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Devisenmarkt Wichtigste Ostwährungen dürften bis zur Euro-Einführung aufwerten

14.11.2005 ·  Der Fahrplan für die Euro-Einführung in Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei ist noch offen. Laut Erste Bank kann das teils bis 2013 dauern. Die Analysten rechnen damit, daß die Währungen bis dahin an Wert gewinnen.

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Der EU-Beitritt der ersten osteuropäischen Länder liegt inzwischen schon mehr als 18 Monate zurück. Mit diesem Schritt ist gemäß den dabei abgeschlossenen Verträgen langfristig auch die Einführung des Euros in diesen Ländern verbunden. Doch wegen großer Ungleichgewichte im Außenhandel und den Staatshaushalten ist speziell bei den größten Beitrittsländern aus dem Osten noch unklar, wann der Euro dort kommen kann. Denn zum Termin steht in den Verträgen nichts Konkretes.

Die Analysten der österreichischen Erste Bank gehen davon aus, daß als erstes der vier großen mitteleuropäischen Länder die Slowakei im Jahr 2009 den Euro einführen wird. Diese Prognose deckt sich auch mit dem von der Slowakei selbst vorgegebenen Fahrplan.

Erst deutlich später, nämlich im Jahr 2012 soll dann als zweites Polen nachziehen. Das zuletzt von den Polen angestrebte Ziel, den Euro im Jahr 2010 einzuführen, sei mit dem Ausgang der jüngsten Wahlen hinfällig geworden. Und Ungarn und in Tschechien, die laut Erste Bank wegen ihrer unsteten Finanzpolitik die größten Glaubwürdigkeitsprobleme an den Märkten haben, könnten bis zur Euro-Einführung sogar bis zum Jahr 2013 warten müssen.

Aufwertungspotential reicht von 8,6 bis 13,3 Prozent

Die Autoren Viktor Kotlan und Miroslav Plojhar rechnen damit, daß die Währungen der Kandidaten bis zum Beitritt einen stetigen Aufwertungsprozeß durchlaufen und im Schnitt Jahr für Jahr zwischen zwei bis vier Prozent anziehen. Im Falle der Slowakei rechnen sie damit, daß die Krone mit einem Kurs zum Euro von 35,6 Kronen umgetauscht wird. Aktuell wird die slowakische Landeswährung bei 38,949 Kronen gehandelt, also 8,6 Prozent niedriger. Beim polnischen Zloty gehen sie von einem Umtauschkurs von 3,50 Zloty aus, was gegenüber dem aktuellen Kurs von 4,0350 einer Aufwertung von gut 13 Prozent gleichkäme.

Der tschechischen Krone sagen Kotlan und Plojhar einen Umtauschkurs von 25,6 Kronen voraus, was verglichen mit der derzeitigen Notiz von 29,23 Kronen einem Anstieg von über elf Prozent entsprechen würde. In einer ähnlichen Großenordnung wird auch das Aufwertungspotential des ungarischen Forint veranschlagt. Konkret schätzen die Analysten den Wechselkurs auf 223 Forint. Gemessen an der momentanen Notiz von 251,10 Forint würde das einen Anstieg von 12,4 Prozent bedeuten.

Forint-Prognose mit den größten Unsicherheiten behaftet

Was aber die Eintrittswahrscheinlichkeit der Prognose anbelangt, wittern die Experten der Erste Bank beim Forint die größten Risiken. Unter anderem spielt dabei der Druck eine Rolle, der immer wieder von der Politik mit dem Ziel einer Forint-Abwertung ausgeübt wird, und der im Frühjahr 2003 mit der damals beschlossenen Abwertung auch schon einmal praktische Konsequenzen gezeigt hat. Als größtes Problem wird hier aber neben dem hohen Leistungsbilanzdefizit der schlechte Zustand der öffentlichen Kassen genannt. Unlängst mußten die Prognosen für das Haushaltsdefizit sowohl für 2005 als auch für 2006 angehoben werden. Da beim Defizit keine schnelle Besserung in Sicht ist, dürfte der Fahrplan der ungarischen Regierung, die offiziell noch einem Euro-Beitritt im Jahr 2010 anstrebt, nicht zu halten sein.

Das Jahr 2010 gilt auch in Tschechien derzeit noch als offiziell anvisierter Beitrittstermin. Doch die Annahme, daß die rechtsgerichtete Opposition, die dem Euro eher reserviert gegenübersteht, nach den im Juni 2006 anstehenden Wahlen in irgendeiner Form an der Regierung beteiligt sein dürfte, sollte nach Lesart der Erste Bank-Analysten zusammen mit dem steigenden Haushaltsdefizit eine Einhaltung des Fahrplans ebenfalls verhindern.

Auch im Falle Polens glauben Kotlan und Plojhar nicht an den propagierten Fahrplan. Auch hier sind politische Überlegungen ausschlaggebend: Den die aus den kürzlich abgehaltenen Wahlen siegreich hervorgegangene Koalition legti nicht gerade eine euphorische Haltung gegenüber dem Euro an den Tag.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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