30.09.2009 · Der Yen demonstriert zur Wochenmitte schon wieder Stärke gegenüber dem Dollar. Damit ist die zunächst etwas stützende Wirkung der vom japanischen Finanzministerium angedeuteten Möglichkeit von Stützungsmaßnahmen bereits wieder verpufft.
Am Dienstag hatten bei den Devisenmarktakteuren Äußerungen von Hirohisa Fuji für Aufmerksamkeit gesorgt. Der japanische Finanzminister hatte gesagt, dass Interventionen gegen den Yen möglich wären, wenn es zu abnormalen Entwicklungen kommt. Aber offenbar wurde diese Warnung nicht wirklich Ernst genommen. Zumindest hat sich der Yen dadurch nicht davon abhalten lassen, am Mittwoch mit 89,52 Yen gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit Februar zu klettern. Zum Euro tendiert der Yen seit März dagegen mit aktuell 130,87 Yen per saldo seitwärts.
Wie die Charttechniker der Hessischen Landesbank ausführen, bewegt sich die Parität Dollar-Yen damit weiterhin in einem breiten Abwärtstrend und die charttechnischen Indikatoren sprächen überwiegend für einen anhaltend festen Yen. Richtig kritisch dürfte es werden, wenn die Marke von 87,835 Yen gebrochen werden sollte. Denn diese Notiz wurde letztmals im Dezember erreicht und das war damals das höchste Niveau, das der Yen seit 1995 gegenüber dem Dollar markieren konnte.
Die jüngsten Aussagen des Finanzministers zeigen auch deshalb nur begrenzte Wirkung, weil Fujii seit seiner Amtsübernahme vor rund zwei Wochen mehrfach Interventionen am Devisenmarkt zur Wechselkurskorrektur des Yen abgelehnt hat. Dies unterscheidet die neue von der Demokratischen Partei Japans (DPJ) geführte Regierungskoalition von der Vorgängerregierung, die eher auf einen schwachen Yen zur Exportstützung gesetzt hatte. Die DPJ sieht in einem stärkeren Yen dagegen ein Mittel, um die Kaufkraft der Japaner und die Binnennachfrage zu stärken. Allerdings hat auch die Vorgängerregierung seit 2004 nicht mehr in größerem Stil an den Devisenmärkten interveniert.
Dollar löst Yen als günstigste Carry-Trade-Währung ab
Dabei könnte Japan volkswirtschaftliche betrachtet Hilfe durch einen schwachen Yen gebrauchen. Hat die einbrechende heimische Nachfrage die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft im August doch in die tiefste Deflation seit Beginn der Datenerhebung getrieben. Und andere Länder in einer ähnlichen Lage greifen da dann im Kampf gegen eine Deflationsspirale oft auf das Hilfsmittel einer schwächeren Landeswährung zurück.
Eine starke Währung verteuert dagegen die Ausfuhren und verbilligt Einfuhren, vor allem von Rohöl. Das drückt auf die Preise: Im August sanken die Lebenshaltungskosten binnen Jahresfrist mit 2,4 Prozent so stark wie nie. Werden die üblicherweise stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise herausgerechnet, liegt das Minus bei den Lebenshaltungskosten bei 0,9 Prozent. Zudem würde eine Abwertung des Yen den japanischen Exporteuren helfen. Die Firmen setzten etwa im August mehr als ein Drittel weniger im Ausland ab als im Vorjahr, und die Erholung im Außenhandel verlor zuletzt an Schwung.
Das alles spricht dafür, dass die japanische Notenbank noch lange an der von ihr verfolgten Niedrigzinspolitik (die Leitzinsen in Japan liegen derzeit nahe Null) festhalten wird. Vor diesem Hintergrund verwundert die Stärke des Yen etwas, zumal die hohe Staatsverschuldung auch nicht gerade für den Yen spricht. Außerdem würde man auf den ersten Blick annehmen, dass die tiefen Zinsen die japanische Landeswährung eigentlich weiterhin als Mittel zur Umsetzung von Carry Trades prädestinieren würden. Doch vor kurzem ist die Zinsdifferenz zwischen Amerika und Japan zum ersten Mal seit 1993 negativ geworden. Die deutliche Ausweitung der von der Fed zur Verfügung gestellten Liquidität war vermutlich dafür verantwortlich, dass der Dollar Dreimonatslibor bis auf 0,3 Prozent sank und damit unter den Yen-Libor von 0,35 Prozent. Laut den Analysten der österreichischen Erste Bank bedeutet das, dass Kredite in Yen im Vergleich zum Dollar für Carry Trades unattraktiv werden, was den Yen unterstützt.
Möglichkeit von Interventionen nicht einfach wegwischen
Auf diesen Faktoren stellen auch die Analysten von Capital Economics hin. Außerdem sei die Yen-Stärke ein Produkt der deutlichen konjunkturellen Erholung in Japan. Mit einem soliden Wachstum von 3,7 Prozent hatte die japanische Wirtschaft die Rezession im zweiten Quartal hinter sich gelassen. Und laut Capital Economics kann der Yen auf realer handelgewichteter Basis auch nicht als überteuert bezeichnet werden. Zusammengefasst spreche dies für einen zunächst weiterhin festen Yen.
Darauf deutet auch der erwähnt intakte charttechnische Aufwärtstrend zugunsten des Yen hin. Dennoch sollte engagierte Investoren die Interventionsaussagen von Fuji nicht einfach beiseite schieben. Auch wenn sie den Yen nicht unmittelbar schwächen können, dürften sie nach Einschätzung der Commerzbank zumindest eine weitere Aufwertung schwierig machen. Bei Kursen unter 90 Yen zum Dollar dürfte die Luft nach deren Lesart zunächst einmal dünn werden.
Immer weiter so
Klaus Dieter (Leser2009)
- 03.10.2009, 12:03 Uhr
Naja...
Matthias Reith (weeklyeconomics.blogspot.com)
- 05.10.2009, 18:43 Uhr
Naja...
Matthias Reith (weeklyeconomics.blogspot.com)
- 05.10.2009, 19:16 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |