt sehen.

An den Finanzmärkten gilt eine Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche als nahezu sicher. Daran dürften auch die neuen Daten aus der EZB nichts ändern. Sie zeigen für den Oktober ein überraschend kräftiges Wachstum der Geldmenge M3 um 5,3 Prozent, das vor allem durch eine lebhaftere Kreditvergabe an Unternehmen zustande kam. Die EZB wünscht sich eine lebhaftere Kreditvergabe; sie dürfte sich nach Ansicht vieler Marktteilnehmer durch die guten Oktober-Daten von einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik nicht abbringen lassen.

Gerald Braunberger Folgen:

An den Finanzmärkten fragt man sich auch: Was bedeutet eine Lockerung der EZB-Geldpolitik und eine damit womöglich verbundene zusätzliche Schwäche des Euros am Devisenmarkt für Nachbarländer, die auf den Wechselkurs ihrer Währung gegenüber dem Euro achten?

Ein solches Land ist die Schweiz, deren Franken im Januar sehr kräftig gegenüber dem Euro aufwertete. Mittlerweile hat sich der Euro mit Kursen um 1,08 Franken ein wenig erholt, aber die Schweiz bezahlt den aus konjunkturellen Gründen willkommenen etwas schwächeren Franken mit den niedrigsten Zinsen in der Welt. Nicht nur kurzfristige Anlagen, sondern sogar Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeiten weisen eine Negativrendite aus. Eine Lockerung durch die EZB könnte die Schweizerische Nationalbank unter Handlungszwang setzen.

Kurzfristiger Zins bereits außergewöhnlich niedrig

Sicherlich nicht zufällig hat Nationalbankpräsident Thomas Jordan in diesen Tagen in einem Gespräch mit der schweizerischen „Handelszeitung“ das geldpolitische Credo der Nationalbank klargestellt. Demnach ist der Franken auch auf dem aktuellen Kursniveau überbewertet. Und die Nationalbank verfüge über zwei Instrumente, um bei Bedarf einzugreifen: den Zinssatz und Käufe von Fremdwährungen. Der Einsatz dieser Instrumente wäre in der Eidgenossenschaft aber kaum populär. Der kurzfristige Zins ist bereits außergewöhnlich niedrig, und ein neuerlicher Aufbau der Währungsreserven könnte wegen der aus künftigen Wertberichtigungen auf die Fremdwährungen entstehenden Verlustgefahren auf Kritik stoßen.

© dpa, reuters Der neue 20-Euro-Schein ist da

Die Analysten der schweizerischen Großbank UBS glauben jedenfalls nicht daran, dass die Nationalbank den Zinssatz, der für bestimmte Einlagen von Geschäftsbanken bei ihr gezahlt werden muss, von derzeit minus 0,75 Prozent noch einmal senkt. Dies gilt unter der Annahme, dass der Wechselkurs zum Euro innerhalb eines Bands von 1,07 bis 1,10 Franken gehalten werden kann. Auch die skandinavische Großbank Nordea hält eine Zinssenkung nicht für sehr wahrscheinlich. Dies wäre aus ihrer Sicht eine gute Nachricht auch für Kopenhagen, denn wenn die EZB und die Schweizerische Nationalbank beide ihre Zinsen senken sollten, geriete auch die Nationalbank in Dänemark unter erheblichen Druck.

Denn während in der Schweiz die Nationalbank zwar auf den Wechselkurs achtet, aber kein festes Kursziel verfolgt, besteht die gesamte Ratio der dänischen Geldpolitik in einer Stabilisierung des Wechselkurses von dänischer Krone und Euro. Der Zielkurs beträgt 7,46038 Kronen für einen Euro, und offiziell darf der Marktkurs um bis zu 2,25 Prozent nach oben oder nach unten abweichen. In der Praxis toleriert die Nationalbank in Kopenhagen aber nur deutlich geringere Aufwertungen der Krone.

Keine deutliche Aufwertung der schwedischen Krone erwünscht

Diese sehr starre geldpolitische Konzeption sorgte in den ersten Monaten des Jahres für hektisches Treiben in Kopenhagen, als die Krone unter starken Aufwertungsdruck geriet. Die Nationalbank verhängte Negativzinsen und intervenierte am Devisenmarkt; außerdem begab das Finanzministerium über längere Zeit keine neuen mehrjährigen Staatsanleihen mehr, um das Angebot an diesen Papieren zu verknappen.

Mehr zum Thema

Seit Juni hat sich die Lage aber entspannt, und so liegt der Wechselkurs gegenwärtig mit 7,4602 Kronen ziemlich genau dort, wo ihn sich die Nationalbank wünscht. Im Gegenzug beginnt der Markt, eine Senkung des kurzfristigen Leitzinses einzupreisen: Innerhalb von drei Tagen ist die Rendite zweijähriger Staatsanleihen von minus 0,68 auf minus 0,82 Prozent gestiegen. Die Analysten von Nordea haben ihren Kunden geraten, Euro in Kronen zu tauschen. Neuerlicher Aufwertungsdruck auf die Krone sei wahrscheinlich, auch wenn er nicht so stark werden dürfte wie zu Jahresbeginn.

Infografik / Steigende Zinskurven © F.A.Z. Vergrößern

In Schweden verfolgt die Reichsbank zwar kein offizielles Wechselkursziel, aber in der Kommunikation ihrer Spitzenleute stellt die Reichsbank seit langem klar, dass sie keine deutliche Aufwertung der schwedischen Krone wünscht, weil dies den erhofften leichten Anstieg der Inflationsrate verhindern könnte. Die Analysten der japanischen Investmentbank Nomura gehen daher davon aus, dass die Reichsbank nach einer Lockerung durch die EZB ihren Leitzins um 10 bis 15 Basispunkte senken wird. Der schwedische Leitzins liegt seit Juli bei minus 0,35 Prozent. Auf mittlere Sicht sehen die Analysten von Nordea Aufwertungspotential für die schwedische Krone – eine Ansicht, die unter anderem auch von der Deutschen Bank geteilt wird.

Name Kurs %
EUR/USD -- --
EUR/CHF -- --
EUR/JPY -- --
EUR/GBP -- --
USD/JPY -- --
USD/GBP -- --
Name Kurs %
Gold -- --
Silber -- --
BRENT -- --
WTI Light Sweet Crude Öl -- --
Zur Homepage