Der amerikanische Dollar steht unter Druck, das ist nicht neu. Auch die Gründe für die Entwicklung sind hinlänglich bekannt: Es sind die strukturellen Defizite des Landes, die in jüngster Zeit auf der Währungsseite noch von der überraschenden Leitzinssenkung verstärkt wurden.
Viele gehen davon aus, dass die amerikanische Wirtschaft aufgrund der Schwäche im Hausbau und der entsprechenden Folgewirkungen - dazu zählt unter anderem die restriktiv wirkende Kreditkrise - nur unterproportional wird wachsen können, sofern sie nicht gar in eine Rezession abgleitet. Auf dieser Basis liegt es Spekulanten sogar nahe, weitere Zinssenkungen zu erwarten.
Wechselkurs des Yuans wird nicht von den Marktkräften bestimmt
Genau das treibt den Euro gegenwärtig gegen den Dollar beinahe täglich auf neue Hochs, da kaum jemand mit einer ähnlichen Zinsentwicklung in Europa rechnet. So würde die Zinsschere zwischen den Vereinigten Staaten und Euroland auseinander laufen und den Wechselkurs zumindest kurzfristig weiter nach oben treiben.
Mittelfristig mag das Bild anders aussehen, wenn eine schwache Konjunktur in den Vereinigten Staaten die amerikanische Importnachfrage dämpfen und zusammen mit dem schwachen Dollar die Exportaktivitäten ankurbeln sollte. Auf diese Weise könnte das amerikanische Leistungsbilanzdefizit reduziert werden.
Das gilt zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis ist der Dollar nur gegen den Euro und wenige andere freie Währungen schwach, während viele andere direkt oder indirekt an den Greenback gekoppelt sind. Der Wechselkurs des chinesischen Yuans beispielsweise wird nicht von den Marktkräften bestimmt, sondern von staatlichen Stellen. Das führte in den vergangenen Wochen faktisch dazu, dass die chinesische Währung gegen den Euro sogar abgewertet hat. Dabei müsste sie aufgrund der riesigen und der vor allem auch im Handel mit Europa deutlich wachsenden Handelsüberschüsse aufwerten.
Europäische Unternehmen verlieren über den Wechselkurs an Wettbewerbsfähigkeit
Aufgrund dieser Konstellation dürfte es kaum verwundern, dass sich in Europa immer mehr Unmut über die Entwicklung am Devisenmarkt zeigt, denn sie geht zu Lasten der europäischen Exportunternehmen, die über die Währung zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Nicht nur gegenüber amerikanischen Konkurrenten, sondern auch gegenüber internationalen Unternehmen, die Asien - insbesondere China - zunehmend als Produktionsbasis nutzen. Längst ist das chinesische Exportwachstum nicht mehr auf Güter wie Textilien oder Schuhe begrenzt, sondern das Land vermarktet zunehmen Maschinen und elektronische Artikel.
Auf dieser Basis dürfte der Druck auf China deutlich zunehmen, endlich deutlicher den Binnenkonsum anzukurbeln, statt den Export mit einer unterbewerteten Währung, Steuervergünstigungen oder anderen Exportsubventionen zu stimulieren. Denn sonst dürften sich protektionistische Tendenzen auf den Märkten Chinas eher früher als später bemerkbar machen. Deutschland zum Beispiel kann bisher vom Export hochwertiger Produkte profitieren. Was passiert jedoch dann, wenn China diese künftig selbst produziert oder wenn deutsche Unternehmen ihre Produktion nach Asien verlagert haben werden?
Selbst eine deutliche Aufwertung der asiatischen Währungen würde den Wettbewerbsdruck nur in Ansätzen lindern. Denn ein Vergleich der Lohnkosten in Asien mit jenen in Europa, Amerika, Japan oder Australien zeigt, dass dazwischen Welten liegen.