Die Entwicklungen am Devisenmarkt sind unübersichtlicher geworden, als sie in den vergangenen Jahren eines boomenden Euros und zum Teil im Trend deutlich aufwertender Schwellenländer- und Rohstoffländerwährungen waren.
Inzwischen befinden sich die verschiedenen Währungen im Brennpunkt unterschiedlicher konjunktureller Entwicklungen, unterschiedlicher Zinserwartungen, unterschiedlicher Bewertungen, eines stark schwankenden und aufgrund der anhaltenden Kreditkrise reduzierten Risikoappetits der Anleger und nicht zuletzt unterschiedlicher makroökonomischer Konstellationen.
Unterschiedliche Zinserwartungen stehen kurzfristig zwischen Euro und Dollar
So wird der Euro gegen den amerikanischen Dollar zumindest kurzfristig wieder einmal von den sehr unterschiedlichen Zinserwartungen in den Vereinigten Staaten und Europa beflügelt. Immerhin hat Ben Bernanke als Präsident der amerikanischen Zentralbank am Donnerstag deutlich weitere Leitzinssenkungen angedeutet, obwohl diese kein geeignetes Mittel sind, um die gegenwärtig anhaltende Vertrauenskrise und die dadurch ausgelöste Kontraktion zu lösen. Der Blick auf die Vergangenheit legt sogar die Vermutung nahe, dass tiefe Zinsen zu einer neuen Kurs- und Vermögenspreisblase führen werden. Möglicherweise lässt sie sich im Form der stark steigenden Preise im Rohstoff- und Edelmetallbereich längst beobachten.
Auf der anderen Seite steht die europäische Zentralbank, die nach Aussagen vom Donnerstag aufgrund des anhaltenden Inflationsdrucks eher zu Zinserhöhungen als zu Zinssenkungen neigt. Auch das dürfte kaum verwundern, denn sie muss sich gegen die unverantwortlichen Tendenzen im Politik- und Fiskalbereich der verschiedenen europäischen Staaten wehren. Immerhin tendieren hier nicht wenige populistischen Stimmen dazu, hohe Lohnforderungen zu rechtfertigen. Allerdings kann auf diese Weise eine Lohn-Preisspirale in Gang gebracht werden, die konjunkturell kontraproduktiv wäre. Kein Wunder also, dass die Europäische Zentralbank ausdrücklich die Gegenposition einnimmt. Schädlich wären vor allem hohe Lohnabschlüsse im Öffentlichen Sektor, da es dort so gut wie keine Produktivitätsfortschritte gibt.
Wann legt der Devisenmarkt den Fokus auf unterschiedliche Wachstumserwartungen?
So wird der Euro-Dollar-Kurs zumindest kurzfristig von den unterschiedlichen Zinserwartungen wieder einmal etwas beflügelt. Allerdings kann sich das Bild mittelfristig deutlich ändern. Denn während der starke Euro zusammen mit einer unvernünftigen Wirtschaftspolitik das europäische Wachstum ausbremsen könnte, würde das amerikanische Wachstum in den kommenden Quartalen möglicherweise trotz der wohl noch länger anhaltenden Kreditkrise von den tiefen Zinsen und über den Exportsektor vom schwachen Dollar profitieren und sich erholen können. So stellt sich nur die Frage, wann der Devisenmarkt dieses Szenario vorwegnehmen und wieder auf den Dollar setzen wird. Solche Wetten könnten möglicherweise gegen den überbewerteten Euro besonders ausgeprägt werden.
Die amerikanische Währung könnte jedoch auch von anderer Seite Rückwind erhalten. So wird der schwache Dollar mit hoher Wahrscheinlichkeit die Importneigung der Amerikaner und damit indirekt die Nachfrage nach Produkten aus den Schwellenländern dämpfen. Auf dieser Schiene könnten die Schwellenländerwährungen in die Defensive geraten. Sollten auch die Rohstoffpreise konsolidieren, können auch die entsprechenden Währungen unter Druck geraten. Das gilt vor allem für den kanadischen und den australischen Dollar. Der kanadische Dollar steht jetzt schon deutlich unter Druck, da sich die kanadische Wirtschaft kaum wird von der amerikanischen Wirtschaftsschwäche abkoppeln können. Der Loonie verlor in den vergangenen beiden Tagen mehr als zwei Prozent gegen den Euro und auch gegen den amerikanischen Dollar.
Unsicherheit führt zur Reduktion der Carry Trades
Grundsätzlich scheinen die Devisenhändler aufgrund der anhaltenden Unsicherheit an den Finanzmärkten auch die so genannten Carry Trades weiter zu reduzieren. Hatten sie in der Vergangenheit dazu geführt, dass niedrig verzinsliche Währungen wie der Schweizer Franken und der Yen deutlich an Wert verloren hatten, so ist gegenwärtig gerade das Gegenteil der Fall. Schweizer Franken und Yen erholen sich, obwohl einzelne Analysehäuser wie Goldman Sachs die japanische Wirtschaft in eine Rezession abgleiten sehen. Dann würde sich das Problem zu tiefer Zinsen zeigen: Sie lassen sich im Notfall nicht mehr senken, um die Konjunktur anzukurbeln. In Japan hat die keynesianische Liquiditätsfalle längst zugeschnappt. Hoffentlich treiben es die Amerikaner nicht auch noch so weit.