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Devisenmarkt Zinsspekulationen treiben das Pfund auf neue Mehrjahreshochs

24.01.2007 ·  Das britische Pfund ist zum Euro auf den höchsten Stand seit Anfang 2003 geklettert und zum Dollar sogar auf das höchste Niveau seit 1992. Der Anstieg spiegelt die zunehmende Erwartung einer weiteren Zinserhöhung wider.

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In den vergangenen Jahren ist das britische Pfund zum Euro in einer vergleichsweise engen Spanne seitwärts marschiert. Doch jetzt macht die britische Währung ernsthafte Anstalten, entscheidend nach oben auszubrechen. Mit Kursen von zeitweise 65,37 Pence für einen Euro ist das untere Band der seit Anfang 2003 gültigen Kursspanne bereits erreicht. Wenn der Euro jetzt noch etwas mehr an Wert verliert, dann wäre charttechnisch gesehen der Weg frei für weitere Avancen.

Doch das Pfund demonstriert nicht nur zur europäischen Einheitswährung Stärke. Vielmehr befindet es sich auch im Verhältnis zum Dollar auf dem Weg nach oben. Hier hat es am Dienstag mit Notierungen von 1,9916 Dollar sogar schon den höchsten Stand seit dem 10. September 1992 erreicht. Das war übrigens zu den Zeiten, als die britische Regierung das Pfund aus dem damaligen europäischen Wechselkursverbund löste.

Stark gestiegene Verbraucherpreise schüren Zinsängste

Die Initialzündung für den jüngsten Kursschub zugunsten des Pfunds war eindeutig die Entscheidung der Bank of England, ihren Leitzins am 11. Januar überraschend um weitere 25 Basispunkte auf nunmehr 5,25 Prozent zu erhöhen. Zum Verständnis: Währungen profitieren tendenziell von steigenden Leitzinsen, weil Finanzanlagen im entsprechenden Währungsraum im Vergleich zu niedrig verzinsten Währungen attraktiver sind.

Über die Zinsschiene könnte das Pfund auch weiterhin Rückenwind bekommen. Zumindest hat der im Dezember verbuchte Anstieg des Verbraucherpreisindex mit plus 3,0 Prozent die Spekulationen in dieser Hinsicht weiter angeschürt. Denn dies war nicht nur der höchste Wert, seitdem die Zahlen im Jahr 1997 erfasst werden. Die Zahl lag auch über den ohnehin schon sehr hohen Markterwartungen. Die von der Zentralbank angestrebte Jahresinflationsrate von rund zwei Prozent wurde damit deutlich verfehlt.

Aufgrund dieser Inflationszahl haben Analysten wie Ronald Plasser von Raiffeisen Research folgendes Zinsszenario aufgestellt: „Da mit einem signifikanten Rückgang der Inflationsrate erst zur Jahresmitte gerechnet werden kann und bis dahin die Inflationsrate noch öfters Werte um die drei Prozent erreichen könnte, ist eine weitere Zinsanhebung der Bank of England um 25 Basispunkte auf 5,50 Prozent in den nächsten Monaten (womöglich schon im Februar) sehr wahrscheinlich.“

Warten auf die neuen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt

Auch allgemein gilt an den Zins-Terminmärkten inzwischen als so gut wie sicher, dass die Notenbank ihren Leitzins zur Bekämpfung der Inflation spätestens im März ein weiteres Mal auf dann 5,5 Prozent anheben wird. Aber auch ein Zinsschritt schon im Februar gilt als möglich. Damit lägen die kurzfristigen Pfund-Zinsen dann höher als die kurzfristigen Dollar-Zinsen. Diese Aussicht lässt Kapital an die britischen Finanzmärkte strömen, was das Pfund nach oben treibt. Dies umso mehr, als das Pfund - anders als der Dollar - nicht als abwertungsgefährdet gilt.

Wie schnell die Zinsen angehoben werden, wird auch von den am Mittwoch erwarteten Zahlen zum britischen Bruttoinlandsprodukt abhängen. Im Schnitt rechnen Volkswirte mit einem Plus im vierten Quartal 2006 von 2,9 Prozent. Das wäre dann die stärkste Zuwachsrate seit 2004 und dürfte die Notenbank darin bestärken, den Leitzins tatsächlich ein weiteres Mal zu erhöhen. Dafür spricht zudem auch der Umstand, dass die Preise für Eigenheime im Januar auf ein Rekordhoch gestiegen sind. Außerdem ist der Anstieg der Einzelhandelsumsätze im Dezember mit 1,1 Prozent zum Vormonat doppelt so hoch ausgefallen wie erwartet.

Hartnäckige Widerstandszonen voraus

Derek Halpenny, Devisenstratege bei Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ in London, geht jedenfalls schon im Vorfeld davon aus, dass „die in dieser Woche anstehenden Konjunkturzahlen das Pfund voraussichtlich weiter unterstützen werden“. Auch Plasser rechnet als Konsequenz aus den Zinsspekulationen in den nächsten Monaten mit einem ausgesprochen starken Pfund. Die Prognose für die Relation Euro-Pfund hat er deshalb für Ende März auf 0,65 Pfund angehoben.

Wie lange es mit dem Pfund aufwärts geht, hängt aber auch davon ab, wann und wie stark die Europäische Zentralbank ihren Leitzins von derzeit 3,25 Prozent anheben wird. Und natürlich auch davon, was die amerikanische Notenbank mit ihrem derzeit bei fünf Prozent verharrenden Leitzins macht. Das jetzt erreichte Niveau von zwei Dollar wird jedenfalls normalerweise nicht so leicht zu knacken sein. Denn dieses Kursniveau hat das Pfund Anfang der 90-er Jahre schon zweimal knapp erreicht, hat dann aber immer wieder abgewertet. Folglich befinden sich dort jetzt hartnäckige charttechnische Widerstände, die nur schwer zu knacken sein werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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