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Devisenreserve Unsicherheit über Chinas Euro-Anlagen

27.05.2010 ·  China wird sich nicht aus der europäischen Gemeinschaftswährung zurückziehen. Stattdessen versichert das Land sein dauerhaftes Engagement in den Euro neben der Hauptdesvise Dollar. Der Dax profitiert und gewinnt 3 Prozent.

Von Christian Geinitz und Carsten Germis
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China hat bestritten, sich angesichts der Euro-Schwäche aus der Gemeinschaftswährung zurückziehen zu wollen, und stattdessen sein andauerndes Engagement in Europa versichert. Daraufhin stieg der Euro leicht im Wert, und auch die Aktienmärkte profitierten. Der Dax gewann 3,1 Prozent auf 5937 Punkte. Zuvor hatte die „Financial Times“ gemeldet, hohe Beamte der staatlichen chinesischen Devisenverwaltung (Safe) hätten sich aus Sorge über die Schuldenkrise mit europäischen Bankenvertretern getroffen. „Dieser Bericht entbehrt jeder Grundlage“, teilte die Safe in ungewöhnlich deutlicher Form mit. „Als ein verantwortlicher langfristiger Anleger hat die Safe stets den Grundsatz diversifizierter Investitionen verfolgt. Europa ist und bleibt einer der Hauptmärkte für ausländische Währungsbestände.“ China unterstütze die Stützungsbemühungen der EU und des Internationalen Währungsfonds und sei überzeugt, dass „die Eurozone ihre Schwierigkeiten meistern wird“.

Während China den Euro-Verkauf bestreitet, berichtet in Japan die Wirtschaftszeitung Nikkei von einer Flucht in den australischen und den amerikanischen Dollar. Zu schaffen macht dem Land vor allem die Flucht in den Yen, der gegenüber Euro und Dollar aufwertet. Es sei erstrebenswert, dass die Wechselkurse auf „angemessenem Niveau“ stabil blieben, sagte Finanzminister Naoto Kan und nährte Spekulationen, dass die G-7-Staaten an den Devisenmärkten intervenieren könnten. Japan hat das letztmals 2004 getan. Japanische Analysten berichten, die Sorge sei groß, dass die europäischen Staaten die Probleme nicht abgestimmt angingen. „Die Investoren scheinen sich entschieden zu haben, riskante Anlagen abzuwickeln“, sagte ein Analyst in Tokio.

Klares Dementi einer Euro-Flucht

In China ist die Diskussion um die Devisenreserven in der Krise nicht neu. Neu sind das klare Dementi einer Euro-Flucht und das Bekenntnis zur Diversifikation, also zu fortgesetzten Engagements in Euro neben der Hauptdevise Dollar. Die außergewöhnlich deutlichen Worte könnten auf eine Verunsicherung Chinas hindeuten, dem nichts unwillkommener wäre als ein weiterer Absturz der Währung seines wichtigsten Handelspartners und zweitwichtigsten Devisenmarkts. Da der Yuan an den Dollar gekoppelt ist, hat er gemeinsam gegenüber dem Euro an Wert gewonnen. Seit Jahresbeginn ist der Euro-Kurs um 14,5 Prozent auf 8,41 Yuan gefallen. Nimmt man an, dass China 500 bis 625 Milliarden seiner 2450 Milliarden Dollar Devisenreserven in Euro angelegt hat, beträgt der Buchverlust 73 bis 91 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt Schleswig-Holsteins.

Immer wieder hatte es daher geheißen, China könnte seine Euroanlagen abstoßen oder zumindest die eingeleitete Diversifikation von Dollar in Euro aussetzen. Tatsächlich hat China kürzlich weiter in Dollar investiert. Nach Angaben des amerikanischen Finanzministeriums hat das Land bis Ende März Staatsanleihen für 17,7 Milliarden Dollar gekauft. Mit insgesamt 895,2 Milliarden Dollar ist das Land jetzt wieder größter Gläubiger vor Japan.

Kurse von Exportunternehmen sind stark gefallen

Chinas Außenhandel sieht sich auf doppelte Weise von der Euro-Krise getroffen. Das Handelsministerium warnte kürzlich vor Exportschwierigkeiten, da chinesische Lieferungen teurer würden. Europa nimmt den Chinesen jährlich Waren im Wert von fast 300 Milliarden Dollar ab, mehr als jede andere Region. Der sinkende Euro-Kurs macht zudem einen Wettbewerbsvorteil der Chinesen auf Drittmärkten wett. Bisher hatte sich die EU stets beschwert, dass der Yuan seit seiner Kopplung an den Dollar unterbewertet sei. Auch Japans Ausfuhr bereitet der schwache Euro Sorgen. Die Kurse von Exportunternehmen sind stark gefallen, das gilt für den Spielehersteller Nintendo genauso wie für den Elektrokonzern Toshiba oder den Autohersteller Mazda, der bald jedes dritte seiner Autos in Europa verkauft. Da Japans Wirtschaft seinen derzeitigen Aufschwung aber allein dem Export verdankt, wäre ein weiterer Einbruch des Euro ein hohes Risiko. Der japanische Elektronikkonzern Sony macht fast ein Viertel seiner Umsätze in Europa. Ein schwacher Euro würde den operativen Gewinn mindern. Die meisten japanischen Unternehmen gehen in ihren Prognosen für 2010 von einem Euro-Kurs von 120 bis 125 Yen aus.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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