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Devisenmarkt Zunehmender Risikoappetit - wenn auch selektiv

27.11.2008 ·  Ungeachtet aller schwacher wirtschaftlicher Nachrichten sind die Anleger in den vergangenen Tagen etwas optimistischer geworden. Am Devisenmarkt schwächelt der Schweizer Franken, während Rohstoffwährungen wieder etwas Aufwind haben.

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Ungeachtet aller schwacher wirtschaftlicher Nachrichten sind die Anleger in den vergangenen Tagen offensichtlich etwas optimistischer geworden. Das zeigt sich nicht nur in Form zum Teil deutlicher Kursgewinne an den Börsen, sondern auch am Devisenmarkt.

Dort ist in den vergangenen vier Wochen beispielsweise der Schweizer Franken gegen den Euro deutlich in die Defensive geraten, nachdem er zuvor aufgrund der Turbulenzen den Finanzmärkten deutlich aufgewertet hatte. War der Kurs von Oktober des vergangenen Jahres bis Ende des gleichen Monats im laufenden Jahr von 1,6822 auf bis zu 1,4490 Franken je Euro gefallen, so hat er sich inzwischen wieder deutlich erholt.

Schweiz schwächt Währung durch Zinssenkung

Am Donnerstag sind im professionellen Devisenhandel wieder 1,5485 Franken nötig, um eine Einheit der europäischen Währung erwerben zu können. Zu dieser Kurserholung hat einerseits der zumindest kurzfristig aufgekommene Risikoappetit der Anleger beigetragen. Denn die Korrelation zwischen der Kursentwicklung an den europäischen Börsen und der Schweizer Währung ist relativ ausgeprägt.

Die Entwicklung wird kurzfristig auch durch die Zinspolitik der Schweizer Nationalbank unterstützt. Immerhin hat sie vor einer Woche den Leitzins überraschend und überraschend stark um einen Prozentpunkt auf gerade noch ein Prozent gesenkt. Auf diese Weise scheint sie den Aufwertungsdruck von der eigenen Währung nehmen und die Exportwirtschaft des Landes kompetitiver machen zu wollen.

Allerdings stellt sich die Frage, wie weit diese Intention wird tragen können. Denn erstens wird auch die europäische Zentralbank bald den Leitzins nach unten nehmen. Das heißt, die Zinsdifferenz von gegenwärtig 2,25 Prozentpunkten wird geringer. Zweitens wäre es geradezu fahrlässig, die internationale Verschuldungsspirale - immerhin wurden in den vergangenen Jahren des Booms große Teile von Immobilien in Mittel- und Osteuropa in Schweizer Franken refinanziert - wieder zu beflügeln. Aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten müsste der Franken eher auf- als abwerten.

Rohstoffwährungen haben wieder etwas Aufwind

Der kurzfristig wieder aufgekommene Risikoappetit und der offensichtlich geschwundene Liquiditätsbedarf an Hartwährungen zeigt sich auch an der Entwicklung anderer Währungen, zum Beispiel den rohstoffbezogenen. So haben in den vergangenen vier Wochen der südafrikanische Rand, der kolumbianische Peso sowie der kanadische und der australische Dollar deutlich aufgewertet. Anleger scheinen davon auszugehen, dass sich die Rohstoffpreise entweder im Rahmen einer wirtschaftlichen Erholung oder einer inflationären Entwicklung nach Beendigung der Liquiditätskrise von der ausgeprägten Korrekturbewegung der vergangenen Monate erholen werden.

Auch hier wird sich noch zeigen müssen, ob solche Erwartungen gerechtfertigt sind. Denn erstens sind die Risiken noch lange nicht aus dem Finanzsystem verschwunden. Kritische Analysten wie Christopher Whalen von Institutional Risk Analytics in New York verweisen unter anderem auf den CDS-Markt. Sollten bei steigenden Ausfallraten auch nur 40 Prozent aller ausstehenden Kontrakte mit einem Nominalwert von etwa 50 Billionen Dollar „ins Geld“ kommen, wären Emittenten zu Zahlungen von 15 Billionen Dollar verpflichtet, rechnet er vor. In diesem Falle nähme der Liquiditätsbedarf wieder deutlich zu. Weitere Verkaufswellen an den Märkten wären denkbar. Er hält dieser Schätzung sogar für konservativ.

Schwache Islandkrone - indonesische Rupie leicht erholt vom Verfall

Dramatisch nach unten ging es in den vergangenen Wochen mit der isländischen Krone und der indonesischen Rupie. Die Pleite Islands ist inzwischen hinlänglich bekannt, die Krone ist im Moment nur noch beschränkt handelbar. Die indonesische Währung hatte am deutlichsten unter der Abwendung der internationalen Anleger von den Schwellenländern zu leiden, bevor sie sich in den vergangenen Tagen im Rahmen der allgemeinen Erholung etwas berappeln konnte.

Die Wirtschaft des Landes entwickelt sich zwar noch vergleichsweise robust. Allerdings hatte der Inflationsdruck bis Mitte des Jahres massiv zugenommen und die Zentralbank zu Leitzinserhöhungen gezwungen. Die Jahresveränderungsrate des Index für Großhandelspreise erreichte Ende Juli einen Spitzenwert von 35 Prozent, bevor er im August und September auf zuletzt 27,5 Prozent zurückging.

Das Land hatte von Mitte 2005 bis Mitte 2008 sein Devisenreserven auf bis zu 60 Milliarden Dollar steigern können. Allerdings gingen sie danach auf zuletzt 50 Milliarden Dollar deutlich zurück, da das Land intervenieren musste, um die eigene Währung zu stützen. Der Risikoappetit der Anleger wird noch weiter zunehmen müssen, um zu einer weiteren Aufwertung führen zu können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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